Rom-Com

Sabrina (1954)

Regie: Billy Wilder
Original-Titel: Sabrina
Erscheinungsjahr: 1954
Genre: Liebesfilm, Drama, Rom-Com
IMDB-Link: Sabrina


Bert Brecht hat es im Moritat von Mackie Messer in seiner Dreigroschenoper auf den Punkt gebracht: „Denn die einen sind im Dunkeln / Und die andern sind im Licht. / Und man sieht die im Lichte / Die im Dunkeln sieht man nicht.“ Während Terrasse und Haus der Industriellenfamilie Larrabee hell beleuchtet ist für Cocktailpartys und Empfänge, bleibt die Garage, über der die Chauffeurstochter Sabrina (Audrey Hepburn) wohnt, dunkel, und sie selbst versteckt sich im Baum, um einen Blick auf den geliebten Erben, Lebemann und Nichtsnutz David Larrabee (William Holden) zu erhaschen. Überflüssig zu sagen, dass David ihre Gefühle nicht erwidert, sie nicht einmal richtig wahrnimmt. So geht Sabrina nach Paris, um kochen zu lernen, und als sie zwei Jahre später zurück in die Heimat kommt, bringt sie ein bisschen französisches Flair und Pariser Eleganz in die Bude, sodass auch David nur noch mit den Ohren wackeln kann und sich sofort in die junge Schöne verguckt. Blöd nur, dass schon die Hochzeit mit der Magnatentochter Elizabeth (Marthy Hyer) arrangiert ist. Es wäre die vierte des David Larrabee. Sein Bruder Linus (Humphrey Bogart) beobachtet die sich entwickelnde Romanze kritisch, denn mit Elizabeth kommen zwanzig Millionen Dollar Aussteuer und der wichtigste Zulieferer zum neuen Geschäftszweig der Plastik-Produktion. Also beschließt Linus, in die Beziehung von Sabrina und David einzugreifen – mit allerlei verschlagenen Mitteln, denn als trockener Geschäftsmann steht er auf dem Standpunkt, dass der Zweck die Mittel heiligt. „Sabrina“ von Billy Wilder ist eine temporeich inszenierte Liebesgeschichte, die durchaus gegen Konventionen und Erwartungen läuft und gerade darin die größten Stärken wie Schwächen gleichermaßen hat. Denn während der Film auf eine Verbindung von Sabrina und David und die Läuterung des Lebemanns hinarbeitet, entwickelt sich die eigentliche Liebesgeschichte fast beiläufig und im Hintergrund, sodass das Ende irgendwie nicht ganz stimmig wirkt. Aber sei’s drum. Denn niemand kann so charmant schauen wie Audrey Hepburn, und niemand trägt einen Hut so lächerlich und stilvoll gleichermaßen wie Humphrey Bogart, und niemand kann sich amüsanter zum Deppen machen, wenn er sich auf ein Sektglas setzt, als William Holden, und niemand hatte ein besseres Gespür für komödiantisches Timing als Billy Wilder, und damit macht der Film auch heute noch Spaß.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by MPTV – © 1954 Paramount, Quelle http://www.imdb.com)

Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga (2020)

Regie: David Dobkin
Original-Titel: Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Komödie, Musikfilm, Satire, Rom-Com
IMDB-Link: Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga


Will Ferrell kann ganz schön anstrengend sein. Die stoischen Kindsköpfe, die er stets zu spielen pflegt, haben sich halt mittlerweile abgenutzt, und man könnte meinen, dass er ein One-Trick-Pony ist. Für das wunderbare „Stranger Than Fiction“ war er perfekt, aber der Film liegt halt auch schon wieder 14 Jahre zurück. Und nun spielt er in „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“ einen isländischen Popmusiker, der mit seiner Partnerin Sigrid (Rachel McAdams) beim Eurovision Song Contest groß rauskommen möchte. Sein einziger Lebenstraum: Dort zu triumphieren. Was nach einem sicheren Weg ins filmische Desaster klingt, nämlich die Parodie auf eine Parodieveranstaltung mit dem stoischen Kindskopf Will Ferrell in der Hauptrolle, entpuppt sich überraschend als recht charmante Hommage an einen Wettbewerb, den keiner ernst nehmen kann und der gerade deshalb so großartig und wichtig ist. Die musikalischen Beiträge und deren Interpreten sind auf dem Punkt. Jeder einzelne von ihnen könnte im echten Eurovision Song Contest auftreten. Und so lächerlich die Veranstaltung per se auch ist, sie wird von David Dobkins Film nicht lächerlich gemacht. Da merkt man, dass die Macher mit sehr viel Liebe ans Werk gegangen sind. Und plötzlich ist auch Will Ferrell wieder erträglich, und die Musik plötzlich bei aller Absurdität gar nicht so schlecht und das Leben irgendwie schön und bunt. Soll nichts Schlimmeres passieren als der neue Will Ferrell-Film.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by John Wilson/NETFLIX/John Wilson/NETFLIX – © 2020 Netflix, Inc., Quelle imdb.com)

Morning Glory (2010)

Regie: Roger Michell
Original-Titel: Morning Glory
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Komödie, Rom-Com
IMDB-Link: Morning Glory


Zugegeben, manchmal braucht es nicht viel für einen unterhaltsamen Filmabend. Da reichen bereits ein mürrischer Harrison Ford als unterforderter News-Journalist, der aufgrund einer Lücke in seinem Vertrag plötzlich Co-Moderator einer Morning Show werden muss, eine gut aufgelegte Diane Keaton und eine mit Verve spielende Rachel McAdams, die sichtlich Spaß daran hat, die beiden Kapazunder der cineastischen Unterhaltung herumzukommandieren. Denn McAdams spielt die junge, talentierte Producerin Becky Fuller, die die schwierige Aufgabe übernimmt, die vor sich her dümpelnde Morning Show „Daybreak“ vor dem Ende zu bewahren. Auftritt Harrison Ford als grantelnder Journalist Mike Pomeroy, der auch schon bessere Zeiten erlebt hat. Und natürlich kommt es, wie es kommen muss – man kennt ja diese Art von Komödie: Nach anfänglichen Schwierigkeiten findet das unwahrscheinliche Gespann dann doch irgendwann mal auf den richtigen Pfad. Originell ist das nicht. Aber mit so viel Tempo, Witz und guter Laune erzählt, dass die Zeit definitiv nie vergeudet scheint. Und wenn dann der biedere Wetterfrosch im Neukonzept der Jung-Producerin plötzlich dazu missbraucht wird, wilde Achterbahnfahrten und Kunstflüge mitzumachen, gelingen Roger Michell mitunter die lustigsten Szenen, die ich seit langem gesehen habe. Zwischendurch schlapft auch noch Jeff Goldblum als Chef des Fernsehsenders sehr jeffgoldblumig durch die Szenerie, und Patrick Wilson darf den (vergessenswerten) Love Interest mimen, aber das gerät dann fast schon zur Nebensächlichkeit. Der Film lebt davon, wie Rachel McAdams auf sehr entzückende Weise ihren Co-Cast aufmischt und Leben in die angestaubte Bude bringt. Und das ist wirklich sehr unterhaltsam.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Hannah und ihre Schwestern (1986)

Regie: Woody Allen
Original-Titel: Hannah and Her Sisters
Erscheinungsjahr: 1986
Genre: Komödie, Rom-Com
IMDB-Link: Hannah and Her Sisters


Irgendwie fühlen sich alle Woody Allen ja ziemlich gleich an. Das Grundrezept besteht aus Jazz, Spaziergängen und neurotischen Menschen. „Hannah und ihre Schwestern“ aus dem Jahr 1986, dreifach Oscar-geadelt (Dianne Wiest, Michael Caine und Woody Allen für das beste Script) ist hierbei keine Ausnahme. In der Tonalität ist der Film allerdings ein wenig gesetzter, nicht direkt melancholisch, aber mit leiseren Zwischentönen, die der Geschichte rund um der farblosen Hannah (Mia Farrow), die es allen Recht machen möchte und dabei übersieht, dass ihr Umfeld aus den Fugen gerät, und ihrer beiden Schwestern Holly (Dianne Wiest) und Lee (Barbara Hershey), gut tun. Hannah scheint zunächst jene Schwester zu sein, die ihr Leben noch am besten in den Griff bekommen hat. Allerdings fängt ihr Mann (Michael Caine) eine Affäre mit ihrer eigenen Schwester Lee an. Und auch der Ex-Mann (Woody Allen) ist keine Stütze – der nervöse Hypochonder sieht sich schon mit einem Gehirntumor konfrontiert, der ihn in eine tiefe Sinnkrise stürzt. Und Hannahs Schwester Holly hat mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen – mit Zurückweisungen, die sie als angehende Schauspielerin erfährt, und der Tatsache, dass ihre beste Freundin April (Carrie Fisher), mit der sie zudem einen Catering-Service betreibt, bei den interessanten Männern besser ankommt. Eigentlich fällt es schwer, in Woody Allens Film einen roten Faden zu finden, denn jede Figur hat so ihre Probleme und jede bekommt genügend Screentime, um diese auch vor den Zusehern auszubreiten. Das alles ist allerdings charmant von tollen Schauspielern und einem Script, das dennoch eine gewisse Grundordnung bewahrt, zusammengehalten und ist kurzweilig anzusehen. Am Ende sind – wie bei vielen Woody Allen-Filmen – die Figuren nur unmerklich von ihrer Ausgangsposition zu Beginn des Films entfernt, aber das kleine Stück Weg, das sie dank ihrer Erkenntnisse zurückgelegt haben, kann eine ganz neue Welt bedeuten.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc., Quelle: imdb.com)

Liebe braucht keine Ferien (2006)

Regie: Nancy Meyers
Original-Titel: The Holiday
Erscheinungsjahr: 2006
Genre: Rom-Com, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: The Holiday


Wir müssen über Jack Black reden. Ich mag ihn. Er ist witzig, selbstironisch, ein großartiger Musiker, war toll in „School of Rock“, passte überraschend gut in Peter Jacksons „King Kong“, und das Re-Boot von „Jumanji“ wäre ohne ihn auch nur halb so lustig. Aber was zum Geier dachten sich die Casting-Agenten von „Liebe braucht keine Ferien“, als sie ihn als Love Interest von Kate Winslet besetzten? Mir tut der Mann ehrlich leid. Er bemüht sich nach Kräften, aber er ist eben der lustige Kumpel-Typ, und nicht jener, der von den heißesten Frauen des Universums angeschmachtet werden. Dazu wird er von der unfassbar talentierten Kate Winslet gnadenlos an die Wand gespielt. Und genau deshalb funktioniert „Liebe braucht keine Ferien“ von Nancy Meyers nur bedingt. Rundum gut sind sie Szenen mit Cameron Diaz und Jude Law, die wirklich eine gute Chemie miteinander haben. Die amerikanische Schnepfe, die im britischen Landhaus den charismatischen Dandy verfällt, der sich in weiterer Folge als überraschend facettenreich herausstellt, wird von Diaz gut verkörpert, das ist stimmig. Über Kate Winslet, die Britin, die mit der Amerikanerin über die Weihnachtsferien Häuser getauscht hat und nun in L.A. zwischen Musikproduzenten und gefeierten Drehbuchautoren ein bisschen quirky britishness einbringt, muss man ohnehin nicht viele Worte verlieren. Ich halte sie für eine der talentiertesten Schauspielerinnen überhaupt – sie kann einfach nicht schlecht spielen. Bleibt also Jack Black. Und da donnert’s die Bewertung für den an sich sympathischen, witzigen und größtenteils gelungenen Film um mindestens einen ganzen Kürbis, wenn nicht mehr, nach unten. Jack Blacks Auftritt hat seiner Karriere zum Glück nicht groß geschadet. Dem Film aber schon.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich (2019)

Regie: Jonathan Levine
Original-Titel: Long Shot
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Rom-Com, Satire, Komödie
IMDB-Link: Long Shot


Seth Rogen und Charlize Theron sind per se schon mal ein sehr unwahrscheinliches Leinwandpaar. Er: der verpeilte Brachialkomiker; sie: die elegante Dame mit Stil. „Long Shot“ von Jonathan Levine bringt nun diese beiden sehr unterschiedlichen Charaktere zusammen und würzt die ohnehin schon schräge Prämisse mit entgegengesetzten Berufen und Idealen: Fred Flarsky ist ein wütender (und arbeitsloser) Investigativjournalist mit Tendenz zum Slacker, Charlotte Field die Secretary of State und künftige Präsidentschaftskandidatin. Wer aus dieser Konstellation nun derben Slapstick erwartet, hat die Rechnung ohne dem Drehbuchduo Liz Hannah und Dan Sterling, ohne Regisseur Levine und vor allem ohne Seth Rogen gemacht. Dem haftet ja noch immer der Ruf an, hauptsächlich Kindereien zu fabrizieren. Dabei geht es ihm wie den meisten der Riege rund um Judd Apatow. Man vergisst, dass beispielsweise Steve Carell und Jonah Hill (dieser sogar zweifach) oscarnominiert waren für ihre darstellerischen Leistungen. Und dass Seth Rogen schon großartige ernste Rollen wie in Take This Waltz oder „Steve Jobs“ gespielt hat. Der Mann kann spielen, und zwar richtig, richtig gut. Nur haben es Komödianten wie die gerade Genannten oft schwer, dieses Können unter Beweis zu stellen. In „Long Shot“ glänzt Rogen nun neben Charlize Theron, und über die Begabung der schönen Südafrikanerinnen muss man, denke ich, nicht groß diskutieren. Um es auf den Punkt zu bringen: Wer von Charlize Therons magischer Präsenz nicht an die Wand gespielt wird, hat höchsten Respekt verdient. Womit „Long Shot“ neben der tollen Chemie seiner beiden Hauptdarsteller noch aufwarten kann, ist ein satirisch überhöhtes, aber zeitgemäßes Drehbuch, das den Politbetrieb mit einigen gezielten Wirkungstreffern bearbeitet. In einer Zeit, in der eine Orange mit dem IQ einer ausgepressten Orange Bundespräsident sein kann, ist ein turbulentes Szenario, wie es in „Long Shot“ beschrieben wird, nicht undenkbar. Das sympathische Paar kämpft allein auf weiter Flur gegen Vollidioten um seine Ideale. Und so zynisch das zunächst auch anmuten mag, so weit weg von der Wahrheit ist der Film am Ende wohl gar nicht. Dass die eigentliche Rom-Com-Handlung arg vorhersehbar ist und gängigen Mustern vielleicht ein bisschen zu genau folgt, kann man dem Film angesichts seiner subtilen Stärken auch leicht verzeihen. Die 7 Kürbisse bilden derzeit das untere Limit ab, vielleicht steigt die Bewertung nach erneuter Sichtung auch noch weiter an.


7,0
von 10 Kürbissen

29 … und noch Jungfrau (2007)

Regie: Holger Haase
Original-Titel: 29 … und noch Jungfrau
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Rom-Com
IMDB-Link: 29 … und noch Jungfrau


Man darf sich das so vorstellen: Ein Abend in einer Pension in der ungarischen Einöde. Der Kürbis eures Vertrauens hat eine Rad-Tour in den Beinen (und ein gebrochenes Schlüsselbein, wie sich später herausstellen soll), ist also ziemlich müde, es regnet, und irgendwie muss man die Zeit zwischen Abendessen und Schlafenszeit überbrücken. Also Fernsehen. Doch es zeigt sich, dass nur zwei deutschsprachige Sender störungsfrei empfangen werden können: ORF 1 und ATV 2. Mehr ist nicht drinnen. Und da auf ORF 1 der schon bekannte Film Mamma Mia! läuft, lässt man sich also auf das Wagnis „29 … und noch Jungfrau“ von Holger Haase ein. Um es kurz zu machen: Mamma Mia! Was für ein Machwerk! Dieser Haase hat offenkundig keine Ahnung, wie der Hase läuft. Denn im Schatten des zwei Jahre zuvor erschienenen Kassenschlagers „Jungfrau (40), männlich, sucht …“ mit Steve Carell läuft hier die deutsche Komödie zu ihrer phänomenal schlechtesten Form auf. Seien es die grottigen Darsteller und Darstellerinnen, von denen lediglich Oliver Wnuk durch ein verpeilt-sympathisches Spiel und die bemühte, aber letztlich vom Drehbuch überrollte Anna Kubin in der Hauptrolle der ungevögelten, aber liebestollen Vic einigermaßen erträglich sind, sei es die frauenfeindliche Prämisse des Films und die konsequente Umsetzung deren in einem hundsmiserablen Drehbuch, das wirklich alle unlustigen Klischees auf die denkbar unlustigste Art und Weise zusammenpantscht, sei es die Tatsache, dass man ungelogen nach fünf Minuten bereits genau weiß, wie der Film enden wird (mein radelnder Weggefährte, der mit mir diesen Ritt durch die Abgründe des Filmschaffens gewagt hat, ist Zeuge meiner Prognose und deren Erfüllung) – hier passt einfach gar nichts. Und dabei ist der Film noch so schlecht und banal und fetzendeppert, dass man sich nicht einmal anständig darüber ärgern kann. Dann lieber fünfmal in Folge die singende Meryl Streep am Stück, bevor man sich dieses Waterloo auch nur ein einziges weiteres Mal antut.


1,5
von 10 Kürbissen

Liebe hat zwei Gesichter (1996)

Regie: Barbra Streisand
Original-Titel: The Mirror Has Two Faces
Erscheinungsjahr: 1996
Genre: Komödie, Liebesfilm, Rom-Com
IMDB-Link: The Mirror Has Two Faces


Im Grunde meines Herzens bin ich ein Romantiker. Auch bei Pornos warte ich immer darauf, dass die beiden heiraten und miteinander glücklich werden. Scheint daher einfach nicht mein Genre zu sein. Hin und wieder darf es also auch eine Herz erwärmende Rom-Com sein, und wenn die mit so intelligenten Dialogen und charmant aufspielenden Darsteller/innen wie „Liebe hat zwei Gesichtern“ gespickt ist, dann garantiert mir das schon mal einen vergnüglichen Filmabend. Mit Barbra Streisand am Ruder kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Die Dame hat einfach Niveau. Dazu kommen ein hintersinniger Wortwitz und ein Gespür für Timing. All das spielt sie in „Liebe hat zwei Gesichter“ aus. Da geht es um die intelligente, humorvolle Literaturdozentin Rose, die sich fast schon damit abgefunden hat, unverheiratet zu bleiben. Doch dann trifft sie auf ihren Universitätskollegen Gregory, gespielt von Jeff Bridges. Gregory ist Professor für Mathematik und schwer gezeichnet von seinen  früheren Beziehungen. Er entschließt sich dazu, seinem (Liebes-)Leben eine drastische Wendung zu geben: Eine Beziehung sollte nicht durch Sex oder körperliche Anziehung gestört werden. Nein, Intellekt und gemeinsame Interessen sind das Ideal, auf dem sich etwas Langfristiges aufbauen lässt. Da kommt ihm das optische Mauerblümchen Rose gerade recht. Und als er ihr, ohne sie vorher jemals auch nur geküsst zu haben, einen Antrag macht, ist sie zwar nicht begeistert – aber besser, als allein übrig zu bleiben, ist das allemal. Also wird geheiratet. Und erwartungsgemäß fangen damit die Probleme erst an. Denn die Libido lässt sich nicht einfach abschalten wie ein schlechter Porno. Das alles ist dermaßen charmant und mit solch erfrischenden Dialogen vorgetragen, dass nur arge Misanthropen mit dem Film so rein gar nichts anfangen können.


7,5
von 10 Kürbissen

May und die Liebe (2013)

Regie: Cherien Dabis
Original-Titel: May in the Summer
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Liebesfilm, Rom-Com
IMDB-Link: May in the Summer


Cherien Dabis hat eine durchaus interessante Biographie. Die palästinisch-amerikanische Regisseurin lebt im konservativen Omaha, Nebraska, ist offen bisexuell und dreht Filme, die im Nahen Osten spielen und sich auf humorvolle Weise mit Fragen der Identität und Religion auseinandersetzen. Ein kleiner Geist wie jener von Trump beispielsweise würde angesichts dieses Lebens vor lauter Widersprüchen vermutlich so schnell rotieren, dass man mit der dabei ausgestoßenen Reibungsenergie sämtliche Swimmingpools Nebraskas beheizen könnte. In „May in the Summer“ (ich halte mich dabei lieber an den charmanteren Originaltitel als an den dümmlich-einfallslosen deutschen Verleihtitel) geht es um die von Dabris selbst gespielte Schriftstellerin May, die von New York in ihre alte Heimat nach Jordanien kommt, um dort gemeinsam mit ihren beiden Schwestern die Hochzeit mit ihrem Verlobten Ziad zu organisieren. Und wie so oft in romantischen Komödien entwachsen die größten Probleme aus dem Kreis der eigenen Familie. Ihre nach wie vor in Jordanien lebende Mutter ist nämlich streng christlich und will daher die Hochzeit mit dem Moslem Ziad daher nicht gut heißen. Das geht so weit, dass sie der Hochzeit fernbleiben möchte. Dem Vater (Bill Pullman) geht es indessen nicht so gut. Er erholt sich gerade in den Händen seiner zweiten Frau, der blutjungen Anu aus Indien, von den Strapazen eines Herzinfarktes und möchte wieder Kontakt zu seinen Töchtern aufnehmen, die jedoch verständlicherweise nicht allzu gut auf ihn zu sprechen sind. Mays Schwestern schließlich haben selbst ihre eigenen Identitätskrisen zu bewältigen. Und in all das Chaos schleicht sich noch auf leisen Sohlen der charmante Touristenführer Karim, der Mays angespanntes Nervenkostüm mit unerwarteten weiteren Fragen, die sie sich nun stellen muss, strapaziert. Was nach einer leichten, luftigen und relativ belanglosen Feelgood-Komödie klingt, wird in den Händen von Cherien Dabis, die auch das Drehbuch geschrieben hat, zu einer zwar einfach zu konsumierenden, aber doch hintergründigen Angelegenheit, die nicht zwanghaft auf ein Happy End zusteuert, sondern mehr an der Entwicklung der Figuren selbst interessiert ist. Auch der Humor wird nicht mit dem Holzhammer eingeprügelt. Dieser Film will nicht dick auftragen, und das ist gut. Zwar ist das Ergebnis nicht bahnbrechend originell und immer noch eine Rom-Com, in der viele Dinge und Konflikte genregetreu stark vereinfacht ablaufen, aber der Film kann gut auf einem soliden Niveau unterhalten.


6,0
von 10 Kürbissen

The Wedding Party (2016)

Regie: Kemi Adetiba
Original-Titel: The Wedding Party
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Rom-Com
IMDB-Link: The Wedding Party


Hochzeiten bieten Gelegenheiten zu hysterischen Auszuckern. Wenn etwas schief geht am größten und bedeutendsten Tag des Lebens, kann man schon mal die Nerven wegschmeißen. Filmemacher auf der ganzen Welt wissen das natürlich und schlachten auf halblustige bis lustige Weise diesen Topos gerne in romantischen Komödien aus. So verwundert es kaum, dass ausgerechnet „The Wedding Party“ der finanziell erfolgreichste Film in Nigeria aller Zeiten wurde – bis er von „The Wedding Party 2“ abgelöst wurde. Jedem Land sein „Hinterholz 8“. Was ich persönlich spannend fand, war die Sicht auf Nigeria, ein Land, zu dem ich persönlich so gut wie keinen Bezug habe. Vor zwei Jahren habe ich mal einen nigerianischen Film gesehen, „Green-White-Green“, aber das war’s mit meinen Nigeria-Erfahrungen dann auch schon wieder. Die Geschichte in „The Wedding Party“ ist allerdings universell. Sie funktioniert mit Ausnahme von ein paar folkloristischen Details und der babylonischen Sprachverwirrung zwischen Englisch und Yoruba und dem damit einhergehenden Status-Unterschied der beiden Familien, die hier zusammenfinden, im Grunde überall gleichermaßen. Hysterische Braut, überforderter Bräutigam mit Vorgeschichte, zickige High Society-Mutter, nerviges und übertrieben mütterlich dargestelltes Land-Ei als zweite Mutter, zwei Väter, die zu schlichten versuchen – man kann nicht sagen, dass die Geschichte auch nur irgendwo mit Originalität glänzt oder auch nur ein Statement abgeben möchte. Die lustigen Szenen sind leider im besten Fall halblustig, und dafür, dass es sich um eine Komödie handeln soll, blieb mir das Schmunzeln leider immer knapp unterhalb des faden Auges hängen. Dazu kommt, dass ca. 99% der engagierten Schauspieler leider überhaupt nicht schauspielern können. Da werden dramatisch Augen aufgerissen, Hände in die Hüften gestemmt – jede Telenovela bietet dagegen Oscar-reifes Schauspiel. So ist „The Wedding Party“ leider ein recht verunglückter Film aus meiner Sicht. Ich freue mich, dass so viele Nigerianer ihren Spaß damit hatten – und wahrscheinlich spielt auch der kulturelle Unterschied da mit rein, sodass mir als europäischem Rezipient wohl viele Details, die ein Nigerianer saukomisch findet, aus Unwissenheit schlicht entgangen sind – aber empfehlenswert ist der Film leider nicht.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 7 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


3,0
von 10 Kürbissen