M. Night Shyamalan

Old (2021)

Regie: M. Night Shyamalan
Original-Titel: Old
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Thriller, Horror, Drama, Fantasy
IMDB-Link: Old


So ein Traumurlaub kann schnell mal in einen Albtraum umschlagen. Man kennt das. Mieses Hotelessen. Schlechtes Wetter. Nervige Zimmernachbarn, die bis drei Uhr in der Früh laut Andreas Gabalier hören. Seeigeln. Diese verdammten Seeigeln! Oder aber, dass man auf einem traumhaften Strand binnen kürzester Zeit altert. Das ist natürlich blöd, denn auch wenn man sich oft wünscht, dass ein Urlaub ewig dauern möge – so ist das mit Sicherheit nicht gemeint. In M. Night Shyamalans neuem Film geht es aber genau darum. Das geschieht mit der Familie rund um Guy (Gabriel García Bernal) und Prisca (Vicky Krieps) sowie weiteren Leidensgenossen, die eigentlich nur eine nette Zeit unter karibischer Sonne verbringen wollten. Und mehr sei an dieser Stelle gar nicht verraten. Wollen wir uns auf den restlichen Zeilen lieber mit M. Night Shyamalan und seinem Zugang zu Filmen beschäftigen. Denn bei kaum einem anderen Regisseur streut die Qualität des Outputs dermaßen wie bei ihm. Einem Meisterwerk wie „The Sixth Sense“ stehen Gurken wie „The Lady in the Water“ gegenüber. „Old“ reiht sich tatsächlich irgendwo dazwischen ein. Das Rätselhafte, wofür Shyamalan steht und das er stets genüsslich zelebriert, ist durchaus interessant genug, um den Zuseher bei der Stange halten zu können. Schauspielerisch ist auch nicht viel Negatives zu sagen, Vicky Krieps ist ohnehin eine unverwechselbare Darstellerin, die in ihren Rollen sehr glaubhaft rüberkommt – ihr fehlt das Glatte, was vielen routinierten Hollywoodschauspieler:innen oft anhaftet. Auch Gabriel García Bernal sowie in weiteren Nebenrollen Rufus Sewell, Alex Wolff, Ken Leung, Nikki Amuka-Bird und vor allem Thomasin McKenzie (ich sag‘ euch ja schon seit Leave No Trace, dass ihr die im Auge behaltet sollt) machen ihre Sache gut. Die filmische Umsetzung ist auch nicht übel geraten – die Kamera mäandert oft recht ziellos am Strand daher und begleitet somit die Konfusion, die unter den überforderten Figuren immer mehr um sich greift. Natürlich wirkt das recht aufgesetzt, verfehlt aber nicht die Wirkung. Allein das Drehbuch hält da nicht Schritt. Logiklöcher, wohin das Auge reicht, teilweise sehr hölzerne, befremdlich wirkende Dialoge – all das hätte man eleganter lösen können. Unterm Strich ist „Old“ ein durchaus sehenswerter Thriller mit einer schönen Metaebene über das Altern, wenn man in Sachen Logik alle Augen inklusive Hühneraugen zudrücken kann.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Phobymo/Universal Pictures – © 2021 Universal Studios, Quelle http://www.imdb.com)

Split (2016)

Regie: M. Night Shyamalan
Original-Titel: Split
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Thriller, Horror
IMDB-Link: Split


An kaum einem anderen Regisseur scheiden sich so sehr die Geister wie an M. Night Shyamalan. Während „The Sixth Sense“ zurecht als einer der besten Mystery-Thriller aller Zeiten bezeichnet wird, hat er mit „The Lady in the Water“ und anderem Unfug für größte Verwirrung unter dem Kinopublikum gesorgt. Um es mit einem beliebten Zitat aus „Forrest Gump“ zu sagen: „M. Night Shyamalans Filme sind wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was man bekommt.“ Was man bei Split bekommt, sind zwar keine edel glacierten Trüffelpralinen, aber ein solides Stück Milchschokolade. Ein bisserl fad vielleicht, aber ja, zum Naschen zwischendurch reicht’s. Das liegt vor allem an James McAvoy, der als Mann (und gelegentlich Frau) mit 21 verschiedenen Persönlichkeiten, die sich einen Körper teilen, schauspielerisch so richtig aufdrehen darf. Für so eine Rolle braucht es einen Kapazunder wie den vielseitigen Schotten. Gut, ein Daniel Day-Lewis hätte vermutlich noch 30 Persönlichkeiten mehr herausgeholt, aber an James McAvoy liegt es nicht, dass auch dieses Werk von M. Night Shyamalan nur mit gemischten Kritiken aufgenommen wurde. Ein Problem ist die doch sehr vorhersehbare und überraschungsfreie Story. Gerade diesbezüglich hätte man vom Autor von „The Sixth Sense“ und „Unbreakable“ mehr erwartet. Auch die Schauspielerinnen, die die jungen Teenager-Mädels spielen, die in die Fänge des Herrn mit den vielen Facetten geraten, bieten keinen Mehrwert. Sie sehen hübsch aus. Aber sie sind austauschbar wie Figuren in einem handelsüblichen Teeny-Slasherfilm. Auch die Rückblenden in die Vergangenheit des einen Mädels, das ein bisschen mehr Hirn mitbringt, sind unnütz und tragen nicht zur Erhellung bei. Aber: „Split“ ist dennoch kein schlechter Film. Er unterhält, er hat mit der Darbietung von James McAvoy ein kleines schauspielerisches Glanzlicht und bietet ein interessantes Setting. Aber gemessen an dem, was Shyamalan schon gezeigt hat, ist er leider eine weitere Enttäuschung.


5,5
von 10 Kürbissen