Niki Caro

Mulan (2020)

Regie: Niki Caro
Original-Titel: Mulan
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Action, Abenteuerfilm, Eastern
IMDB-Link: Mulan


Die Gelddruckmaschine funktioniert. Nachdem man schon bei „Die Schöne und das Biest“, „König der Löwen“ und Aladdin gesehen hat, dass man mit der Realverfilmung beliebter Disney-Zeichentrick-Klassiker noch mal den großen Reibach machen kann, wurde nun Mulan mit realen Darstellerinnen und Darstellern verfilmt. Nur kam dann so eine blöde Pandemie dazwischen, und der Film konnte nicht im Kino erscheinen. Der Mäusekonzern – findig wie immer – fand aber dann gleich mal eine pragmatische Lösung für das Problem: Die schon monatlich zahlenden Disney-Abonnenten dürfen noch mal 29 Euro löhnen, um das Spektakel zuhause auf ihren Fernsehern bewundern zu dürfen. Das war der Moment, als der Kürbis eures Vertrauens voller Inbrunst gemeint hat: „Geht’s noch? Mein Geld sehen die niemals.“ Ein paar Monate später hat genau dieser Kürbis seinen Disney Plus-Account und wirft der gierigen Maus monatlich seine Scheine in den Rachen. So viel zur Konsequenz. Wenigstens die 29 Euro habe ich nicht extra zahlen müssen – mittlerweile ist der Film auch für den Pöbel (Zitat Thomas Schmied) regulär auf Disney Plus zu sehen. Und ganz ehrlich: Diese 29 Euro wären eine Fehlinvestition gewesen. Denn auch wenn die Neuverfilmung von „Mulan“ unter der Regie von Niki Caro mit schön choreografierten Kampfeinlagen und schönen Bildern punkten kann, so gelingt es dem Film einfach nicht, den Charme der Zeichentrickvorlage einzufangen. Die neue Mulan (Liu Yifei) ist eine Art Supergirl, die von Anfang an richtig badass ist und einfach alles kann. Und das ist unterm Strich halt dann fad, denn der Witz beim Zeichentrickfilm war eben, dass Mulan erst mal ein paar Basics lernen musste, ehe sie die bösen Buben verdreschen konnte. Und auch während des Showdowns waren nicht einfach nur die Physik sprengende Flugeinlagen mit Schwert der Weg zu Ziel, sondern auch List und Köpfchen. Genau das fehlt der neuen Mulan. Die kann einfach nur verdammt gut an unsichtbaren Schnüren hängend durch die Gegend schweben. Aber das ist am Ende eben ziemlich eindimensional. Als Fazit sei gesagt: Man sollte die Stärken und das Erfolgsrezept der Vorlage verstehen, will man eine gelungene Kopie abliefern. Das gelingt Disney hier mit dem eigenen Film keinesfalls. Aber das ausgeblendet, kann man immerhin ein paar schöne Schwertgemetzel mit ansehen – Unterhaltung ist es, wenn auch keine hochklassige.


5,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

City of McFarland (2015)

Regie: Niki Caro
Original-Titel: McFarland, USA
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Sportfilm
IMDB-Link: McFarland, USA


Das Narrativ des Sportfilms ist wohl eines der starrsten überhaupt. Außenseiter (meist aus prekären Verhältnissen), ob Einzeln oder als Team, wächst über sich hinaus und straft die Kritiker Lügen. Am Ende steht der Sieg oder zumindest das ehrenvolle Abschneiden im Wettkampf. „City of McFarland“ von Niki Caro reiht sich nahtlos ein in die Geschichte der Sportfilme. Diesmal geht es um den Football-Coach Jim White (Kevin Costner), dem sein Temperament zum Verhängnis wird. Er wird gefeuert und findet nur noch in der kalifornischen Kleinstadt McFarland eine Anstellung an der dortigen High School. Fast alle Bewohner sind mexikanischer Abstammung, und die weiße Muster-Familie von Jim White tut sich erst einmal schwer, hier ihren Platz zu finden. Zu tief sind Vorurteile verankert. Durch Zufall findet White heraus, dass die örtlichen Burschen, gestählt vom Obstpflücken am Feld, vielleicht keine grandiosen Football-Spieler sind, aber laufen können wie die Hasen. Also gründet er kurzerhand McFarlands erstes Crosscountry-Team, das sich fortan mit Eliteschulen aus Palo Alto & Co. misst. Die klassische Außenseitergeschichte eben der Working Class, die in die elitäre Bourgeoisie einbricht und dort erst einmal Ablehnung widerfährt. Doch Jim White und seine Burschen lassen nicht locker, und die Heldengeschichte spitzt sich zu. „City of McFarland“ ist Wohlfühlkino. Das zeigt sich auch daran, dass die örtlichen Probleme wie beispielsweise eine hohe Kriminalitätsrate und Bandenschlägereien zwar nicht verschwiegen werden, aber im Grunde ihres Herzens sind eh alle gut und haben sich lieb, wenn es die Einstellung auf das jubelnde Publikum am Ende verlangt. Da treten auch ökonomische Zwänge und dergleichen mal in den Hintergrund. Und ja, das ist erbaulich, das will man sehen, aber es wird eben doch ein Stück weit von der Realität entfernt sein, in der sich Probleme nicht immer lockig-flockig in Luft auflösen, wenn man ins letzte Drittel einbiegt. Da hätte dem Film etwas mehr Realismus gut getan. Seine frohe Kunde vom Aufstieg der Außenseiter hätte er dennoch vermitteln können. Dennoch ein Film, den man sich gerne mal anschauen kann.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 33 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


6,0
von 10 Kürbissen