Liebesflim

May und die Liebe (2013)

Regie: Cherien Dabis
Original-Titel: May in the Summer
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Liebesfilm, Rom-Com
IMDB-Link: May in the Summer


Cherien Dabis hat eine durchaus interessante Biographie. Die palästinisch-amerikanische Regisseurin lebt im konservativen Omaha, Nebraska, ist offen bisexuell und dreht Filme, die im Nahen Osten spielen und sich auf humorvolle Weise mit Fragen der Identität und Religion auseinandersetzen. Ein kleiner Geist wie jener von Trump beispielsweise würde angesichts dieses Lebens vor lauter Widersprüchen vermutlich so schnell rotieren, dass man mit der dabei ausgestoßenen Reibungsenergie sämtliche Swimmingpools Nebraskas beheizen könnte. In „May in the Summer“ (ich halte mich dabei lieber an den charmanteren Originaltitel als an den dümmlich-einfallslosen deutschen Verleihtitel) geht es um die von Dabris selbst gespielte Schriftstellerin May, die von New York in ihre alte Heimat nach Jordanien kommt, um dort gemeinsam mit ihren beiden Schwestern die Hochzeit mit ihrem Verlobten Ziad zu organisieren. Und wie so oft in romantischen Komödien entwachsen die größten Probleme aus dem Kreis der eigenen Familie. Ihre nach wie vor in Jordanien lebende Mutter ist nämlich streng christlich und will daher die Hochzeit mit dem Moslem Ziad daher nicht gut heißen. Das geht so weit, dass sie der Hochzeit fernbleiben möchte. Dem Vater (Bill Pullman) geht es indessen nicht so gut. Er erholt sich gerade in den Händen seiner zweiten Frau, der blutjungen Anu aus Indien, von den Strapazen eines Herzinfarktes und möchte wieder Kontakt zu seinen Töchtern aufnehmen, die jedoch verständlicherweise nicht allzu gut auf ihn zu sprechen sind. Mays Schwestern schließlich haben selbst ihre eigenen Identitätskrisen zu bewältigen. Und in all das Chaos schleicht sich noch auf leisen Sohlen der charmante Touristenführer Karim, der Mays angespanntes Nervenkostüm mit unerwarteten weiteren Fragen, die sie sich nun stellen muss, strapaziert. Was nach einer leichten, luftigen und relativ belanglosen Feelgood-Komödie klingt, wird in den Händen von Cherien Dabis, die auch das Drehbuch geschrieben hat, zu einer zwar einfach zu konsumierenden, aber doch hintergründigen Angelegenheit, die nicht zwanghaft auf ein Happy End zusteuert, sondern mehr an der Entwicklung der Figuren selbst interessiert ist. Auch der Humor wird nicht mit dem Holzhammer eingeprügelt. Dieser Film will nicht dick auftragen, und das ist gut. Zwar ist das Ergebnis nicht bahnbrechend originell und immer noch eine Rom-Com, in der viele Dinge und Konflikte genregetreu stark vereinfacht ablaufen, aber der Film kann gut auf einem soliden Niveau unterhalten.


6,0
von 10 Kürbissen