Reinhard Jud

Slidin‘ – Alles bunt und wunderbar (1998)

Regie: Barbara Albert, Reinhard Jud und Michael Grimm
Original-Titel: Slidin‘ – Alles bunt und wunderbar
Erscheinungsjahr: 1998
Genre: Drama, Episodenfilm
IMDB-Link: Slidin‘ – Alles bunt und wunderbar


Ende der 90er. Das neue Millennium steht vor der Tür. Die 70er und 80er mit ihren ganzen Jugendkultur- und Protestbewegungen haben Platz gemacht für eine fatalistische Generation, die sich von Rave zu Rave und von Einkaufstempel zu Einkaufstempel treiben lässt. Alles glitzert, alles dröhnt, aber nichts ist wirklich von Bedeutung oder wird bleiben. Der Episodenfilm „Slidin‘ – Alles bunt und wunderbar“ zeigt Jugendliche, die vergessen haben, wonach sie suchen. Jeder der drei lose miteinander verbundenen Teile stammt von einem anderen Regisseur bzw. einer anderen Regisseurin: Barbara Albert, Reinhard Jud und Michael Grimm. Und auch wenn jede Episode ihre eigene Tonalität hat und ihre eigenen Figuren und Fragen, so eröffnet sich am Ende des Films dann doch der große Bogen der verschwendeten Jugend. Teil 1 folgt zwei jungen Mädchen zwischen Einkaufszentrum und Partys, für die Coolness alles ist. Nur runterspielen, was einen beschäftigt – sei es die Liebe, Freundschaft, Treue oder auch eine Vergewaltigung. Am Ende zählt die Haltung, der Schein. Teil 2 zeigt eine junge Frau und ihre Verwirrung der Gefühle. Da sie nicht so recht weiß, wie sie sich ihrem Schwarm tatsächlich annähern kann, wie sie ihn von sich überzeugen und halten kann, eskaliert sie auf einer Heimparty, indem sie gnadenlos jeden Mann anmacht, der ihr begegnet. Hier wird Sexualität instrumentalisiert, um Aufmerksamkeit zu erregen. Teil 3 schließlich, die für mich beste und stimmigste Episode, zeigt zwei Gruppen von Jugendlichen, die sich zufälligerweise auf der Straße begegnen, als sie auf dem Weg zu einem Fest sind. Die Autos durchmischen sich auf einer Tankstelle, eines der beiden Autos bleibt dann – übermütig gelenkt – in einem Graben liegen, die andere Gruppe macht sich auf den Weg in das nächste Dorf, um im dortigen Gasthaus jemanden zu suchen, der das Auto aus dem Graben ziehen kann. Dort mischen sich dann die Jugendlichen aus dem Dorf mit den feierwütigen Ausflüglern, und schnell entwickelt sich eine ganz eigene Dynamik, die schonungslos eine nihilistische Grundhaltung aufzeigt. Jeder ist sich selbst am nächsten. Freundschaften und selbst Beziehungen funktionieren nur so lange, bis sich etwas Anderes, Interessanteres auftut. Das alles wirkt sehr stimmig und zu keinem Zeitpunkt überzeichnet. So gesehen ist „Slidin‘ – Alles bunt und wunderbar“ gleichzeitig eine Abrechnung mit einer Generation, der alles egal scheint, und eine ehrliche und schonungslose Dokumentation der verwirrenden Zeit zwischen Pubertät und Erwachsenenleben.


7,5
von 10 Kürbissen