Lucrecia Martel

Zama (2017)

Regie: Lucrecia Martel
Original-Titel: Zama
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama, Historienfilm
IMDB-Link: Zama


Es ist nicht einfach, über „Zama“ zu schreiben, jenen Film, an dem Lucrecia Martel zehn Jahre lang gearbeitet hat und der schließlich von so ziemlich allen Spanisch sprachigen Filmschaffenden, die es derzeit gibt, mitproduziert wurde – sei es Pedro Almodóvar oder Diego Luna oder Gael García Bernal. Denn „Zama“ steht tatsächlich ein wenig außerhalb der üblichen cineastischen Erfahrungen. Die Titel gebende Hauptfigur Don Diego de Zama ist ein argentinischer Beamter der Spanischen Krone, der rund um das Jahr 1800 in einem Dorf an der Küste Südamerikas versumpft. Zuhause sind Frau und Kinder, die er jahrelang nicht mehr gesehen hat, und so wartet er sehnsüchtig auf seine Versetzung, zumal ihn mit Ausnahme des Anblicks von Doña Luciana, der Ehefrau des Schatzmeisters, nichts mehr hier hält. Doch die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam, vor allem in der tiefsten Provinz Südamerikas. „Zama“ ist ein sehr langsamer, fast zäher Film. Das Leiden von Diego de Zama wird auf den Zuseher übertragen. Die Zeit rinnt langsam wie zähflüssiger Honig vom Kalender. Jahreszeiten gibt es nicht – es ist immer heiß, es ist immer schwül, die Langeweile greift um sich. In gewisser Weise hat mich die Geschichte in der ersten Stunde an J.M. Coetzees Roman „Waiting for the Barbarians“ erinnert – man wartet und wartet und wartet, und nichts passiert. Die zweite Stunde bietet dann etwas mehr Handlung – und rätselhafte Bilder, die einen packen und noch länger beschäftigen. Die Grenzen zwischen Realität und dem Mystischen verschwimmen, das Leben wird zum Traum – einem jener, in dem man vor dem Übel weglaufen möchte, aber feststellt, dass man sich nicht von der Stelle bewegen kann, um im nächsten Moment festzustellen, dass man noch immer träumt. So kann man die Wirkung von „Zama“ wohl am besten beschreiben. Ein besonderer Ohrenschmaus ist zudem das Sounddesign. Selten habe ich einen Film gesehen, bei dem der Sound so maßgeblich die Atmosphäre bestimmt hat. Viele Details der Handlungen sieht man gar nicht, sondern nimmt sie als Hintergrundgeräusche wahr, was dazu beiträgt, dass der Film rätselhaft bleibt. Ich kann ihn dennoch nicht uneingeschränkt empfehlen, denn „Zama“ ist zwar ein unglaublich sinnliches Filmerlebnis, aber eines, für das man Zeit und Geduld braucht – und eines, auf das man sich mit allen Sinnen, aber weniger mit dem Verstand einlassen muss.

 


8,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmgarten)