Nancy Meyers

Man lernt nie aus (2015)

Regie: Nancy Meyers
Original-Titel: The Intern
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Komödie
IMDB-Link: The Intern


In der Pension kann es rasch fad werden, vor allem, wenn man keine Familie mehr um sich hat. Das weiß auch Ben Whittaker (Robert De Niro), weshalb er sich kurzerhand bei einem „Senior Internship Programm“ bewirbt. Das „Senior“ ist hierbei durchaus wörtlich zu verstehen, weshalb er sich plötzlich in einem hippen Mode-Start-Up, geleitet von Kontrollfreak Jules (Anne Hathaway), wiederfindet. Nach anfänglichen Eingewöhnungs-Schwierigkeiten, die vor allem mit der Technik von heute zu tun haben, zeigt sich allmählich, dass der erfahrene und stets höfliche, ausgeglichene Ben tatsächlich eine große Hilfe ist. Und auch die anfangs skeptische Jules weiß ihren neuen Mitarbeiter bald zu schätzen. „Man lernt nie aus“ – im Original ganz simpel „The Intern“ – ist ein wundervoll warmherziger Film Marke Nancy Meyers. Das heißt, dass der Plot einigermaßen überraschungsfrei durchmarschiert, aber von so sympathischen Figuren getragen wird, dass es nichts ausmacht, wenn das eine oder andere Klischee bedient wird. Aber Nancy Meyers versteht es einfach, liebevolle, kleine Filme zu drehen, in denen die Welt gut ist und die meisten Schwierigkeiten überwunden werden können, ohne dass es dafür eine Zauberhand oder Deus Ex Machina braucht. Nancy Meyers glaubt fest an den Grundsatz „Durchs Leben kommen die Leute zusammen“, und das zieht sich durch all ihre Filme. Dazu kommt, dass Robert De Niro den alten Praktikanten entzückend spielt, als einen Sir des alten Stils, der aber kein Problem damit hat, auch Neues zu lernen. Am Ende des Films möchte man mit jeder einzelnen Filmfigur befreundet sein. Und das ist nicht das Schlechteste, was ein Film erreichen kann.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Francois Duhamel – © 2014 Warner Bros. Entertainment Inc. and Ratpac-Dune Entertainment LLC, Quelle http://www.imdb.com)

Liebe braucht keine Ferien (2006)

Regie: Nancy Meyers
Original-Titel: The Holiday
Erscheinungsjahr: 2006
Genre: Rom-Com, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: The Holiday


Wir müssen über Jack Black reden. Ich mag ihn. Er ist witzig, selbstironisch, ein großartiger Musiker, war toll in „School of Rock“, passte überraschend gut in Peter Jacksons „King Kong“, und das Re-Boot von „Jumanji“ wäre ohne ihn auch nur halb so lustig. Aber was zum Geier dachten sich die Casting-Agenten von „Liebe braucht keine Ferien“, als sie ihn als Love Interest von Kate Winslet besetzten? Mir tut der Mann ehrlich leid. Er bemüht sich nach Kräften, aber er ist eben der lustige Kumpel-Typ, und nicht jener, der von den heißesten Frauen des Universums angeschmachtet werden. Dazu wird er von der unfassbar talentierten Kate Winslet gnadenlos an die Wand gespielt. Und genau deshalb funktioniert „Liebe braucht keine Ferien“ von Nancy Meyers nur bedingt. Rundum gut sind sie Szenen mit Cameron Diaz und Jude Law, die wirklich eine gute Chemie miteinander haben. Die amerikanische Schnepfe, die im britischen Landhaus den charismatischen Dandy verfällt, der sich in weiterer Folge als überraschend facettenreich herausstellt, wird von Diaz gut verkörpert, das ist stimmig. Über Kate Winslet, die Britin, die mit der Amerikanerin über die Weihnachtsferien Häuser getauscht hat und nun in L.A. zwischen Musikproduzenten und gefeierten Drehbuchautoren ein bisschen quirky britishness einbringt, muss man ohnehin nicht viele Worte verlieren. Ich halte sie für eine der talentiertesten Schauspielerinnen überhaupt – sie kann einfach nicht schlecht spielen. Bleibt also Jack Black. Und da donnert’s die Bewertung für den an sich sympathischen, witzigen und größtenteils gelungenen Film um mindestens einen ganzen Kürbis, wenn nicht mehr, nach unten. Jack Blacks Auftritt hat seiner Karriere zum Glück nicht groß geschadet. Dem Film aber schon.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Was das Herz begehrt (2003)

Regie: Nancy Meyers
Original-Titel: Something’s Gotta Give
Erscheinungsjahr: 2003
Genre: Rom-Com
IMDB-Link: Something’s Gotta Give


Wenn Jack Nicholson sein diabolisches Grinsen aufsetzt, dann steht er entweder kurz davor, seinen Sohn mit einer Axt durch ein Heckenlabyrinth zu jagen, oder das Herz einer Frau zu erobern, die ihn zuvor abstoßend gefunden hat. Siehe „Besser geht’s nicht“ und auch in „Was das Herz begehrt“. Jedenfalls ist sein Charakter Harry Sanborn in Nancy Meyers‘ Rom-Com von 2003 nicht unbedingt ein Schwiegermütter-Traum. Der self-made Millionär, der sich mit keinen Frauen über 30 verabredet, ist zwar charismatisch, aber ein oberflächlicher Macho durch und durch. Eine Alterserscheinung (ein Herzinfarkt im Bett, quasi die Andeutung des großen statt des kleinen Todes) zwingt ihn aber dazu, das Wochenende im Strandhaus seiner Flamme (Amanda Peet) zu verbringen. Diese vertschüsst sich wieder in die Stadt, und der Galan bleibt zurück mit der neurotischen, aber toughen Mutter Erica (Diane Keaton). Trotz aller Gegensätze und gewisser beidseitiger Vorbehalte spüren die beiden schon bald eine gewisse Anziehungskraft aufeinander. Dass der junge Arzt Dr. Mercer (Keanu Reeves in his prime), dem Harry sein Leben verdankt, selbst ein Auge auf die erfolgreiche und zwanzig Jahre ältere Schriftstellerin geworfen hat, führt dann zu den Verwicklungen und Komplikationen, die man aus dem Genre der Rom-Coms schon gut kennt. Die Geschichte wird routiniert und überraschungsfrei erzählt. Allerdings sind alle Beteiligten mit sichtlicher Spielfreude bei der Sache, und die Wandlung des Protagonisten vom Saulus zum Paulus wird zwar mit den genre-üblichen Überspitzungen, aber dennoch mit Herz und Empathie erzählt. Mich persönlich hat nur genervt, dass Regisseurin und Drehbuchautorin Nancy Meyers beim Wendepunkt der Geschichte vor dem letzten Drittel nicht mehr ihren Figuren vertraut hat, und ihre bislang starke Figur der Erica in Hysterie aufgehen hat lassen – weil es offenbar in Rom-Coms dazu gehört, dass Frauen hysterisch heulen, wenn sie von einem Mann abgewiesen werden. Nun ja. Davon abgesehen macht Meyers mit ihrem Film aber vieles richtig. So ist „Was das Herz begehrt“ ein gelungener Genre-Vertreter, den man sich an einem verregneten Nachmittag mit der Liebsten oder dem Liebsten gut ansehen kann.


6,0
von 10 Kürbissen