Phyllida Lloyd

Die Eiserne Lady (2011)

Regie: Phyllida Lloyd
Original-Titel: The Iron Lady
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Biopic, Drama, Politfilm, Historienfilm
IMDB-Link: The Iron Lady


Maggie, der britische Eisenschädel. Sie war und ist nicht unumstritten, und bei allen Verdiensten um Großbritannien, als besonders mitfühlend geht sie wohl nicht in die Geschichte ein. Sie fuhr schon einen harten Kurs, den vor allem die Arbeiterschicht am eigenen Leib zu spüren bekam. Thatcherism ist in der historischen Nachbetrachtung nicht unbedingt als besonders positiv eingeordnet. Aber wie sieht es um das Privatleben der Eisernen Lady aus? Phyllida Lloyd ging der Frage in ihrem Biopic aus 2011 nach. Und sie konnte sich dabei auf ihre Hauptdarstellerin verlassen, der unnachahmlichen Meryl Streep, die mal wieder völlig zurücktrat, um in ihrer Rolle als Margaret Thatcher aufzugehen. Verdient gab es dafür erneut einen Oscar für Streep als beste Darstellerin. Doch was bietet „Die Eiserne Lady“ darüber hinaus? Der Bogen ist jedenfalls interessant gespannt. Gleich zu Beginn sieht man Margaret Thatcher als alte Dame. Sie wird in ihrem Haus streng bewacht und führt Gespräche mit ihrem verstorbenen Mann (Jim Broadbent). Wir erleben Thatcher auf dem Boden ihres Lebens als demente Witwe. Und doch geht von ihr bzw. Streeps Darstellung eine große Kraft aus. In Erinnerungen und Flashbacks werden schließlich – schön chronologisch wie in den meisten Biopics – die wesentlichen Stationen ihres Lebens nacherzählt. Durch die Verknüpfung dieser Erinnerungen mit der Erkrankung wird der Film auch zu einem Drama über Altern, Krankheit und Demenz. Doch genau der Fokus auf diesen sehr menschlichen Aspekt in Thatchers Biographie lenkt ein wenig von ihrem Werden und Wirken als Politikerin ab. Immer wieder wird man als Zuseher an Punkte wichtiger Entscheidungen geführt, die sie getroffen hat, doch es bleibt meistens unklar, warum sie diese Entscheidungen so gefällt hat, wie sie es eben getan hat. Die (natürlich in der Politik oft komplexen) Hintergründe bleiben unklar. Und so besteht „Die Eiserne Lady“ primär aus einer Ansammlung von Anekdoten, die bestenfalls lose zusammenhängen. Das große Ganze erschließt sich nicht. Allerdings ist Meryl Streep dermaßen überragend, und gerade eben die Einbettung der Biographie in die Krankheitsgeschichte packt einen emotional dann doch, sodass der Film trotzdem immer interessant bleibt.

 


6,5
von 10 Kürbissen

Mamma Mia! (2008)

Regie: Phyllida Lloyd
Original-Titel: Mamma Mia!
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Musical, Komödie
IMDB-Link: Mamma Mia!


„Mamma Mia!“ ist: Ein totaler ABBA-Overload. Eine eineinhalbstündige Griechenland-Werbung. Eine hauchdünne Story. Amanda Seyfrieds Lächeln. Ein erbarmungswürdiger, aber bemüht singender Pierce Brosnan. Ein Colin Firth, der direkt vom Bridget Jones-Set nach Griechenland gekommen ist. Ein Stellan Skarsgaard gegen den Strich besetzt, was ihm zeitweise wohl auch gegen den Strich geht. Eine der wenigen Rollen, für die Meryl Streep keine Oscar-Nominierung erhalten hat. Amanda Seyfrieds strahlendes Lächeln. Die Demonstration dessen, was die Menschheit mal machen wird, wenn jemand endlich das Beamen erfunden hat – nämlich plötzlich hunderte tanzende Menschen auf einem bis dato menschenleeren Strand auftauchen lassen. Ein wirklich eindrucksvolles blaues Meer. Sex on the Beach (auch wenn darüber nur geredet wird). Singen. Tanzen. Lachen. Ein Feelgood-Movie also, in dem Probleme einfach weggesungen werden. Amanda Seyfrieds unbeschreibliches Lächeln, in das man sich sofort verliebt. Die Erfindung des Flossenmarschiertanzes (allein dafür muss der Film ins National Film Registry zur Bewahrung für Nachwelten aufgenommen werden). Dancing Queens. Malerische Kapellen auf Klippen. Verwirrte Pfarrer. Griechische Fischer. Ein Mitgrund für die Verschuldung Griechenlands, denn diese Werbeeinschaltung hat richtig Geld gekostet. Und erwähnte ich schon Amanda Seyfried, die man vom Fleck weg heiraten möchte? Singen kann sie auch noch wie keine zweite und rettet damit sogar selbst einen Pierce Brosnan aus manch aussichtsloser Lage. In Summe: Wer ABBA-Songs mag und einfach mal eineinhalb Stunden schöne Bilder und nette Songs genießen möchte, macht mit „Mamma Mia!“ nichts falsch. Manchmal habe ich auch solche Tage – und so funktioniert für mich der Film richtig gut.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 45 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


6,0
von 10 Kürbissen