Lola Arias

Theatre of War (2018)

Regie: Lola Arias
Original-Titel: Teatro de Guerra
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Teatro de Guerra


Von April bis Juni 1982 standen sich Argentinien und Großbritannien als Gegner im Falklandkrieg gegenüber. 35 Jahre später lädt die argentinische Filmemacherin Lola Arias Veteranen von beiden Seiten zu einem Projekt ein. Es geht darum, den Krieg, bei dem insgesamt etwa 1.000 Soldaten ihr Leben gelassen haben, gemeinsam aufzuarbeiten. Szenen aus den Erinnerungen der Soldaten werden nachgespielt, die Soldaten selbst erzählen von ihren eindringlichsten Momenten. Man merkt, dass viele seelische Wunden tief sitzen und längst nicht verheilt sind. Gleichzeitig sieht man auch, mit wie viel Respekt voreinander die ehemaligen Feinde miteinander umgehen. Es ist eine freundschaftliche Atmosphäre, die am Set entsteht, getragen von gemeinsamen Erinnerungen und Traumata. Was hierbei schnell klar wird: Im Krieg gibt es keine Gewinner und Verlierer, es gibt keine sich hassenden Feinde, sondern nur Menschen, die von ihren Ländern dazu gezwungen werden, auf andere Menschen zu schießen. Und oft sind die Überlebenden die eigentlich armen Schweine, denn sie müssen mit ihren Erfahrungen für den Rest ihres Lebens klar kommen. Allerdings wirkt die Dokumentation trotz ihrer intensiven Momente durch das spezielle Setting auch sehr artifiziell. Das Konzept sieht eben vor, dass Vieles gestellt ist. Der Titel „Teatro de Guerra“ ist durchaus Programm, aber gerade eben das Bühnenhafte der Situation, in die Arias ihre Protagonisten steckt, nimmt dem Film etwas an Wucht und Wahrhaftigkeit. Oft wünscht man sich, dass sich die Männer einfach zwanglos und ohne Vorgaben begegnen können, dass sie eben nicht Theater spielen müssen, um den Krieg begreiflich zu machen. Ihre Augen, wenn sie von den schrecklichen Erlebnissen berichten, sagen so viel mehr aus und bilden den Krieg nachvollziehbarer ab als Lola Arias‘ experimentelle Anordnung.

 


5,0
von 10 Kürbissen