Ridley Scott

Gladiator (2000)

Regie: Ridley Scott
Original-Titel: Gladiator
Erscheinungsjahr: 2000
Genre: Historienfilm, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Gladiator


Schlanke 20 Jahre ist es her, dass Ridley Scott mit „Gladiator“ den guten alten Sandalenfilm aus der Mottenkiste herausgeholte und Russell Crowe als Tribun Maximus Decimus aufstieg. Und siehe da: Für ein gutes Geschnetzeltes ist das Filmpublikum in jeder Dekade zu haben. Die Story sollte hinlänglich bekannt sein, aber für alle, die die letzten zwei Jahrzehnte im Tiefkühlfach gelegen sind, hier eine kurze Zusammenfassung: Gefeierter Tribun wird Kaiser-Emporkömmling zu mächtig, also lässt er den kurzerhand verschwinden und dessen Familie feig meucheln. Doch der Tribun, der als Sklave in einer Gladiatorenschule unterkommt, zieht als Gladiator wie ein Bumerang wieder zurück nach Rom und verdrischt dem Kaiser-Emporkömmling fest den Arsch. Das Ende ist eine glückliche Familienvereinigung unter dem Jubel von Tausenden. Was „Gladiator“ so herausragend macht, ist also weniger die Story, die recht uninspiriert auf dem Reißbrett entworfen worden scheint, als vielmehr die Umsetzung. Während das Kino der 90er gerne mal ein bisschen verkopft, vertrackt und desillusioniert war, setzte Ridley Scott mit seinem 2,5 Stunden langen Film einen epischen Kontrapunkt: Kino, größer als das Leben selbst, ein Schinken in der Tradition von „Ben Hur“, „Spartacus“, Cleopatra und all die anderen Monumentalschinken der goldenen Ära von Hollywood. So ein Unterfangen ist wie ein All-In beim Poker: Entweder gewinnst du damit den Schaß, oder das Publikum rümpft angesichts der Rückwärtsgewandtheit die Nase, und du bist weg vom Tisch. Ridley Scott und sein Team haben aber alles richtig gemacht. Und „Gladiator“ ist heute zurecht ein moderner Klassiker, der aus der Filmgeschichte nicht mehr wegzudenken ist. Große Gefühle, große Schlachten, große Gesten, und ein Ende, bei dem ich selbst nach der zehnten Sichtung immer noch schlucken muss. Vielleicht einer der besten Filme aller Zeiten.


9,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2000 – Dreamworks LLC & Universal Pictures, Quelle imdb.com)

Blade Runner (1982)

Regie: Ridley Scott
Original-Titel: Blade Runner
Erscheinungsjahr: 1982
Genre: Science Fiction
IMDB-Link: Blade Runner


Träumen Androiden von elektrischen Schafen? Diese Frage stellte sich einst der Sci-Fi-Visionär Philip K. Dick und lieferte damit die Vorlage für einen der einflussreichsten Filme aller Zeiten. Und dabei floppte Ridley Scotts „Blade Runner“ mit Harrison Ford in der Hauptrolle erst einmal ordentlich an den Kinokassen. Erst in späteren Jahren wurde der Film wiederentdeckt. Heute gilt er als einer der Wegbereiter moderner Science Fiction. Ich selbst kann mich an meine erste Sichtung noch erinnern, als wäre es gestern gewesen. Ich war ein Schüler, lag zuhause in meinem Bett und zappte durchs Spätabendprogramm (ja, damals machte man das noch, dieses „zappen“). Und da lief dieser düstere Science Fiction-Streifen, den ich noch nicht kannte. Und weil der Film in der Fernsehzeitschrift gut bewertet war und ich Harrison Ford mochte, blieb ich hängen. Es dauerte ungefähr drei Minuten, und dann war die lebenslange Beziehung von mir und dem Film besiegelt. Wenn ich einen einzigen Film auswählen müsste, den ich bis ans Ende meiner Tage sehen dürfte, dann wäre es mit Sicherheit dieser. Auf das Nacherzählen der Story verzichte ich an dieser Stelle – man kann diese gerne selbst ergoogeln, wenn man den Film noch nicht kennen sollte. Lieber beschäftige ich mich damit, warum mich dieser Film so unglaublich packt – und das jedes Mal, wenn ich ihn sehe. Es ist das unglaublich düstere Film Noir-Setting – ein dystopisches Los Angeles im Dauerregen, auf Fahrrädern huschen vermummte Gestalten durch den Regen, man spricht Englisch und Chinesisch, die Stadt wirkt so, als hätte man längst aufgegeben, an eine Zukunft zu glauben und macht daher einfach weiter, weiter, weiter. Es ist die ambivalente Figur des Rick Deckard (Harrison Ford), der im Dauerregen und durch seinen Job zu einem Zyniker geworden ist, aber man spürt als Zuseher, dass er eine der wenigen Figuren ist, um die es noch nicht hoffnungslos steht. Es ist diese überraschende Liebesgeschichte und die Motivation dahinter – Liebe aus Verzweiflung, vielleicht gibt es auch gar keine stärkere Liebe. Es ist die Tatsache, dass die Bösen zwar Böses tun, aber man mit Fortdauer des Films immer mehr ihre Motivation begreift und ihre Ängste und ihre Verletzlichkeit, und die Grenzen zwischen richtig und falsch zu verschwimmen beginnen. Es ist die episch-trostlose Musik von Vangelis, die sich wie ein eigener Charakter tief einbrennt und, wenn man sie zum ersten Mal gehört hat, den Hörer den Rest seines Lebens im Unterbewussten begleiten wird. Es ist Rutger Hauers unfassbarer Schlussmonolog, der Filmgeschichte geschrieben hat, und am Ende einer trostlosen Tour de Force durch die schleichende Apokalypse wie ein funkelnder Diamant im Dunkeln steht. Und es ist die Tatsache, dass am Ende dieser zwei Stunden die Ambivalenzen nicht aufgelöst werden und man in weiterer Folge gedanklich immer wieder zurückkehrt zu diesem Meisterwerk und den Fragen, die es aufgeworfen hat. Ein Film für die Ewigkeit.


10
von 10 Kürbissen

Alles Geld der Welt (2017)

Regie: Ridley Scott
Original-Titel: All the Money in the World
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Biopic, Krimi, Historienfilm, Thriller
IMDB-Link: All the Money in the World


Ridley Scott ist einer meiner persönlichen Säulenheiligen des Filmschaffens. Mit „Blade Runner“ hat er meinen absoluten Lieblingsfilm gedreht. Mit „Thelma & Louise“, „Gladiator“ und „Alien“ drei weitere absolute Meisterwerke, die ganze Genres begründet oder neu definiert haben. Dazu kommen Filme wie „Königreich der Himmel“, „White Squall“, „Ein gutes Jahr“ oder „Der Marsianer“ – Filme, die ich ebenfalls sehr mag und unheimlich gerne sehe, auch wenn sie vielleicht geringfügige Schwächen aufweisen. Um es kurz zu machen: Der Mann kann wirklich etwas und zählt wohl zu den einflussreichsten Regisseuren der letzten fünfzig Jahre. Sein neuestes Werk „All the Money in the World“ beschäftigt sich nun mit der Entführung von Paul Getty III (Charlie Plummer), dem Enkelsohn des damals reichsten Mannes der Welt (bzw. sogar der Geschichte, da er der erste Milliardär überhaupt war), J. P. Getty (Christopher Plummer). 1973 wird Paul Getty in Rom entführt. Die Lösegeldforderung: 17 Millionen Dollar. Peanuts für einen Getty. Dieser allerdings hockt so sehr auf seinem Geld, dass Dagobert Duck daneben wie der freigiebigste Philanthrop aller Zeiten wirkt. „Ich habe vierzehn Enkelkinder. Würde ich nur einen Penny bezahlen, hätte ich bald vierzehn entführte Enkelkinder.“ So sein Statement vor der Presse, obwohl Paul zu seinen Lieblingen zählt. Pauls Mutter Gail (Michelle Williams), geschieden von ihrem im Drogensumpf versunkenen Getty, hat selbst kein Geld. Und das Verhältnis zum Alten ist – gelinde gesagt – kühl. Dieser engagiert zumindest den ehemaligen Geheimagenten Fletcher Chase (Mark Wahlberg), einem Meister der Verhandlungen. Dieser soll Gail zur Seite stehen und den Jungen raushauen. Eine fatale Fehleinschätzung führt aber dazu, dass sich die Lage dramatisch zuspitzt. Der Stoff von „All the Money in the World“ verspricht Spannung und große Emotionen. Was der Film allerdings nicht bietet, sind Spannung und große Emotionen. Es ist fast schon erschütternd in Anbetracht von Scotts Œuvre, wie belanglos der Film vor sich hin plätschert und dabei auch noch massive Schwierigkeiten offenbart, einen eigenen Rhythmus zu entwickeln. Die kalte, aalglatte Welt der Superreichen wirkt sich negativ auf den Film aus, an dem die an sich dramatische Geschichte abperlt wie von Teflon. Christopher Plummer mit einigen wenigen guten Szenen kann auch nicht mehr viel retten. Vor allem nicht, wenn er neben einem Mark Wahlberg spielen muss, der sich mit einem einzigen Gesichtsausdruck, nämlich gelangweilt, durch die über zwei Stunden schummelt. Wahlberg war großartig in „The Departed“, aber die dortige Rolle darf wohl als einmalige Sternstunde zu den Akten gelegt werden. Michelle Williams bemüht sich nach Kräften, aber auch ihr wird nicht viel Raum gelassen für Emotionen. Und so ist „All the Money in the World“ leider als ein Tiefpunkt in Ridley Scotts Schaffen zu bezeichnen: Unrhythmisch, dramaturgisch schwach und schlicht langweilig. Ein paar gute Szenen, in denen Scott zeigt, dass er es eigentlich doch könnte (Stichwort: Ohr), retten dem Film noch magere vier Pünktchen in der Bewertung.


4,0
von 10 Kürbissen