Robert Siodmak

Unter Verdacht (1944)

Regie: Robert Siodmak
Original-Titel: The Suspect
Erscheinungsjahr: 1944
Genre: Thriller, Drama, Krimi, Liebesfilm
IMDB-Link: The Suspect


London um die Jahrhundertwende. Gentlemen wie Philip Marshall (Charles Laughton) haben es nicht einfach. Einerseits erfüllen sie mit ihrem höflichen Gehabe perfekt die Anforderungen ihrer Zeit, auf der anderen Seite hingegen führen diese oft zu privaten Zwängen, die einem das Leben arg erschweren – vor allem, wenn man unglücklich mit seiner Ehe ist und sich in ein junges Mädel (Ella Raines) verschaut. Die Ehegattin ist ebenfalls kreuzunglücklich und in den Jahren äußerst gehässig geworden, doch allein schon der Vorschlag einer Scheidung ist für sie ein Affront, der auf das Entschiedenste zurückgewiesen wird. ‚Bis dass der Tod uns scheidet‘, heißt es in der Bibel. Also gut, da kann Philip Marshall nachhelfen, und dem frischen Glück steht nichts mehr im Wege – außer einem besonders neugierigen Inspektor und dem versoffenen und bestechlichen Nachbarn. Und so zieht sich die Schlinge enger und enger um den stattlichen Hals des höflichen Tabakwarenverkäufers. „Unter Verdacht“ von Robert Siodmak ist ein Meisterstück herausragender Schauspielkunst. Die Leistung von Charles Laughton kann man ohne Übertreibung als phänomenal bezeichnen – man fiebert mit dem armen Tor, der wider seine Natur zum Mörder wurde, auf das Herzlichste mit. Gleichzeitig versteht es Robert Siodmak, subtil die Spannung anzuziehen. Die düstere Stimmung eines nebligen Londons der Jahrhundertwende untermalt das Geschehen perfekt, wirklich jede Einstellung ist gelungen und zeugt von technisch höchster Fertigkeit. Der Mix aus Krimi, Liebesgeschichte und Moralstück ist ausgewogen dosiert, da ist gefühlt kein Gramm Fett am Gerüst des Films, und dennoch wirkt er zu keinem Zeitpunkt gehetzt. „Unter Verdacht“ ist ein zeitloser Klassiker, der heute noch so gut funktioniert wie vor acht Jahrzehnten. Ein Film für die Ewigkeit.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Zeuge gesucht (1944)

Regie: Robert Siodmak
Original-Titel: Phantom Lady
Erscheinungsjahr: 1944
Genre: Thriller, Krimi
IMDB-Link: Phantom Lady


Ein Thema zieht sich beim Film Noir durch: Die Handlung wird häufig durch Ehezwistigkeiten in Gang gesetzt – oft sehr zum Schaden der Ehepartnerin, die dann tot auf dem Diwan liegt, während der Gatte Hals über Kopf die Flucht ergreift. Das ist auch das Thema von „Zeuge gesucht“, dem ersten einer Reihe von Film Noirs, die Robert Siodmak für Universal drehte. In diesem Fall gelingt die Flucht nicht, und der Göttergatte (Alan Curtis) sitzt bald ein. Sein Alibi, dass er nach einem Ehestreit in einer Bar eine mysteriöse Frau aufgerissen hat, von der er nicht einmal mehr den Namen weiß, und den Abend mit ihr verbracht hat, glaubt ihm niemand – mit Ausnahme seiner Mitarbeiterin Carol „Kansas“ Richman (Ella Raines), die sich mit detektivischem Spürsinn an die Arbeit macht, ihren Chef zu entlasten und die unbekannte Dame, die als einzige das Alibi bezeugen kann, zu finden. Ihr zur Seite stehen ein Polizist und der Freund des Verdächtigen, der eigens seine Südamerika-Reise unterbrochen hat, um zu helfen. Etwas boshaft gesagt könnte man meinen, dass Alan Curtis am schwersten an seiner Rolle zu tragen hat, muss er doch in jeder Szene ungefähr 15 Kilogramm Pomade auf seinem Kopf stemmen. Aber es ist Ella Raines, die die Show rockt. Das ist dann auch der erfrischende Aspekt an „Zeuge gesucht“ – die Handlung wird von der jungen Dame mit eisernem Willen und Köpfchen in Gang gesetzt, und auch wenn sie sich gegen Ende hin wieder in klassischen Klischees verlieren muss, die man Frauen jener Zeit so zugedacht hat, behält sie zumindest für den größten Teil des Films die Hosen an. Was hier nicht mithalten kann, ist die Logik bzw. Unlogik der Handlung. Die ist mit Brachialgewalt auf schauderhafte Plot-Twists gebürstet. Allzu intensiv nachdenken sollte man darüber nicht. Wenn man sich aber darauf einlässt, dann kann man zumindest eine couragierte Leistung von Ella Raines sowie eine hintergründig kontrollierte Darbietung von Franchot Tone als Freund und einige hübsche Spannungsmomente genießen.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Universal Pictures/Photofest – © Universal Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Rächer der Unterwelt (1946)

Regie: Robert Siodmak
Original-Titel: The Killers
Erscheinungsjahr: 1946
Genre: Thriller, Krimi
IMDB-Link: The Killers


„Rächer der Unterwelt“, auch bekannt als „Die Killer“, begründete Robert Siodmaks Ruf als exzellenten Regisseur für dramatische Thriller. Und das zurecht. Denn der finstere Film Noir ist spannend und wendungsreich inszeniert, ohne aber die Geduld der Zuseher mit übertriebenen deus ex machina-Momenten zu sehr zu strapazieren. Der Film beginnt mit einer brillanten Szene, als zwei dubiose Gestalten, die sich schon bald höflich als Killer vorstellen, recht nonchalant ein Diner übernehmen, um hier auf „den Schweden“ zu warten, mit dem sie offensichtlich eine Rechnung offen haben. Diese Szene hätte ein Tarantino auch nicht viel besser hinbekommen beziehungsweise würde es mich nicht überraschen, wenn Tarantino ein Bewunderer dieser Szene wäre. Nun, der Schwede ist bald tatsächlich Geschichte, doch sein letzter Wille, mit dem er sein Erspartes einem Zimmermädchen eines Hotels vermacht, gibt dem Versicherungsdetektiv Jim Reardon (Edmond O’Brien) Rätsel auf. Er taucht tief ein in die Vergangenheit des Schwedens, seinen Anfängen als Boxer, seiner Liaison zur mysteriösen Barsängerin Kitty Collins und den Geheimnissen, die nach und nach an die Oberfläche kommen. Der Schwede und seine Kitty werden von niemand Geringerem gespielt als den (späteren) Weltstars Burt Lancaster und Ava Gardner, die damals an den Anfängen ihrer Karrieren standen. Und die mit „Rächer der Unterwelt“ ihren Filmographien schon früh ein Meisterwerk hinzufügen konnten. Wer nur einen einzigen Film Noir in seinem Leben gesehen haben möchte, der kann ruhig zu „Rächer der Unterwelt“ greifen. Die Herausgeber von „1001 Filme, die Sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist“ sehen das ähnlich und haben den düsteren Krimi in ihre Liste mit aufgenommen.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)