Matjaž Ivanišin

Oroslan (2019)

Regie: Matjaž Ivanišin
Original-Titel: Oroslan
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Drama
IMDB-Link: –


Manchmal ist es so einfach. Wie erzählt man vom Tod eines Dorfbewohners? Man lässt einen Fahrer Essen auf Räder ausfahren, er hängt seine Dosen an den Zaun, am Nachmittag kommt die Nachbarin nach Hause und sieht, dass die Dosen unberührt dort hängen. Diese indirekte, sensible Erzählweise zieht sich durch den ganzen Film. „Oroslan“ von Matjaž Ivanišin ist ein sehr reduziertes, stilles Drama über den Tod, über Verlust und Erinnerung. Viele Szenen wirken zunächst beliebig, man sucht nach einem roten Faden, ohne fündig zu werden. Doch das bleibt nicht so. Nach und nach werden die Protagonisten und ihre Beziehungen zueinander greifbarer. Dann erkennt man, dass eine der Figuren der Bruder des verstorbenen Oroslan ist, der bereits einen tragischen und überraschenden Trauerfall zu verarbeiten hatte. Im Gespräch über zerplatzte Träume mit seinem Arbeitskollegen öffnet sich plötzlich ein Fenster in die Vergangenheit, das sich ebenso schnell wieder schließt, wie es sich geöffnet hat. Und wahrscheinlich ist das so mit dem Schmerz: Wenn man davon erzählt, dann distanziert, mit einem schmalen Lächeln auf den Lippen, das wie ein Schutzschild wirkt. Diese Nuancen fängt Ivanišin sehr gut ein. Die Gefahr besteht natürlich, dass diese Subtilität gelegentlich zu Langeweile führt. Denn trotz der Kürze des Films verlangt „Oroslan“ nach einem langen Atem des Zusehers. Allerdings wird das geduldige Publikum auch belohnt – mit Aufnahmen wie beispielsweise durch das Fenster einer Bar, als der Bruder des Verstorbenen Smalltalk mit der Barkeeperin führt, von der er in der Szene davor seinem Arbeitskollegen erzählt hat, um ihn dazu zu bewegen, noch einen Drink mit ihm zu nehmen. Dieser lehnte jedoch ab. Selten wird die Einsamkeit, die den Trauernden umhüllt, greifbarer als hier. Es gibt keine Vorwürfe, es gibt nur das Weitermachen – auch wenn es dazu führt, dass man allein an der Bar sitzt. So deutlich und so wenig plakativ ist das gefilmt. Ein Film, der durch das Sinnieren darüber immer mehr an Qualität hinzugewinnt, den man also durchaus erst mal sacken lassen sollte. Vielleicht aufgrund einiger Leerstellen nicht der beste Festivalbeitrag, aber einer der eigenständigsten.


7,0
von 10 Kürbissen