Nicolas Wackerbarth

Casting (2017)

Regie: Nicolas Wackerbarth
Original-Titel: Casting
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Komödie
IMDB-Link: Casting


Die Regisseurin Vera möchte eine Neuverfilmung von eines Fassbinder-Films realisieren. Sie kommt aus dem Dokumentarbereich und hat klare Vorstellung, wie für sie die Hauptrolle der Petra von Kleist gespielt werden soll. Das Problem: Die Schauspielerinnen, die sie zum Casting einlädt, entsprechen dieser Vorstellung nicht, sehr zum Missfallen von Produzenten und Castingdirektorin, die den Drehbeginn in wenigen Tagen stark gefährdet sehen. Die Nerven liegen blank im Studio. Nur dem Anspielpartner Gerwin, der bis zum Eintreffen der männlichen Hauptrolle in den Castings die Rolle übernimmt, kann das nur recht sein – denn während er an der Rolle des Karl arbeitet, stellt er fest, wie viel Spaß es ihm macht und dass es ja eigentlich ganz nett wäre, selbst mal wieder vor der Kamera zu stehen.

„Casting“ von Nicolas Wackerbarth ist in mehrfacher Hinsicht ein bemerkenswerter Film: Zum Einen, weil es nur ein Treatment, aber kein fest vorgegebenes Drehbuch gab. Fast alles war Improvisation. Zum Anderen, weil der Film sehr mit doppelten Böden arbeitet. Immer wieder greifen die gespielten Casting-Szenen und die Realität der Figuren ineinander. Welche Emotion ist echt, welche nur gespielt? Und auch die Tatsache, dass mit Ausnahme des von Andreas Lust gespielten Gerwig (der offen schwul ist) alle Hauptrollen mit Frauen über 40 besetzt sind, hebt den Film wohltuend von vielen anderen Werken ab. Der Film reflektiert über den künstlerischen Schaffensprozess, über die Lücke zwischen Anspruch und Realisierbarkeit und wie diese Lücke zu einer Entscheidungsunwilligkeit führen kann, die den Prozess weiter hemmt, über Träume und Ziele und gleichzeitig über Illusionen. Dabei ist „Casting“ wahnsinnig komisch und hintergründig, was vor allem dem gut aufgelegten Cast zu verdanken ist. Zwar ist der Film nicht ganz frei von Klischees, aber klug genug, diese zu bemerken und mit ihnen zu spielen. Ein gut unterhaltender Meta-Film über das Filmemachen.


7,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Stadtkino Filmverleih)