Nacho Vigalondo

Colossal (2016)

Regie: Nacho Vigalondo
Original-Titel: Colossal
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Fantasy, Science Fiction, Thriller
IMDB-Link: Colossal


Meine Kinokomplizin, die den Film vorgeschlagen hat, hat mir im Vorfeld eingeschärft: „Versuch, nichts über den Film zu lesen, keine Kritiken, schau keinen Trailer dazu an.“ (Jo, was haben wir hier unten? Genau – einen Trailer. Allerdings möchte ich niemanden bevormunden – die Willensstarken unter euch werden es schaffen, das Youtube-Video nicht anzuklicken, und für das schwache Gewürm unter euch, har har, – oder einfach jene, denen Spoiler egal sind – möchte ich nicht auf den gewohnten Service verzichten.) Jedenfalls wertet es „Colossal“ auf, wenn man nicht genau weiß, worum es geht. So viel sei vorab verraten: Die arbeitslose Alkoholikerin Gloria (eine wie immer entzückende Anne Hathaway) fliegt aus der Wohnung ihres Verlobten und stattet daraufhin ihrem Heimatdorf einen Besuch ab. Währenddessen legt ein Monster Seoul, die Hauptstadt Südkoreas, in Schutt und Asche. Was eine Mischung aus Selbstfindung und Godzilla-Variation beginnt, formt sich allmählich zu einem Kampf gegen die inneren Dämonen.  Jede weitere Information zur Handlung des Films wäre schon eine Information zu viel. Jetzt kommt mein „Aber“: Aber leider ist die Umsetzung dieser an sich interessanten Grundidee bestenfalls mittelprächtig. Der Regisseur, Nacho Vigalondo, ist bei mir bereits einmal durchgefallen mit einer ähnlichen Ausgangsbasis: Gute Idee, schlecht umgesetzt. „Open Windows“ hieß das Werkl, das ich nicht unbedingt hymnisch besprochen habe. „Colossal“ ist jedenfalls ein Schritt nach vorne. Denn unterhaltsam ist der Film und durch die Fokussierung auf das Kleinstadt-Setting und deren Bewohner auch prinzipiell interessant. Allerdings geht „Colossal“ einigen sehr spannenden moralischen und ethischen Fragen aus dem Weg (wie auch „Open Windows“) und konzentriert sich stattdessen lieber auf den Thriller-Aspekt und auf Schauwerte (die allerdings nicht immer befriedigend ausfallen – da ist man heutzutage einfach an Besseres in Sachen CGI gewöhnt). In Summe ist es leider nur ein besseres B-Movie, das von einer tollen Anne Hathaway und einer interessanten Ausgangsbasis lebt, aber dann auf dem Weg viel Potential liegen lässt.


5,5
von 10 Kürbissen

Open Windows (2014)

Regie: Nacho Vigalondo
Original-Titel: Open Windows
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Thriller
IMDB-Link: Open Windows


Was für eine wunderbar absurde Ausgangslage: Ein Hobbit und ein Pornostar spielen in einem spanischen High-Tech-Thriller, der das Geschehen ausschließlich auf dem Bildschirm eines Laptops zeigt. „You had me at Hello!“ Die Geschichte ist rasch erzählt: Nick (gespielt von Elijah Wood), ein Nerd und Betreiber der Fanseite einer berühmten Hollywoodschauspielerin, wird zu einer Convention eingeladen, auf der seine Angebetete Jill (Sasha Grey) ihren neuen Film vorstellt. Er sitzt im Hotelzimmer, streamt die Veranstaltung und soll anschließend ein Interview mit ihr führen, als er einen mysteriösen Anruf bekommt. Der Anrufer erklärt ihm, dass Jill das Interview abgesagt hätte, dass sie dafür bestraft gehört, und er installiert lauter interessante Apps auf Nicks Computer, mit denen er beispielsweise ihre Telefonate abhören kann, die sich in Überwachungskameras hacken können und ähnliche nützliche Dinge, die der Stalker von Welt so braucht. Und Nick muss feststellen, dass er in einem perfiden Spiel als Marionette eingespannt ist, denn der Anrufer hat Böses im Sinn. Gut, dass da drei konfuse französische Hacker in der anderen Leitung hängen. Vielleicht können die ihm ja aus der Patsche helfen und auch seine heißgeliebte Jill retten?

„Open Windows“ ist so ein Fall von „gut gemeint, aber schlecht ausgeführt“. Die Grundidee, dass sich nämlich alles ausschließlich auf dem Bildschirm von Nicks Laptop abspielt – via Überwachungskamera-Videos, Video-Chats und dergleichen – ist reizvoll und interessant. Allerdings ist die Thrillerhandlung selbst so öde und so voller Klischees und Logikbrüche, dass man sich irgendwann nur noch auf den Kopf greift und dem Drehbuchautor sämtliche Viren und Trojaner, die im Internet je kursiert sind, auf den Hals wünscht.


3,0
von 10 Kürbissen