Luc Besson

Léon – Der Profi (1994)

Regie: Luc Besson
Original-Titel: Léon
Erscheinungsjahr: 1994
Genre: Thriller, Action
IMDB-Link: Léon


Wenn man nicht die geistigen Leistungen erbringen kann oder möchte, die eine akademische Ausbildung ermöglichen, oder wenn man lieber körperlich arbeitet, dann ist ein Lehrberuf ja keine schlechte Alternative. Gute Handwerker braucht das Land. Und Léon (Jean Reno) ist ein echter Profi. Seine kognitiven Fähigkeiten mögen zwar beschränkt sein, aber er arbeitet präzise und streng nach Kodex. Da kann man dem Mann nichts vormachen. Kompliziert wird sein Leben erst, als er einen Lehrling (Natalie Portman) aufnimmt. Denn eigentlich hat er keinen Bock darauf, den Nachwuchs auszubilden, aber eben jene junge Dame, die da so unverhofft an seine Tür klopft, ist erstens beharrlich und zweitens motiviert. Also tut Léon sein Bestes. Und bald zeigen sich erste Erfolge, denn Mathilda, sein Lehrmädel, bringt das nötige Talent fürs Handwerk mit. Das wiederum missfällt dem Kontrahenten (Gary Oldman), und so nimmt die konfliktreiche Handlung weitere Wendungen.

„Léon – Der Profi“ ist nichts Anderes als ein Meisterwerk. Meisterhaft ist die Regie von Luc Besson, dessen Bilder den Anschein von kreativem Chaos erwecken, dabei aber trotzdem streng durchkomponiert sind. Meisterhaft sind die Darstellerleistungen von Jean Reno als tödlichem Simpel, von Gary Oldman als völlig wahnsinnigem Polizisten und Natalie Portman in ihrer ersten Rolle als Killer-Lehrling. Und meisterhaft ist die Geschichte, die ausnahmslos Außenseiter ins Zentrum stellt und geradlinig, aber mit doppeltem Boden und einer ganzen Palette von Zwischentönen, erzählt wird. Je nach Sichtweise ist „Léon“ ein Actionkracher oder die Geschichte einer Freundschaft, eine Charakterstudie eines einfachen Mannes oder gar ein Liebesfilm. Für mich ist „Léon – Der Profi“ alles davon. Einer meiner absoluten Lieblingsfilme mit 10 Kürbissen.


10
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Das fünfte Element (1997)

Regie: Luc Besson
Original-Titel: The Fifth Element
Erscheinungsjahr: 1997
Genre: Science Fiction, Abenteuerfilm
IMDB-Link: The Fifth Element


Wenn Luc Besson im Regiestuhl sitzt, darf man gespannt sein. Die Bandbreite des Outputs geht dann von genial (zB „Léon – Der Profi“) über sehr sehenswert (zB „Nikita“) bis hin zu sehr mäßig (zB „Lucy“ oder „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten„). Beim seinem Sci-Fi-Spektakel „Das fünfte Element“ aus dem Jahr 1997 handelt es sich glücklicherweise um einen Vertreter der ersten Kategorie. Besetzt mit einer ganzen Star-Riege (Bruce Willis, Milla Jovovich, Gary Oldman, Chris Tucker, Ian Holm, Luke Perry) ist der Film einer der kommerziell erfolgreichsten europäischen Filme aller Zeiten. Das muss ja nicht zwangsweise einhergehen mit hoher Qualität, aber „Das fünfte Element“ macht nahezu alles richtig. Erzählt wird eine epische futuristische Weltrettung mit Ingredienzen, die allesamt etwas over the top sind: Humor, Kostüme, Kulissen – hier ist einfach alles bunt und abgedreht. Selbst Gary Oldman als Superschurke Jean-Baptiste Emanuel Zorg hat die Lacher auf seiner Seite. Der Film macht einfach Spaß – von Anfang bis Ende. Die Story ist fast nebensächlich. Es geht darum, dass alle 5.000 Jahre das Böse aus dem All auftaucht und alles Leben (vorzugsweise auf der Erde) verschlingen möchte. Doch das Gute hat eine Superwaffe, nämlich das fünfte Element (eine Milla Jovovich mit knallrot gefärbten Haaren), das zusammen mit den anderen vier Elementsteinen (Wasser, Feuer, Erde, Luft) das Böse besiegen kann. Blöd nur, wenn das fünfte Element beim Versuch, der Polizei zu entkommen, einem grantigen Taxifahrer (Bruce Willis), der auf der Suche nach der perfekten Frau ist, durch das Dach ins Taxi fällt. Und noch blöder, wenn oben genannter Superschurke auf der Seite des ultimativ Bösen steht und die Elementsteine in seinen Besitz bringen möchte. Dann wird das alles plötzlich ein großes Durcheinander. Irgendwie macht das nicht wirklich viel Sinn, aber eben jede Menge Spaß. Schweinsgesichtige Söldner, Kostüme von Jean Paul Gaultier, dämliche Admirale, abenteuerlustige Priester, Oper und Industrial – hier findet zusammen, was nicht zusammen gehört. Und so funktioniert der Film auch über 20 Jahre nach seiner Entstehung ausgezeichnet. Ein Kultfilm.

PS: Ihr Hollywood-Leute, eines sei euch gesagt: Wenn ihr diesen Film in einem Remake verhunzt, dann gibt’s was auf die Mütze!


9,0
von 10 Kürbissen

Valerian – Die Stadt der tausend Planeten (2017)

Regie: Luc Besson
Original-Titel: Valerian and the City of a Thousand Planets
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Science Fiction, Action
IMDB-Link: Valerian and the City of a Thousand Planets


Avatar: „Wir müssen reden.“
Das fünfte Element: „Ja? Was gibt es denn, Schatz?“
Avatar: „Nun … ja … da ist jetzt nicht so einfach …“
Das fünfte Element: „Nur zu. Du weißt, dass ich dich liebe.“
Avatar: „Ich glaube … ich bin schwanger.“
Das fünfte Element: „Oh!“
Avatar: „Bist du wirklich überrascht?“
Das fünfte Element: „Eigentlich nicht.“
Avatar: „Es wird bestimmt ein schönes Kind werden. Es wird meine Augen haben und deine Coolness.“
Das fünfte Element: „Wie wollen wir es nennen?“
Avatar: „Ich mag den Namen Valerian. ‚Valerian – Die Stadt der tausend Planeten‘. Das hat doch einen guten Klang, nicht wahr?“
Das fünfte Element: „Das klingt scheiße. Viel zu pathetisch. Ich will nicht, dass unser Kind so heißt.“
Avatar: „Gut, gut, das können wir uns ja noch in Ruhe überlegen …“

Luc Besson hat es also getan. Mit „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ legt er einen kindlich-bunten CGI-Orgasmus und nebenbei die teuerste europäische Filmproduktion der Geschichte vor. Die Story passt auf eine Serviette (eine von den kleinen, die man im Wiener Kaffeehaus zur Melange gereicht bekommt): Die Agenten Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne) müssen im Auftrag der Regierung einen Gegenstand stehlen, der sich als kleine, putzige Kreatur entpuppt und entscheidend ist für den Fortbestand eines Naturvolkes, das beinahe bei einem versehentlichen Genozid draufgegangen wäre. Der Rest ist Action, Geflirte und eben ein quietschbuntes Durcheinander von Kreaturen, Raumschiffen und Welten. In dieser Hinsicht ist „Valerian“ die konsequente Weiterentwicklung von Bessons „Das fünfte Element“ mit heutiger State-of-the-Art-CGI-Technik. Visuell macht das Spektakel richtig Spaß. Allerdings hat der Film auch zwei große Probleme, die das Vergnügen trüben: Einerseits eben die quasi nicht vorhandene Story mit sehr stereotypen Charakteren (das war zwar auch schon eine Schwachstelle bei „Das fünfte Element“, nur konnte Besson beim „Element“ diese noch durch viel Charme und augenzwinkerndem Humor ausgleichen), und andererseits zwei mir eher unsympathische Hauptfiguren, mit denen ich nur schwer mitfiebern kann. Zudem halte ich Dane DeHaan für eine Fehlbesetzung für den selbstverliebten, draufgängerischen Major. Wenn man allerdings für 2,5 Stunden das Hirn ausschaltet und sich einfach dieser vergnügten Bilderflut hingibt, wird man gut unterhalten.


6,0
von 10 Kürbissen