Marco Risi

Die entfesselte Silvesternacht (1998)

Regie: Marco Risi
Original-Titel: L’ultimo capodanno
Erscheinungsjahr: 1998
Genre: Komödie, Satire, Episodenfilm
IMDB-Link: L’ultimo capodanno


Hach, der Jahreswechsel. In wenigen Stunden ist es wieder soweit, und ganz Österreich folgt seinen Traditionen: Fondue / Raclette essen, die Mundl-Silvesterepisode schauen, Dinner for One schauen, Donauwalzer tanzen, dabei zusehen, wie wortwörtlich Geld verpulvert wird und sich dermaßen einen hinter die Binde kippen, dass man es am nächsten Morgen frühestens zum Radetzkymarsch, eher aber zum zweiten Durchgang des Neujahrsspringens aus dem Bett schafft. Auch die Italiener:innen können das. Während es bei uns eher die vielen Bierchen und der Zirbenschnaps sind, die uns in die Horizontale verabschieden, hat man unsere südlichen Nachbarn in Verdacht, den gleichen Effekt mit Wein und Grappa zu erzielen. Ansonsten sind die Unterschiede aber marginal, wenn man Marco Risi Glauben schenken darf. Da wie dort pures Chaos und Anarchie. „Die entfesselte Silvesternacht“ könnte genauso gut im Schöpfwerk oder im Marxerhof stattfinden. Da ist die betrogene Ehefrau, die während der Silvesterfeier mit Freunden auf Rache sinnt. Da ist die ältere Dame, in diesem Fall eine vermögende Baronin, die sich einen Gigolo leistet. Da ist die Frau, deren Mann vor Jahren verschollen ist, und die nun zu Silvester Schluss machen möchte, als sie eine unerwartete Nachricht erhält. Da sind die beiden bekifften Teenager, die eine Stange Dynamit im Rucksack versteckt haben. Da sind der besoffene, grölende Fußballclub, die Gangster, der Familienvater und Anwalt, der sich mit einer Domina vergnügt, die spießige Familie, die sich in einen Kleinkrieg hineinziehen lässt – der ganz normale Wahnsinn eben. Gut, vielleicht ein bisschen überspitzt, denn so viel sei verraten: „Die entfesselte Silvesternacht“ steht durchaus in der satirischen Tradition des österreichischen Kultfilms „Muttertag“, der auch die Absonderlichkeiten der Bewohner:innen eines Häuserblocks ans Tageslicht fördert, wenngleich die italienische Variante wie auf Speed wirkt und das Thema statt mit der schönen, österreichischen Hinterfotzigkeit auf eine brachiale Holzhammerweise angeht. Leider aber vergisst die Komödie dabei auf den Witz. Eine gute Komödie erkennt man daran, dass sie uns zum Lachen oder zumindest zum Schmunzeln bringt. Eine schlechte Komödie ist dann per definitionem das Gegenteil davon. Und damit haben wir es hier zu tun. Da reißt auch eine bildhübsche Monica Bellucci als gehörnte Ehefrau nichts mehr raus. Dass sie dafür mit dem renommierten italienischen Schauspielpreis Globo d’oro bedacht wurde, passt irgendwie zu einem Film, bei dem fast nichts wirklich passt.


3,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)