Matthew Vaughn

Kick-Ass (2010)

Regie: Matthew Vaughn
Original-Titel: Kick-Ass
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Action, Komödie
IMDB-Link: Kick-Ass


Es gibt Filme, die einfach immer Spaß machen – ganz gleich, wie oft man sie bereits gesehen hat. „Kick-Ass“ gehört definitiv in diese Kategorie. Rotzfrech, saukomisch und dabei von einer grafischen Brutalität, die man in manchen „ausgewachsenen“ Actionfilmen nicht sieht, unterhält mich der Film über seine ganze Spieldauer von fast zwei Stunden jedes Mal großartig. Erzählt wird die Geschichte des Teenagers Dave, gespielt von Aaron Taylor-Johnson, dessen sympathisch verpeilte Figur des Möchtegern-Superhelden nicht weiter entfernt sein könnte vom Bösewicht in Nocturnal Animals einige Jahre später. Dave kann eigentlich nichts, ist sogar für einen Loser zu durchschnittlich. Dennoch zieht er sich ein Kostüm an, um fortan als Kick-Ass die Nachbarschaft zu beschützen. Und stolpert in eine Geschichte hinein, die viel zu groß für ihn ist. So hat er bald Mafiaboss Frank D’Amico (Mark Strong) auf seinen Fersen. Aber gut, dass Big Daddy (Nicolas Cage) und Hit-Girl (Chloë Grace Moretz) zur Stelle sind, denn im Gegensatz zu Dave wissen die beiden, wie man Ärsche versohlt. Die komische Brillanz des Films liegt im Nebeneinander der unschuldigen Teenager-Coming of Age-Geschichte und der Brutalität eines Killer-Actionfilms. Da wird schon mal im Hintergrund ein vermeintlicher Verräter gefoltert und anschließend erschossen, während der fürsorgliche Mafia-Vater, der diesen Befehl gegeben hat, sich nach getaner Arbeit mit seinem Sohn im Auto darüber unterhält, ob er Popcorn zum gleich beginnenden Kinofilm haben möchte oder nicht. Zugegeben, das muss man mögen. Für empfindliche Mägen sind manche Szenen in „Kick-Ass“ vielleicht tatsächlich zu starker Tobak. Da wird geschnetzelt und geschossen, was die Blutkonserven hergeben. Gleichzeitig macht das allerdings unglaublich viel Spaß. Es ist amoralisch, inkorrekt und böse. Aber es fetzt.


8,0
von 10 Kürbissen

Kingsman: The Golden Circle (2017)

Regie: Matthew Vaughn
Original-Titel: Kingsman: The Golden Circle
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Action, Komödie
IMDB-Link: Kingsman: The Golden Circle


2014 erschien „Kingsman: The Secret Service“ von Matthew Vaughn gleich einem Feuerwerk (ähnlich dem, das den Film auf so grandios-absurde Weise beenden sollte). Britischer Vorstadt-Prolet trifft auf Gentleman-Agenten und wird selbst ausgebildet zum Gentleman. Manners maketh man. Colin Firth und Taron Egerton waren ein großartiges Team. Und klar, dass schon bald laut nach einer Fortsetzung gerufen wurde. „Kingsman: The Golden Circle“ folgt nun der Geschichte von Eggsy (Egerton), der am Ende von „Kingsman: The Secret Service“ zum Agenten Galahad befördert wurde, in die nächste Runde. Und natürlich wird es zunächst einmal ungemütlich, als die Drogenimperatorin Poppy (Julianne Moore in einer lolly-bunten Popcornwelt mitten im kambodschanischen Dschungel) das Kingsman-Netz hackt und gleich mal die gesamte Infrastruktur samt Kingsman-Agenten kalt stellt. Eggsy und Computer-Wizard Merlin (Mark Strong, dem im Übrigen der emotionalste Moment des Films gehört) sind auf sich allein gestellt. Glücklicherweise tauchen in der dunkelsten Stunde unvermutet Freunde von überm Teich auf. Und wie alles an dieser Filmreihe ist das US-amerikanische Geheimdienst-Pendant zu den britischen Kingsmen gnadenlos und bis zum Höhepunkt der Karikatur überzeichnet, was zu manch herrlichem Clash of Cultures führt. Überhaupt ist die Überzeichnung das gängige Stilmittel, von dem die Kingsman-Filme leben. Ob nun in den Actionszenen, in der Figurenzeichnung, in der Dramaturgie: Die beiden Kingsman-Filme kennen nur eine Devise: Je mehr und je absurder, desto besser! Das kann man nun mögen, muss man aber nicht. Ich gehöre zu jenen, die einfach eine große Freude daran haben, das innere Kind in mir jubelt, wenn elektrische Lassos die Bösewichter in zwei Hälften zersägen oder Bowlingkugeln ganze Betonwände durchschlagen. Hirn ausschalten und Spaß haben – dafür ist „Kingsman: The Golden Circle“ gemacht. Allerdings bleibt zu bekritteln, dass der Film keine Originalitätspreise gewinnen wird. Im Grunde konzentriert er sich auf das Erfolgsrezept von Teil 1 und versucht dieses, zu kopieren und den Wahnsinn noch mal zu steigern. Die eine oder andere Finesse im Drehbuch hätte dem Film gut getan.


7,0
von 10 Kürbissen

(Foto: 20th Century Fox)