Pete Docter

Oben (2009)

Regie: Pete Docter
Original-Titel: Up
Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Animation
IMDB-Link: Up


Pixar mal wieder. Wer diesem Blog regelmäßig folgt, wird vielleicht schon festgestellt haben, dass ich Faible für diese Animationsschmiede habe, die vor allem in den letzten 15 Jahren etliche kreative Meisterwerke auf die Leinwand gebracht haben, die nicht nur die Marschrichtung im gesamten Animationsgenre vorgegeben haben, sondern auch oft zu den besten Filmen des Jahres gezählt haben „Oben“ aus dem Jahr 2009 fügt sich da nahtlos ein. Mastermind dahinter ist mal wieder Pete Docter, der für etliche der allerbesten Pixar-Filme verantwortlich zeichnet. In „Oben“ lässt er ein sehr ungleiches Heldenduo zusammenfinden: Den übergewichtigen Pfadfinder Russell und den grantigen Witwer Carl Fredericksen. Eigentlich will Carl nur ein letztes Abenteuer erleben, das er seiner zu früh verstorbenen Frau versprochen hat – ein Versprechen, das er nie einlösen konnte. Russell kommt da eher zufällig dazu, aber mit Fortdauer des Films finden die beiden allmählich zueinander. Und sie brauchen einander auch, da im Dschungel unerwartete Gefahren lauern. So vieles an „Oben“ ist außergewöhnlich: Das geriatrisch-naive Buddyduo, die Wahl des Fortbewegungsmittels (auf das der Film mit seinem Titel verweist), der Antagonist und vor allem, dass es dem Team gelungen ist, in die ersten Minuten des Films ein ganzes Leben zu packen mit all den Glücksgefühlen und den Schicksalsschlägen, die dazugehören. Ganz ehrlich: Die Eingangssequenz von „Oben“ ist neben den ersten zwanzig Minuten von Wall-E das Beste, was jemals in einem Animationsfilm gezeigt wurde. Leider verflacht der Film mit Fortdauer der Spielzeit ein wenig, und die bittersüße Tonalität weicht einem kindlichen Abenteuer. Doch auch der Rest des Films bietet gute Unterhaltung für Groß und Klein. Somit ist „Oben“ ein weiterer gelungener Beitrag in Pixars Schaffen und zurecht ein Fan-Liebling, auch wenn er nicht ganz die Brillanz der allerbesten Filme erreicht.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: © Disney/Pixar, Quelle http://www.imdb.com)

Soul (2020)

Regie: Pete Docter
Original-Titel: Soul
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Animation
IMDB-Link: Soul


Am Ende kriegen sie einen doch. Monatelange habe ich das Disney+ Abo verweigert, da ich nicht eingesehen habe, warum ich neben Netflix und Amazon Prime noch für einen dritten Streaming-Anbieter zahlen soll. Das mit den unterschiedlichen Streamingdiensten franst allmählich aus wie meine Figur nach den Weihnachtsfeiertagen. Aber dann möchte man sich einfach wieder mal gepflegt alle Star Wars-Filme reinziehen, rechnet das durch und kommt zähneknirschend zu dem Schluss, dass es jedenfalls sinnvoller ist, einen Monat lang seinen Obolus an den Konzern mit der Maus abzutreten als Amazon das Geld für jeden Film einzeln nachzuwerfen. Und wenn man schon seine Seele an Micky Maus verkauft hat, kann man auch gleich nachholen, was man zuletzt aus der Disney-Schmiede verpasst hat. So etwa den aktuellen Oscar-Gewinner für den besten Animationsfilm. Gleich vorweg: Die Animationen von „Soul“ sind über jeden Zweifel erhaben. Pixar zeigt, wie lebensnah Animationskunst heute sein kann. Und mit Pete Docter sitzt jemand im Regiestuhl, der für einige der größten Meisterwerke der Animationsfilmgeschichte (und vielleicht der Filmgeschichte generell) verantwortlich zeichnet. So gesehen ist alles angerichtet für ein seelenvolles Abenteuer für Jung und Alt. Und der Film liefert. Die Geschichte des Musiklehrers Joe, der ausgerechnet an dem Tag, an dem er die Chance seines Lebens erhält, am Abend in einem angesagten Jazzclub mit einem Superstar der Szene zu musizieren, durch eine Unachtsamkeit das Zeitliche segnet und nun als Seelen-Mentor für die unvermittelbare Seele Nr. 22 auf die Erde zurückzukehren versucht, bietet einiges an Gedankenfutter, ohne dabei auf den Unterhaltungswert zu vergessen. Pete Docter geht dabei der Frage nach, was denn unser innerer Funke ist, der unser Leben erst lebenswert macht – und wie man diesen findet. Da das nicht der einfachste Stoff ist, den man mit filmischen Mitteln verarbeiten kann, gilt „Soul“ wohl zurecht als bisher „erwachsenster“ Film der Pixar Studios. Auch wirkt der Humor diesmal etwas reduziert. Zwar gibt es genug zu schmunzeln und zu lachen – vor allem im Mittelteil des Films, als Joe und Seele 22 wieder auf der Erde landen, aber nicht so, wie sie sich das ausgemalt haben – doch geht es in „Soul“ eindeutig mehr um die Botschaft als den reinen Unterhaltungswert, und das passt schon so. Hier trifft der Film die richtigen Töne. Und apropos Töne: Die treffen auch Atticus Ross und Trent Reznor mit der Filmmusik, für die sie verdient ihren zweiten Oscar einheimsen durften (einfach mal nach „Just Us“ googeln – trust me!). Und doch – nach all diesem berechtigtem Lob für den Film muss ich festhalten, dass er mich wider Erwarten nicht so sehr berühren konnte wie andere Filme von Pixar. Ich kann nicht mal genau festhalten, woran es liegt – vielleicht wirkt das alles auf mich zu gewollt und zu konstruiert – aber irgendwie fehlt mir hier die Frische und ja, auch Originalität, für die ich Pixar-Filme so liebe. Unterm Strich ist für mich „Soul“ vielleicht keine Kopie, aber doch eine Fortführung der Ideen, die in Inside Out schon so genial umgesetzt wurden. „Soul“ ist ein toller Film, aber meine Favoriten bleiben dann doch andere.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Pixar/PIXAR – © 2020 Disney/Pixar, Quelle http://www.imdb.com)

Die Monster AG (2001)

Regie: Pete Docter, David Silverman und Lee Unkrich
Original-Titel: Monsters, Inc.
Erscheinungsjahr: 2001
Genre: Animation
IMDB-Link: Monsters, Inc.


„Die Monster AG“, ein früher Film der Pixar Animation Studios, genießt auch heute noch, zwanzig Jahren nach dem Erscheinen, große Beliebtheit unter Fans. Schließlich konnte der Film schon ein Stück weit in die Zukunft von Pixar weisen, in einem Ausmaß, in dem es dem noch früheren Meisterwerk „Toy Story“ noch nicht gelungen war: Nämlich, wie man abstrakte Ideen in breitenwirksame, leicht verständliche, aber dennoch gehaltvolle Familienunterhaltung packen kann. Im Fall der Monster AG wird das Monster im Kleiderschrank, vor dem sich alle Kinder mal gefürchtet haben, einmal komplett auf den Kopf gestellt: Die Monster existieren nämlich wirklich in einer Parallelwelt, und sie fürchten sich maßlos vor den Menschen. Dennoch müssen sie Nacht für Nacht in Kinderzimmer schleichen und Kinder erschrecken, um aus ihren Schreien die Energie zu beziehen, die ihre kommode Stadt am Laufen hält. Wenn jemand noch Ideen für Green Energy braucht: Schaut da mal hin. Jedenfalls geht für Sulley, der Meistererschrecker unter den Monstern, und dessen Kumpel Mike fast die Welt unter, als sich eines Tages ein unerschrockenes Mädchen in ihre Welt verirrt. Und sie haben alle Hände voll zu tun, um dieses wieder zurück in seine Welt zu bringen. „Die Monster AG“ erreicht noch nicht ganz die Brillanz der späteren Pixar-Werke, zeigt aber schon auf, in welche Richtung man mit den Filmen gehen wollte. Der Film setzt seine entzückende Idee unterhaltsam und witzig um. Lediglich die Yeti-Episode wirkt ein wenig reingepfuscht und fühlt sich wie ein Fremdkörper an, aber ansonsten passen Pacing und Humor, und die eineinhalb Stunden vergehen wie im Flug. Kein Wunder, dass sich das Merchandising danach so gut verkauft hat, aber welches Kind möchte auch nicht einen kuscheligen Sulley in statt unter seinem Bett haben?


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2001 – Buena Vista Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Alles steht Kopf (2015)

Regie: Pete Docter
Original-Titel: Inside Out
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Animation
IMDB-Link: Inside Out


In unseren Köpfen spielt es sich ab. Freude, Ärger, Wut, Ekel und Trauer drücken Knöpfe und bestimmen unsere Reaktionen auf unsere Umwelt. So geht es auch der 11jährigen Riley, die gerade turbulente Zeiten erlebt: Gerade noch lebte sie glücklich mit ihren Eltern in Minnesota, wo sie ihre Freundinnen, ihr geliebtes Eishockey, ihre Schule hatte – und plötzlich ist sie in einer Bruchbude in San Francisco und muss sich damit herumschlagen, dass ihr Leben eine 180°-Wendung hingelegt hat. Die fünf liebevoll animierten Emotionen in ihrem Kopf haben indes eigene Probleme: Freude und Trauer werden aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände und als Resultat auf die Tatsache, dass Trauer plötzlich alle glücklichen Erinnerungen traurig färbt, ins Langzeit-Gedächtnis und ins Unbewusste geschleudert. Im Kontrollraum bleiben Ekel, Angst und Ärger – die einzigen Empfindungen, die Riley in ihrer neuen Situation noch bleiben. Freude versucht in der Zwischenzeit, wieder zurückzukehren und muss einige lehrreiche Erfahrungen dabei sammeln. „Inside Out“, so der Originaltitel des Pixar-Animationsfilms „Alles steht Kopf“, ist der vielleicht beste Animationsfilm, der jemals gedreht wurde. Klüger wurde im Format des kindertauglichen Animationsfilms nie beleuchtet, woraus sich die Facetten unserer Persönlichkeit zusammensetzen, wie Erinnerungen arbeiten, wie die Emotionen in uns werken und diese Erinnerungen färben – und warum wir am Ende die sind, die wir eben sind. Kinder werden aufgrund der quietschbunten Darstellung des Oberstübchens und vieler kindheitsgerechter Gags ihre Freude mit dem Film haben, aber das große Vergnügen haben tatsächlich wir Erwachsene. Der Film fordert uns zum Mitdenken und Mitfühlen auf. Und spielt dabei selbst alle Emotionen groß aus: Er ist stellenweise wahnsinnig komisch und gelegentlich auch herzergreifend traurig, aber nie sucht er nach einfachen Triggern, nie wirkt er plump dabei. Besser kann man Gefühle eigentlich nicht vermitteln. Und „Inside Out“ wird wohl zurecht als einer der großen Meilensteine des Animationsfilms in die Filmgeschichte eingehen.


9,0
von 10 Kürbissen