Kurzfilm

Die Reise zum Mond (1902)

Regie: Georges Méliès
Original-Titel: Le Voyage dans la Lune
Erscheinungsjahr: 1902
Genre: Fantasy, Science Fiction, Kurzfilm
IMDB-Link: Le Voyage dans la Lune


Thomas Mann sagte einst: „Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich aus den Dingen etwas zu machen.“ Sein Zeitgenosse Georges Méliès muss diesen Spruch wohl auch gehört haben. Jedenfalls setzte sich der gelernte Zauberkünstler daran, diesem seltsamen neuen Medium mit den bewegten Bildern auf den Grund zu gehen und dessen Potential zu heben. Anders als die Gebrüder Lumière war Méliès nicht daran interessiert, die Zuseher mit möglichst realistisch wirkenden Bildern zu schocken. Nein, er erkannte so früh wie niemand sonst, dass man mit dem Film ganz neue Welten erdenken konnte. Am (vorläufigen) Ende dieser über 100 Jahre währenden Reise stehen nun die verblüffenden CGI-Welten des Blockbuster-Kinos von heute, wenn man konstatieren muss: Es gibt nichts mehr, was sich im Kino nicht darstellen lässt. Selbst Robert De Niro kann wieder jung aussehen, und Andy Serkis bekommt regelmäßige Faceliftings. Den Anfang machte Georges Méliès, der 66 Jahre, bevor die NASA das persönlich überprüfen konnte, den Mond von allerlei seltsamen Kreaturen bevölkern ließ – und nein, damit meine ich nicht Neil Armstrong und Buzz Aldrin. In Méliès‘ berühmten Science Fiction-Film „Die Reise zum Mond“ geht es weitaus seltsamer zu. Wissenschaftler fliegen in bunten Roben ins Auge des Mondes, echsenhafte Tiere hüpfen wildgeworden zwischen Kratern und Schwammerl sprießen aus dem Boden, dass es geradezu eine Freude ist. Erstaunlich sind neben der fantasievollen Ausstattung vor allem die Spezialeffekte, die auch heute noch verblüffen. Hier nutzte Méliès all seine Erfahrung als Zauberer, um in seinem Film Illusionen zu erzeugen, die heutzutage einen maßlosen Einsatz von CGI erfordern würden. Wie weit Méliès seiner Zeit voraus war, zeigt zudem die 2002 wiederentdeckte handkolorierte Version des Films. So ist „Die Reise zum Mond“ nicht nur einer der ersten Science Fiction-Filme der Geschichte in einer herausragenden technischen Umsetzung, sondern auch gleich mal einer der ersten Farbfilme überhaupt. Ein Meilenstein der Filmgeschichte, quasi der Urururgroßvater aller Avengers-Filme.


9,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Papageno (1935)

Regie: Lotte Reiniger
Original-Titel: Papageno
Erscheinungsjahr: 1935
Genre: Kurzfilm, Animation
IMDB-Link: Papageno


Ich bin ein Fan von Lotte Reinigers Scherenschnitt-Animationen. Wenn unbändige Kreativität auf handwerkliche Begabung trifft, ist das Ergebnis zeitlos. Und so verzaubert ihr Kurzfilm „Papageno“ nach Motiven der Oper „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart auch heute noch. In gerade mal elf Minuten erzählt sie auf ihren Scherenschnitt-Tableaus die Geschichte des Vogelfängers Papageno und dessen Liebe zu Papagena, die er in mutigen Abenteuern für sich erobert. Was mich an Reinigers Filmen immer fasziniert ist, wie sie mit Raum, Tiefe und Perspektive umging. Sie erstellte mit zweidimensionalen Silhouetten räumliche Welten, in denen auch stets im Hintergrund viel passiert. Jedes Detail war für Lotte Reiniger wichtig, jede Randfigur bekam ihre ganze Aufmerksamkeit. Diese Liebe zum Detail und zu ihrem Werk überträgt sich auf die Zuseher. Man vergisst heutzutage in Zeiten von CGI und Effekten, die jegliche nur denkbare Welt auf die Leinwand bringen können, wie viel Arbeit und Fantasie nötig sind, um diese Welten zu erschaffen. Die Filme von Lotte Reiniger führen dem Zuseher dies wieder vor Augen. „Papageno“ aus dem Jahr 1935 ist pure Kino-Magie. Diese elf Minuten sind gut investierte Zeit, eine kurze Flucht aus der Realität in einen schönen Traum, der das Herz öffnet für die kleinen und größeren Wunder, die sonst spurlos an uns vorüberziehen.


7,5
von 10 Kürbissen

Lonely Rivers (2019)

Regie: Mauro Herce
Original-Titel: Lonely Rivers
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Kurzfilm
IMDB-Link: Lonely Rivers


„Lonely Rivers“ heißt ein Song von Elvis Presley. Dieser ist bei Karaoke eine sichere Bank. Doch auch andere Hadern lassen sich super singen. Tom Jones zum Beispiel kommt auch immer gut. Und so sieht man in Mauro Herces Kurzfilm „Lonely Rivers“ mal mehr, mal weniger begabte Herren unterschiedlicher Herkunft (die meisten aus dem asiatischen Raum) in einem anonym gehaltenen Aufenthaltsraum diese grandiosen Schnulzen inbrünstig singen. Und das ist im Grunde auch schon der ganze Film. Karaokesequenz folgt auf Karaokesequenz. Und je später die Stunde, desto trübsinniger und melancholischer die Lieder. Was das alles soll? Das wird in einer kurzen Zwischensequenz, als aus dem Radio „Stille Nacht“ ertönt und der finalen Schlussszene ersichtlich. Und mit einem Male hört man mehr in diesen Songs. Man hört Sehnsüchte und Wünsche und Träume und den Kampf gegen die Einsamkeit heraus. Die Gesichter der Männer, wenn sie ihre Lieder von Liebe und Geborgenheit singen, sprechen für sich. Und so kann die Idee von „Lonely Rivers“ durchaus als interessant bezeichnet werden, auch die Umsetzung ist gut. Allerdings ist der Film per se halt nicht mehr als eine halbe Stunde lang Männern beim Karaokesingen zuzusehen. Als Narrativ ist dies etwas dürftig, da muss man sich erst mal durchkämpfen.


5,5
von 10 Kürbissen

Das gestohlene Herz (1934)

Regie: Lotte Reiniger
Original-Titel: Das gestohlene Herz
Erscheinungsjahr: 1934
Genre: Kurzfilm, Animation
IMDB-Link: Das gestohlene Herz


Wer hier regelmäßig mitliest, wird mitbekommen haben, dass ich ein Herz für alte Filmklassiker habe und vor allem von Lotte Reinigers Werk beeindruckt bin. Sie drehte 1926 mit Die Abenteuer des Prinzen Achmed einen der ersten abendfüllenden Animationsfilme überhaupt. Das Faszinierende an Lotte Reiniger: Sie arbeitete ausschließlich mit Scherenschnitten, die sie selbst anfertigte. In jedem Schnitt liegt ein solch unglaubliches Detailreichtum und so viel Seele, das man auch fast ein Jahrhundert später noch emotional mitgenommen wird in ihren Filmen. Auch inhaltlich versprühen ihre Filme Magie. Ihr Kurzfilm „Das gestohlene Herz“ von 1934 handelt von einem bösen Geist, der eines Nachts alle Musikinstrumente und damit die Musik aus einer Stadt stiehlt und diese in seiner Höhle gefangen hält. Doch eine widerspenstige Flöte kann sich und ihre Musikinstrumentenfreunde befreien, und gemeinsam flüchten sie zurück in die Stadt zu ihren Besitzern, die fortan wieder fröhlich musizieren können. Eindrucksvoll ist vor allem die Szene, als die Musikinstrumente in einem berauschenden Tanz durch den Himmel zurückfliegen in die Stadt. Im Vergleich zu anderen Filmen Lotte Reinigers, die durchaus Themen wie Liebe, Betrug und Sexualität in ihren Scherenschnitten verarbeitete, wirkt „Das gestohlene Herz“ fast ein wenig kindlich naiv. Gleichzeitig aber kann man in diesem Film eine politische Konnotation wahrnehmen. Der böse Geist, der den glücklichen Stadtbewohnern die Musik und damit die Lebensfreude raubt, kann durchaus verstanden werden als Geist des Nationalsozialismus, der 1933 die Macht in Deutschland übernahm. Mit diesem Wissen funktioniert der Film auch noch über eine intellektuelle Ebene, aber auch darüber hinaus zeugt „Das gestohlene Herz“ in jeder Einstellung von der Experimentierfreude und dem hintersinnigen Witz Lotte Reinigers, sodass man beim Ansehen einfach Spaß hat. Ich kann jedem Filminteressierten empfehlen, einen Blick (oder mehrere) auf ihre Scherenschnitt-Filme zu werfen. Diese strahlen auch heute noch eine ungebrochene Magie aus.


7,0
von 10 Kürbissen

Harlekin (1931)

Regie: Lotte Reiniger
Original-Titel: Harlekin
Erscheinungsjahr: 1931
Genre: Animation, Kurzfilm
IMDB-Link: Harlekin


In der Filmkunst Lotte Reinigers liegt eine besondere Magie. Mit einfachen Scherenschnitten erweckte sie fantastische Helden und Orte zum Leben. Sie gilt als Pionierin des Trickfilms und war, was Kreativität und liebevolle Detailgestaltung betrifft, ihrer Zeit wohl deutlich voraus. Ihr Kurzfilm „Harlekin“ von 1931 ist ein Meisterwerk, das nur übertroffen wird von ihrem fünf Jahre zuvor erschienenen Langfilm Die Abenteuer des Prinzen Ahmed. In „Harlekin“ erzählt sie die Geschichte eines gefallenen Narren, der zunächst durch die Gegend streicht und Unsinn anstellt, sich dann aber in eine Zofe verliebt, während deren Herrin selbst ein Auge auf den Harlekin geworfen hat. Das führt natürlich zu unangenehmen Verwicklungen. Großartig ist neben der vielschichtig aufgebauten Story auch die Umsetzung mit Landschaften, die aufgrund von mehreren Schichten eine außergewöhnliche Tiefenwirkung bekommen. Aber auch Details wie beispielsweise eine Nacktszene überraschen und unterstreichen das Visionäre in Reinigers Werk. Ich hätte kaum geglaubt, dass man dermaßen mit Papierfiguren, die noch dazu als Schatten auf dem Bildschirm tanzen, so mitfiebern kann. Aber dank ihrer Besessenheit und Detailverliebtheit gelang es Reiniger, diesen Papierschatten eine Seele einzuhauchen. Wer Filme liebt und Kreativität zu schätzen weiß, kommt an Lotte Reinigers Scherenschnitt-Filmen, die ausgezeichnet gealtert sind, nicht vorbei. Noch dazu ist ihr Werk größtenteils frei zugänglich über Plattformen wie Youtube und Co. Ausreden gibt es also nicht.


8,0
von 10 Kürbissen

Der große Eisenbahnraub (1903)

Regie: Edwin S. Porter
Original-Titel: The Great Train Robbery
Erscheinungsjahr: 1903
Genre: Kurzfilm, Western, Action
IMDB-Link: The Great Train Robbery


Was soll der Scheiß? „Der große Eisenbahnraub“ wird angekündigt als Actionfilm und Western mit wilden Schießereien und spannenden Szenen und Verfolgungsritten, und dann das! Lahmarschige 12 Minuten (Avengers: Endgame dauerte 182 Minuten, das ist mal value for money!) sehen wir ein paar Nasen zu, wie sie durch die Landschaft hirschen und versuchen, einen Zug auszurauben. Die Actionszenen sind lahm, die Special Effects lachhaft (ganz miese CGI!), das Bild ist pixelig und von Method Acting haben die Schauspieler wohl auch noch nie etwas gehört. Und so ein Blödsinn gehört zu den „1001 Filmen, die man sehen sollte, bevor das Leben vorbei ist“. Geht’s noch? Das Beste: In einer Einstellung sieht man, wie eine Puppe vom Zug geworfen wird! Haben die keine Stunt-Leute gehabt? Man sieht dem Film einfach in allen Belangen an, wie billig er produziert wurde. Aber für ein gutes B-Movie fehlt ihm der selbstironische Humor. Die haben das tatsächlich ernst gemeint, als sie diesen Film gedreht haben! Und was soll diese lächerliche Szene am Schluss, als der Eisenbahnräuber in Richtung Kamera ballert? Durchbrechung der vierten Wand – moi, was für eine ungewöhnliche Idee, auf die ist ja noch nie jemand gekommen! (Schnarch.) Eine herbe Enttäuschung. Aber zum Glück kommt bald „John Wick 3“ ins Kino. Da kann man dann sehen, wie Actionkino richtig geht.


6,0
von 10 Kürbissen

Die Muschel und der Kleriker (1928)

Regie: Germaine Dulac
Original-Titel: La cocquille et le clergyman
Erscheinungsjahr: 1928
Genre: Kurzfilm, Experimentalfilm
IMDB-Link: La cocquille et le clergyman


Wenn man sich für Filme interessiert, stößt man irgendwann einmal unweigerlich auf das Werk „Ein andalusischer Hund“ von Luis Buñuel und Salvador Dalí – das frühe Meisterwerk des surrealistischen Films schlechthin (und ein Film, der immer noch auf meiner Watch-List steht). Was aber kaum jemand weiß: Dieses Werk steht nicht am Beginn des Surrealismus im Film. Denn Germaine Dulac war mit ihrem „Die Muschel und der Kleriker“ noch ein Jahr früher dran. Darin thematisiert sie die nur allzu menschlichen Gelüste eines Pfarrers und dessen Versuchungen, dargestellt durch die Frau eines Generals. Der Film lebt allein von seiner Stimmung. Und wie auch in anderen Werken beweist Dulac ihr tiefgreifendes Verständnis des Handwerks. Sie gilt zurecht als Filmpionierin, und ihre Art und Weise, bewegte Bilder überraschend einzusetzen und damit Atmosphäre zu kreieren, kann auch heute noch als Vorbild dienen. Ich kann nicht genau benennen, woran es genau liegt, aber ihre Bilder wirken auch 90 Jahre nach ihrer Entstehung frisch und modern. Vielleicht liegt es am geschickten Einsatz von Licht und Schatten, vielleicht an ungewöhnlichen Perspektiven, vielleicht am Rhythmus, in dem auch Zeitlupen-Einstellungen organisch eingebaut werden – wahrscheinlich ist es einfach das Zusammenspiel all dieser Techniken, die ihre Filme so zeitlos machen. Und auch wenn es teilweise anstrengend ist, den surrealistischen Bildern zu folgen, ist „Die Muschel und der Kleriker“ in jedem Augenblick ein faszinierendes Werk.

 


8,0
von 10 Kürbissen

Meshes of the Afternoon (1943)

Regie: Maya Deren und Alexander Hammid
Original-Titel: Meshes of the Afternoon
Erscheinungsjahr: 1943
Genre: Kurzfilm, Experimentalfilm
IMDB-Link: Meshes of the Afternoon


Unter den „1001 Filmen, die Sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist“ befindet sich auch der avantgardistische Kurzfilm „Meshes in the Afternoon“ von Maya Deren und Alexander Hammid. Darin beschäftigt sich das Ehepaar Deren/Hammid mit Depressionen und Träumen aus der Perspektive einer Frau. Interessant sind vor allem die stilistischen und handwerklichen Mittel, die zum Einsatz kommen: Doppelungen und Spiegelungen, Zeitlupen, sehr subjektive Kameraperspektiven, Stop-Motion – hier wird alles aufgefahren, was filmtechnisch in der damaligen Zeit möglich war. Allein das schon macht „Meshes of the Afternoon“ zu einem sehenswerten und filmhistorisch interessanten Stück. Tatsächlich ist es aber die rätselhafte und verschachtelte Handlung als Sinnbild für Depression und Melancholie, die dem Film auch heutzutage Relevanz verleiht. Der Film lädt dazu ein, sich bei einem Glas Wein in einem verrauchten Kaffeehaus mit Freunden heftigste Diskurse über mögliche Interpretationen zu liefern. Ich weiß. „I feel so bohemian like you …“ Ich möchte mit meiner Filmbesprechung und der Einladung zum gemeinsamen Philosophieren wirklich nicht die nächste Generation an Hipstern heranzüchten. Aber Rotwein (beispielsweise ein Gläschen Monastrell „Finca Bacara Time Waits for No One Red Skull 2017“) passt tatsächlich hervorragend zu diesem gut gealterten cineastischen Meilenstein. In diesem Sinne: Prost!


7,5
von 10 Kürbissen

Tag der Freiheit – Unsere Wehrmacht (1935)

Regie: Leni Riefenstahl
Original-Titel: Tag der Freiheit – Unsere Wehrmacht
Erscheinungsjahr: 1935
Genre: Dokumentation, Propagandafilm, Kurzfilm
IMDB-Link: Tag der Freiheit – Unsere Wehrmacht


Leni Riefenstahl war eine geniale Filmemacherin. Visuell gehören ihre Filme zu den eindrucksvollsten ihrer Zeit. Ihre Inszenierungen sind visuelle Leckerbissen. Aber bei niemandem geht die Schere zwischen Form und Inhalt so weit auseinander wie bei ihr. Das strrrrammme teutschäää Määdääl hat nämlich Filme gemacht, die die Welt so dringend gebraucht hat wie Darmkrebs. „Tag der Freiheit – Unsere Wehrmacht“ ist Propagandamüll der übelsten Sorte. Der Inhalt? Nun, bevor Paintball populär wurde, mussten sich die militanten Halbstarken anderweitig behelfen, und zwar mittels Wehrsportübungen mit scharfen Waffen. Daneben stehen Onkel Adi und seine Wadlbeißer und blicken mit Argusaugen auf die vorexerzierte Stärke von deutschem Kruppstahl (der sich vorzugsweise dort befindet, wo andere Menschen ihr Gehirn haben). Da wird marschiert und gesungen und geballert und in Hakenkreuz-Formation geflogen. Würde man nicht wissen, welch verheerenden Schaden diese Ballermänner im Laufe des nächsten Jahrzehnts noch angerichtet haben, wäre diese ganze Turnübung fast tragikomisch. So aber geht einem das Geimpfte wieder auf. Wie gesagt, visuell ist das alles sehr gut inszeniert, und man denkt sich unweigerlich: Was für eine Verschwendung von Talent! Aber Freude hat an diesem Film mutmaßlich nur jemand wie Gaul-Leiter Kickl, der sich an der strammen Formation der Kavallerie erfreut. Für alle Anderen gilt: Dieser Dreck kann weg. Der hat nicht einmal mehr pädagogischen Wert.


1,0
von 10 Kürbissen

Kung Fury (2015)

Regie: David Sandberg
Original-Titel: Kung Fury
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Kurzfilm, Action, Fantasy, Komödie
IMDB-Link: Kung Fury


Ich bin der festen Überzeugung, dass es genau zwei Arten von Reaktionen auf die Sichtung von „Kung Fury“ gibt: Begeisterung, begleitet von hysterischem Lachen, oder völlige Ratlosigkeit. Ich oute mich als Zugehöriger zur ersten Gruppe. Schon als damals der Teaser-Trailer herauskam, mit dem David Sandberg via Kickstarter um die Finanzierung seines feucht gewordenen Bubentraums warb, war es um mich geschehen. 2015 konnte dann dank 600.000 US-Dollar Kickstarter-Spenden der ganze Film vorgestellt werden. Mit einer halben Stunde Laufzeit fiel das Werk dann doch etwas kürzer aus als ein normaler Spielfilm, aber andererseits: Wer in 30 Minuten so viel Irrsinn (und David Hasselhoff) hineinpacken kann, der braucht auch nicht mehr Zeit. Und das ist „Kung Fury“: Eine halbe Stunde völliger Wahnsinn. Sowohl Hommage als gleichzeitig Persiflage auf das Trash-Kino der 80er inklusive Störungen im Bild und einer Handlung, die diesen Namen nicht verdient. Aber das ist egal. Wenn ein von einer Kobra gebissener und vom Blitz getroffener Kung Fu-Supercop, nachdem er einen Amok laufenden Spielautomaten in seine Einzelteile zerlegt hat, in die Vergangenheit reist, um Adolf Hitler, den „Kung Führer“, zu töten, aber dabei versehentlich in die Zeit der Wikinger katapultiert wird, wo er zunächst von Laser-Raptoren beschossen wird, ehe ihn eine Walküre mit einer gezielten Salve aus ihrem Maschinengewehr rettet, und es dann doch zum Showdown in Nazi-Deutschland kommt, wo er Unterstützung von Thor, seinem Partner Triceracop, der Maschinengewehr-Wikingerbraut und einem sprechenden T-Rex bekommt, braucht man sich über kongruente Handlung wirklich keine Gedanken mehr machen. Aber damit ist auch alles über den Film gesagt, den man kostenlos auf Youtube bestaunen kann. Ein Trash-Fest, das absolut nichts ernst nimmt und eigentlich nur ein einziges Ziel hat: Immer dann, wenn der Zuseher glaubt, es geht nicht mehr absurder, noch mal einen Gang höher zu schalten.


8,0
von 10 Kürbissen