Liebesfilm

Last Night (2010)

Regie: Massy Tadjedin
Original-Titel: Last Night
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Drama, Liebesfilm
IMDB-Link: Last Night


„Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.“ War’s Goethe? War’s Grillparzer? Egal. Das Zitat jedenfalls ist zeitlos. Und das erfährt auch das junge Paar Joanna und Michael Reed (Keira Knightley und Sam Worthington). Denn Michael schaut der hübschen Kollegin Laura (Eva Mendes) recht begehrlich hinterher und Joanna trifft, während ihr Ehemann zusammen mit jener glutäugigen Dame auf Geschäftsreise ist, unverhofft auf ihre alte Flamme Alex (Guillaume Canet) – und schon bald sehen sich beide mit argen moralischen Konflikten konfrontiert. Gemäß Oscar Wilde („Ich kann allem widerstehen, nur der Versuchung nicht“) plantscht der Eine schon bald im Pool mit der Kollegin, während die Andere mit dem Verflossenen an der Hotelbar versumpert. Die Katerstimmung am nächsten Morgen scheint vorprogrammiert zu sein. „Last Night“ von Massy Tadjedin ist ein wortreiches Beziehungsdrama, das nachzeichnet, wie ein Paar mit nur wenigen Worten und Blicken den Boden unter den Füßen zu verlieren droht, und wie Misstrauen und Vermutungen jegliche Sicherheit untergraben. Keira Knightley spielt die zerbrechliche, unsichere Joanna sehr glaubwürdig. Allerdings hat Sam Worthington das Charisma einer Landschildkröte, und so muss es eine sehr sinnliche Eva Mendes richten, dass die Storyline rund um den Geschäftsmann im Hotelpool nicht komplett baden geht. Joanna ist auch der deutlich vielschichtigere Charakter, mit ihr kann man gut mitfiebern. Viel Neues bietet „Last Night“ allerdings nicht, auch wenn der Film gut gemacht ist und auch das richtige Ende findet, das zu lebhaften Diskussionen nach dem Film einlädt. 


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2010 – Focus Features, Quelle http://www.imdb.com)

Penelope (2006)

Regie: Mark Palansky
Original-Titel: Penelope
Erscheinungsjahr: 2006
Genre: Fantasy, Komödie, Liebesfilm
IMDB-Link: Penelope


Schwein muss man haben. Mit einer Schweinsnase hingegen sieht die Sache schon wieder anders aus. Diese Erfahrung macht die junge Adelige Penelope (Christina Ricci), auf der ein alter Familienfluch lastet. Erst, wenn sie von jemandem „eigenen Blutes“ trotz Rüssels so geliebt wird, wie sie ist, ist der Fluch aufgehoben. Die hysterische und überprotektive Mutter (Catherine O’Hara) veranstaltet somit Castings unter den Adeligen. Irgendein junger Single wird sich ja schon finden lassen, der den Bann bricht. Doch leider reagieren die oberen Zehntausend beim Anblick Penelopes nicht so wie gewünscht und nehmen in der Regel den direkten Ausgang durchs Fenster. Auftritt Max Campion (James McAvoy), der sich aufgrund von Spielschulden in eine böse Scharade hineintheatern lässt, aber schon bald sein Herz an die blitzkluge wie hübsche Penelope verliert. Kann er den Fluch brechen? In der Zwischenzeit veranstaltet einer der abgeblitzten Fensterstürzer eine Hetzjagd mit Hilfe der Presse, um ganz London das „Monster“ zu zeigen. „Penelope“ von Mark Palansky ist ein modernes Märchen, das sich nicht davor scheut, genau das zu sein – eben ein Märchen. Inklusive Hexen, Flüchen und Prinzen, wobei letztere eher keine gute Figur abgeben. Das alles hätte ganz schön cheesy bis trashig werden können, wäre da nicht Christina Ricci als Herz und Seele des Films. Sie spielt die junge Penelope auf der Suche nach Liebe und vor allem, auf der Suche nach sich selbst, dermaßen charmant, dass das deformierte Riechorgan bald gar nicht mehr auffällt – im Gegenteil: zu ihrer Attraktivität beiträgt. James McAvoy ist als schusseliger, sympathischer, aber ziemlich windiger Love Interest eine sichere Bank, dem liegen diese Typen einfach. Und insofern kann man sich entspannt zurücklehnen und diese fantasievolle, entzückende Geschichte einfach genießen bis zum Schluss, der dann noch ein überraschend starkes Statement in petto hält.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

An Education (2009)

Regie: Lone Scherfig
Original-Titel: An Education
Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Drama, Liebesfilm
IMDB-Link: An Education


Die Geschichte ist nicht unbedingt neu: Minderjährige Schülerin verliebt sich in älteren Mann, der sie in die Geheimnisse des Universums, der Liebe und des Lebensstils der Bohème einführt. Das Setting in Lone Scherfigs „An Education“: Das London der 60er Jahre, kurz vor Rock’n’Roll und freier Liebe. Die Frisuren sind noch kurz und gescheitelt, die familiären und bürgerlichen Verhältnisse folgen straffen Konventionen, und das brave Mädel lernt noch Cellospielen, während die aspirierenden Musiker zehn Jahre später dann schon eher zu Drum Sticks und Stromgitarre gegriffen haben. Dennoch spürt man die gesellschaftlichen Veränderungen der kommenden Jahre in der Luft liegen. Die 16jährige Jenny (Carey Mulligan) genießt schon weitaus mehr Freiheiten, als man erwarten würde – und das trotz konservativer Oberfläche ihrer Eltern (Alfred Molina und Cara Seymour), die aber auch zu begreifen scheinen, dass sie ihre Tochter nicht so erziehen können wie sie selbst erzogen worden sind, auch wenn sie natürlich Träume für ihre Tochter haben. Und so ist es dann auch kein großes Ding, dass Jenny eine Beziehung mit dem deutlich älteren David (Peter Sarsgaard) beginnt, zumal der mit polierten Manieren ins Haus kommt. Aber David gehört zur Oberschicht, er fährt Sportwagen und isst in den besten Restaurants, und Verbindungen nach Oxford, wo Jenny einmal studieren soll, scheint er auch zu haben. Da kann man also durchaus mal das eine oder andere Auge zudrücken, schließlich ändern sich die Zeiten ja. „An Education“ mag ein altes Thema aufgreifen, tappt aber nicht in die übliche Mansplaining-Falle a la „älterer Mann erklärt naivem Mädel die Welt“, sondern gibt David mit der frühreifen Jenny einen ebenbürtigen, vielschichtigen Widerpart zur Seite. Natürlich – manche Fehler macht man trotzdem, wenn man jung, ohne viel Erfahrung und verliebt ist. Aber Jenny lernt daraus, und so bezieht sie die titelgebende „Ausbildung“ am Ende weniger von David als von sich selbst. In diesem Sinne ist „An Education“ ein emanzipierter, aber dennoch leichtfüßiger und unterhaltsamer Film.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © Kerry Brown, Quelle http://www.imdb.com)

Sabrina (1954)

Regie: Billy Wilder
Original-Titel: Sabrina
Erscheinungsjahr: 1954
Genre: Liebesfilm, Drama, Rom-Com
IMDB-Link: Sabrina


Bert Brecht hat es im Moritat von Mackie Messer in seiner Dreigroschenoper auf den Punkt gebracht: „Denn die einen sind im Dunkeln / Und die andern sind im Licht. / Und man sieht die im Lichte / Die im Dunkeln sieht man nicht.“ Während Terrasse und Haus der Industriellenfamilie Larrabee hell beleuchtet ist für Cocktailpartys und Empfänge, bleibt die Garage, über der die Chauffeurstochter Sabrina (Audrey Hepburn) wohnt, dunkel, und sie selbst versteckt sich im Baum, um einen Blick auf den geliebten Erben, Lebemann und Nichtsnutz David Larrabee (William Holden) zu erhaschen. Überflüssig zu sagen, dass David ihre Gefühle nicht erwidert, sie nicht einmal richtig wahrnimmt. So geht Sabrina nach Paris, um kochen zu lernen, und als sie zwei Jahre später zurück in die Heimat kommt, bringt sie ein bisschen französisches Flair und Pariser Eleganz in die Bude, sodass auch David nur noch mit den Ohren wackeln kann und sich sofort in die junge Schöne verguckt. Blöd nur, dass schon die Hochzeit mit der Magnatentochter Elizabeth (Marthy Hyer) arrangiert ist. Es wäre die vierte des David Larrabee. Sein Bruder Linus (Humphrey Bogart) beobachtet die sich entwickelnde Romanze kritisch, denn mit Elizabeth kommen zwanzig Millionen Dollar Aussteuer und der wichtigste Zulieferer zum neuen Geschäftszweig der Plastik-Produktion. Also beschließt Linus, in die Beziehung von Sabrina und David einzugreifen – mit allerlei verschlagenen Mitteln, denn als trockener Geschäftsmann steht er auf dem Standpunkt, dass der Zweck die Mittel heiligt. „Sabrina“ von Billy Wilder ist eine temporeich inszenierte Liebesgeschichte, die durchaus gegen Konventionen und Erwartungen läuft und gerade darin die größten Stärken wie Schwächen gleichermaßen hat. Denn während der Film auf eine Verbindung von Sabrina und David und die Läuterung des Lebemanns hinarbeitet, entwickelt sich die eigentliche Liebesgeschichte fast beiläufig und im Hintergrund, sodass das Ende irgendwie nicht ganz stimmig wirkt. Aber sei’s drum. Denn niemand kann so charmant schauen wie Audrey Hepburn, und niemand trägt einen Hut so lächerlich und stilvoll gleichermaßen wie Humphrey Bogart, und niemand kann sich amüsanter zum Deppen machen, wenn er sich auf ein Sektglas setzt, als William Holden, und niemand hatte ein besseres Gespür für komödiantisches Timing als Billy Wilder, und damit macht der Film auch heute noch Spaß.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by MPTV – © 1954 Paramount, Quelle http://www.imdb.com)

Frühling in Paris (2020)

Regie: Suzanne Lindon
Original-Titel: Seize Printemps
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Liebesfilm, Komödie
IMDB-Link: Seize Printemps


Als 16jährige hat Suzanne Lindon die Geschichte zu „Seize Printemps“ entwickelt. Vier Jahre später ist nun der Film dazu in den Kinos – mit Lindon selbst in der Hauptrolle der Suzanne, eine brave 16jährige Schülerin, die von der Schule und ihren Altersgenossen gelangweilt ist. Eine Zufallsbegegnung führt sie mit dem Schauspieler Raphael (Arnaud Valois) zusammen, der ganz in der Nähe ihrer Wohnung Theater spielt. Und vorsichtig nähern sich die beiden einander an. Suzanne Lindon belässt es aber bei Teenie-Schwärmereien und Andeutungen. Grenzen werden keine überschritten – die Fantasie eines verliebten Teenager-Mädels handelt wohl in der Regel auch weniger von nächtelangen Vögeleien als von dem Gleichklang der Seelen, die ihre Körper synchron zu Opernmusik im Café tanzen lassen. Diese verspielte, schwärmerische Note tut dem Film gut, er passt auch zu Gefühlen der ersten Liebe, diese schrecklich schöne Verwirrung des Herzens. Die pornographischen Elemente schleichen sich später ganz von selbst ein, aber am Anfang sind es eben tanzende Schmetterlinge und Ekstase, wenn man sich allein schon bei den Händen hält. „Frühling in Paris“ ist ein verfilmter Teenie-Traum, der auch nicht mehr sein möchte. Genau diese fehlende Ambition macht den Film aber am Ende zu einer Erfahrung, die man wohl auch rasch wieder vergisst. Dass der Film in den offiziellen Wettbewerb von Cannes eingeladen wurde, überrascht dann doch sehr. Fazit: Ganz nett. Aber auch wurscht.


5,0
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

The Cloud in Her Room (2020)

Regie: Zheng Lu Xinyuan
Original-Titel: Ta Fang Jian Li De Yun
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Liebesfilm
IMDB-Link: Ta Fang Jian Li De Yun


Bei vielen chinesischen Filmtiteln muss ich an die Solmisation Do Re Mi Fa Sol La Si Do denken. „Ta Fang Jian Li De Yun“ ist aber weniger musikalisch angelegt. In schönen Schwarz-Weiß-Aufnahmen führt die Regisseurin Zheng Lu Xinyuan in die Gefühlswelt der 22jährigen Muzi (Jin Jing) hinein. Die durchlebt Erinnerungen an eine frühere Beziehung, während sie ihrer Heimatstadt einen Besuch abstattet. Beim alljährlichen Viennale-Bingo kann man hier die Felder „Brüste“ und „Penis“ (dieser sogar in erigierter Form, das gibt Zusatzpunkte) abhaken. (An dieser Stelle ein kleiner Exkurs zu Penissen als Klassifizierungsmerkmale von Filmen: Wenn der Penis schamhaft bedeckt wird, zB von einem Zipfel einer Decke, handelt es sich um eine gewagte Hollywood-Produktion. Wenn der Penis kurz in schlaffem Zustand zu sehen ist, handelt es sich um eine Independent-Produktion. Ein kurz erigierter Penis: Arthouse-Film. Ein ständig erigierter Penis: Porno.) Abgesehen davon ist der Film aber erstaunlich zahm. Und zäh. Erinnerungen laufen in der Regel nicht chronologisch ab, und so verabschiedet sich auch dieser Film von einer chronologischen und kohärenten Erzählweise. Das kann man ja machen. Nur muss man dann auch damit rechnen, dass das Publikum selig wegbüselt (bringt ebenfalls einen Punkt beim Viennale-Bingo), wenn es nicht gerade von steifen Schwengeln aufgeschreckt wird. Einer jener Filme, in denen die Protagonisten ganz bedeutungsvoll schauen und unentwegt Zigaretten rauchen. Zu Zigaretten als Klassifizierungsmerkmal für Filme komme ich aber ein anderes Mal.


3,5
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

The World to Come (2020)

Regie: Mona Fastvold
Original-Titel: The World to Come
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Liebesfilm, Historienfilm
IMDB-Link: The World to Come


Vereinfacht zusammengefasst ist „The World to Come“ eine Neuauflage von „Brokeback Mountain“, nur im Amerika der 1850er Jahre und unter Frauen. Damit würde man Mona Fastvolds Film aber nicht ganz gerecht werden, auch wenn er die Brillanz von Ang Lees Meisterwerk nicht ganz erreicht. Denn die zarte, sehr indirekt erzählte Liebesgeschichte zwischen Abigail (Katherine Waterston, die einmal mehr eine großartige Leistung bietet) und ihrer etwas weiter entfernt wohnenden Nachbarin Tallie (Vanessa Kirby) berichtet gleichermaßen wie von einer gesellschaftlich unmöglichen Liebe vom langen Weg, den die Emanzipation zu diesem Zeitpunkt noch vor sich hatte, und der auch heute bei weitem nicht abgeschlossen ist. Dabei ist „The World to Come“ kein emanzipatorischer Film, kein Plädoyer, keine flammende Anklage. Es ist ein ruhiger Film, bei dem die Gefühle – ob nun zwischen den Frauen oder auch jenen zwischen ihnen und ihren Männern (Casey Affleck und Christopher Abbott) – unter der Oberfläche gesellschaftlicher Konventionen abgeschirmt sind. Wahrhaftig wird man nur im Privaten, doch da ist der Karren meist schon verfahren. Casey Affleck als Abigails Ehemann zeigt dieses Dilemma sehr deutlich auf. Er möchte ein guter Ehemann sein und er ist auch bereit, sich selbst zurückzunehmen, aber dass er offen über sich, seine Gefühle, seine Beziehung reden kann, dazu ist auch er nicht in der Lage als Kind seiner Zeit. Und so steuert der Film schließlich auf sein konsequentes Ende hin. Positiv hervorzuheben sind neben dem durch die Bank guten Schauspiel auch die hervorragende Ausstattung, die diese bittere, harte Zeit mit all ihren Widrigkeiten zum Leben erweckt, ohne dabei zu dick aufzutragen, sowie die sensible, aber einprägsame Musik von Daniel Blumberg. Ein sehr schöner und erinnerungswürdiger Festival-Beitrag.


7,5
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

Moonrise Kingdom (2012)

Regie: Wes Anderson
Original-Titel: Moonrise Kingdom
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Komödie, Liebesfilm, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Moonrise Kingdom


An Wes Anderson und seinen Filmen scheiden sich die Geister. Entweder man liebt den Stil und die lakonische, oft indirekte Erzählweise, die gerne mal Umwege nimmt, um die Geschichte von überraschenden Seiten aus zu beleuchten, oder man stört sich an den Manierismen und der scheinbaren Emotionslosigkeit der Erzählung. Ich gehöre mit Herz und Seele zu den Anderson-Fans. Ich liebe seine Filme und halte sie durchwegs für Meisterwerke. Und ja, auch andere Filmemacher/innen haben eine deutlich erkennbare Handschrift, aber um einen Wes Anderson-Film zu erkennen, braucht es nicht viel mehr als eine einzige Einstellung. Was mich aber vollends zum absoluten Groupie macht, ist die Tatsache, dass bei aller stringenten Komposition immer eine wunderschöne Geschichte mit liebevollen Charakteren im Zentrum steht. „Moonrise Kingdom“ ist dafür ein Paradebeispiel. Im Grunde geht es um nicht viel: Zwei Kinder reißen von zuhause aus, um gemeinsam durchzubrennen, kommen aber nicht sonderlich weit, da ihnen die gesamte Insel (darunter Edward Norton, Bruce Willis, Frances McDormand und Bill Murray) auf den Fersen ist. Eine kleine, süße Abenteuergeschichte, bei der man leicht die ernsteren Hintergründe übersehen kann. Denn viele Risse ziehen sich durch die familiären Beziehungen – die im Angesicht der Krise sichtbar werden. Dennoch legt Wes Anderson seinen Fokus nicht darauf, sondern vielmehr auf die Beziehung des jungen Liebespaares (Jared Gilman und Kara Hayward). Ihm gelingt es, diese erste Liebe völlig ernst zu nehmen und glaubhaft zu machen, so künstlich auch das Setting wirkt. „Moonrise Kingdom“ wird im Œuvre Andersons insgesamt ein kleinerer Film bleiben (mit dem neunfach Oscar-nominierten und vierfach ausgezeichneten „Grand Budapest Hotel“ und seinem Durchbruchs-Film „The Royal Tenenbaums“ als Flaggschiffe vorneweg), aber das heißt nicht, dass man auf eine Sichtung verzichten sollte. Wer sich auf Wes Andersons Stil einlassen möchte, wird mit diesem Film reich belohnt.


8,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Focus Features – © 2011 Focus Features, Quelle imdb.com)

Mädchen in Uniform (1931)

Regie: Leontine Sagan und Carl Froelich
Original-Titel: Mädchen in Uniform
Erscheinungsjahr: 1931
Genre: Drama, Liebesfilm
IMDB-Link: Mädchen in Uniform


Man wäre ja geneigt, in eine Rezension wie diese mit Schlagwörtern wie „Love is Love“ einzusteigen oder auf die medial gerade hochgekochte Diskussion einzugehen, ob nur Menschen, die menstruieren, Frauen sein können. „Mädchen in Uniform“ von Leontine Sagan mit künstlerischer Beteiligung von Carl Froelich sieht fast wie ein Statement zu Diskussionen aus, die wir fast 90 Jahre später immer noch (zurecht) führen müssen. Auch wenn die Grenzen heutzutage schon etwas weiter weg verlaufen als im Deutschland der Weimarer Republik, als ein Leinwandkuss zwischen zwei jungen Damen etwas Ungebührliches war. Jedenfalls ist es schon erstaunlich, dass ein Film aus den 30ern auch heute noch relevant und in vielerlei Hinsicht frisch wirkt. Allein deshalb lohnt sich schon die Sichtung. Allerdings ist die inhaltliche Brisanz der angedeuteten gleichgeschlechtlichen Liebe zwischen einer Internatslehrerin (Dorothea Wieck) und einer Schülerin (Hertha Thiele) nicht der einzige Grund, der für den Film spricht. Tatsächlich ist gerade das Spannungsfeld zwischen strengem Mädcheninternat in Potsdam Ende der 20er-Jahre und der progressiven Love-is-Love-Attitüde enorm interessant anzusehen. Inklusive einem bitteren Foreshadowing, wenn die gestrenge Oberin (Emilia Unda) über die Mädchen meint: „Soldatenkinder. Und, so Gott will, werden sie auch Soldatenmütter!“, eine gruselig prophetische Stelle. Auch was den Spannungsaufbau und technische Elemente wie die Kameraführung und Schnitte betrifft, hat sich der Film gut ins Heute gerettet. Die darstellerischen Leistungen sind zwar vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas zu exaltiert, aber auch nicht wirklich störend. Auch ist zu erwähnen, dass „Mädchen in Uniform“ ausschließlich weiblich besetzt ist. Kein Wunder also, dass der Film als frühes feministisches Werk gefeiert wird und auch heute noch in der LBGT-Gemeinschaft hohes Ansehen genießt. Es wäre aber schade, würde der Film dieser Gemeinschaft vorenthalten bleiben – also mein Rat an alle Film-Aficionados da draußen: Tut euch den Gefallen und werft mal einen Blick hinein. Gibt es zur Gänze auf Youtube zu sehen, aber pssst – das habt ihr nicht von mir …


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Abbitte (2007)

Regie: Joe Wright
Original-Titel: Atonement
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Historienfilm, Drama, Liebesfilm
IMDB-Link: Atonement


Ein falscher Satz, und ein ganzes Leben kann auf den Kopf gestellt werden. Diese Erfahrung machen Cecilia (Keira Knightley) und Robbie (James McAvoy). Cecilias Schwester Briony (eine blutjunge Saoirse Ronan, die gleich ihre erste von mittlerweile vier Oscar-Nominierungen einfahren konnte) vermeint Robbie in einer verfänglichen Situation erwischt zu haben und setzt damit Verkettung unglücklicher Umstände in Gang, die mit bedeutungsvoller Musik und langen Shots auf traurige Gesichter untermalt werden können. Grundsätzlich balanciert „Abbitte“ verfänglich nah am Kitsch entlang. Dass diese Grenze allerdings nie überschritten wird, liegt an den herausragenden inszenatorischen Fähigkeiten von Joe Wright sowie den glanzvollen Darstellerleistungen. Das Drehbuch nach dem Roman von Ian McEwan steuert konsequent auf das Titel gebende Thema zu und scheut sich auch nicht davor, den Zuseher vor unangenehme Situationen zu stellen. Gleichzeitig schwingt allerdings vor allem im ersten Teil des Films eine humorvolle Leichtigkeit mit, die den anschließenden Fall nur umso tiefer macht. Zwar nimmt Joe Wright dadurch einige Längen in Kauf, um eben diese Fallhöhe zu konstruieren, und man hätte die Geschichte durchaus ökonomischer erzählen können, aber das stört in diesem Fall kaum. Man muss sich einfach bewusst sein, dass „Abbitte“ kein Film ist, den man nach einem langen Arbeitstag mal nebenher konsumieren kann. Für „Abbitte“ braucht es am besten einen verregneten Sonntagnachmittag, an dem kein Ungemach durch spontan störenden Besuch droht – und der Film schreit gerade danach,  gemeinsam mit Schokolade und heißem Schwarztee genossen zu werden. Der Tee passt zum Setting, die Schokolade braucht man, um die Melancholie, in die einen der Film hüllt, wieder abschütteln zu können.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)