Rob Marshall

Mary Poppins‘ Rückkehr (2018)

Regie: Rob Marshall
Original-Titel: Mary Poppins Returns
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Fantasy, Komödie
IMDB-Link: Mary Poppins Returns


Wer liebt sie nicht, Mary Poppins, die von Julie Andrews verkörperte Super-Nanny mit dem kleinen Extra? Ich sage euch jetzt ein Wort, und wetten, ihr müsst jetzt alle gleich los summen? Also? Eins, zwei drei: Supercalifragilistischexpialigetisch! Dieses Wort klingt durch und durch / furchtbar, weil synthetisch. Wer es laut genug aufsagt / scheint klug und fast prophetisch. Na, was ist? Alle dabei! Jedenfalls war ich mir ziemlich sicher, dass sich das Publikum im Saal, das sich für Rob Marshalls Fortsetzung „Mary Poppins‘ Rückkehr“ eingefunden hat, hier problemlos hätte mitsingen können. Dementsprechend groß war die Vorfreude. Aber wie das halt so ist, mit großer Vorfreude, oft folgt darauf dann eben auch eine Ernüchterung. Und was kann ich sagen? Eigentlich macht Rob Marshall mit seinem Film nicht viel falsch. Emily Blunt ist eine entzückende Mary Poppins, die Julie Andrews fast vergessen lässt. Der stets verpeilt wirkende Ben Whishaw spielt voller Herz und Seele. Lin-Manuel Miranda pfeift als Jack sympathisch von allen Laternenpfählen. Die große Meryl Streep hat einen denkwürdigen Kurzauftritt. Emily Mortimer darf ihre Bruchlandung in „Spectral“ vergessen machen lassen. Julie Walters als Haushälterin spielt wunderbar resolut, und selbst die Kinder sind gut gecastet. Dazu kommen liebevoll gestaltete Ausstattung und Kostüme, es gibt wieder die großen Show- und Tanzeinlagen und eine Zeichentricksequenz. Aber irgendwie hat man ständig das Gefühl, all das im ersten Mary Poppins-Film von 1964 schon mal gesehen zu haben. Zudem bleibt kein Song wirklich im Ohr. Alles ganz sympathisch gemacht und nett anzusehen, aber dem Film fehlt die eigene Note (und das im doppelten, nämlich auch wortwörtlichen Sinn). So ist „Mary Poppins‘ Rückkehr“ eher ein Remake des alten Mary Poppins-Film, nur mit schlechteren Songs. Für zwei Stunden Eskapismus in Zuckerlrosa reicht es aus, aber als Meilenstein wird der Film nicht in die Filmgeschichte eingehen.


5,5
von 10 Kürbissen

Nine (2009)

Regie: Rob Marshall
Original-Titel: Nine
Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Liebesfilm, Musical
IMDB-Link: Nine


Daniel Day-Lewis ist die männliche Meryl Streep. Gewaltig, unantastbar, immer grandios und allein die Ankündigung eines neuen Films geht einher mit einer sicheren Oscar-Nominierung. Dass Meryl Streep 2008 plötzlich auch noch damit anfing, in einem Musical („Mamma Mia“) mitzusingen und zu -tanzen, konnte Daniel Day-Lewis nicht auf sich sitzen lassen und ließ sich für die Musical-Verfilmung „Nine“ von Rob Marshall verpflichten. Darin spielt, singt und tanzt er Guido Contini, einen gefeierten Filmregisseur der 60er Jahre, der aber nun zu Beginn der Produktion seines neuesten Films mit dem großspurigen Titel „Italia“ in einer veritablen Schaffens- und Lebenskrise steckt (Assoziationen zu Fellini kommen nicht von Ungefähr). Was er zu viel in seinem Leben hat: Frauen. (Marion Cotillard. Nicole Kidman. Penélope Cruz. Kate Hudson. Fergie. Judi Dench als mütterliche Kostümschneiderin. La Grande Sophia Loren als tote Mutter. Völlig nachvollziehbar, dass es einem das Oberstübchen da ein bisschen durcheinanderwürfelt zwischen Libido und Mutterkomplexen.) Was er zu wenig hat: Inspiration. Auch die Flucht in einen entlegenen Kurort hilft nicht, denn wenn Guido Contini nicht zum Filmdreh kommt, dann kommt der Filmdreh eben zu ihm. Und im Grunde ist das auch schon die ganze Geschichte. Das ist leider ein bisschen gar wenig, was meine Freude am Spektakel schon mal trübt. Dann: Die Musik. Von einem Musical sollte man eigentlich erwarten, dass zumindest der eine oder andere Song des Soundtracks im Ohr hängenbleibt. Fehlanzeige, jedenfalls bei mir (wobei ich zugeben muss, dass ich kein sonderlich Musical-trainiertes Ohr besitze). In „Nine“ klingen für mich alle Nummern gleich. Sie werden nur von unterschiedlichen Frauen vorgetragen, die sich dazu in enge Kostüme zwängen, die ihre prachtvollen Oberweiten dem Zuseher ins Gesicht drücken, während sie sich lasziv auf Bühnen räkeln (dass auch die Dame Judi Dench davon betroffen ist, erhöht den Fremdschämfaktor zusätzlich) – so ist das zwar (aus männlicher Perspektive) zwar recht ästhetisch anzusehen, aber was soll man sagen angesichts dieser Zurschaustellung sekundärer Geschlechtsmerkmale, die nicht unbedingt was zum Inhalt beitragen? Für einen Unterhaltungsfilm ist es zu viel, für einen Porno zu wenig. Es sieht ein wenig so aus, als wollte sich Rob Marshall mit dem Film einen feuchten Traum erfüllen und wäre gerade mal so im letzten Augenblick von seinen Cuttern auf FSK16 hinuntergebremst worden. Daniel Day-Lewis bemüht sich, seinem Contini so etwas wie Tiefe zu geben, und er ist auch wieder gut in dem, was er tut, auch Penélope Cruz und Marion Cotillard kann man keinen Vorwurf machen, aber die guten schauspielerischen Leistungen und mancher Schauwert retten den Film trotzdem nicht davor, phasenweise peinlich und meistens langweilig zu sein.


4,5
von 10 Kürbissen