Ruth Mader

Struggle (2003)

Regie: Ruth Mader
Original-Titel: Struggle
Erscheinungsjahr: 2003
Genre: Drama
IMDB-Link: Struggle


Das Leben kann aus unterschiedlichen Gründen schwierig sein. Wenn man zum Beispiel arm und eine allein erziehende Mutter aus Polen ist, die sich in Österreich illegal mit knochenharten Jobs über Wasser halten muss – darunter von Hand tagein, tagaus Erdbeeren pflücken oder in einer Putenfleischfabrik schwere Kisten schleppen. Oder aber, wenn man sich von der eigenen Tochter bereits völlig entfremdet hat und immer mehr vereinsamt. Aleksandra Justa und Gottfried Breitfuß spielen die beiden sehr gegensätzlichen Figuren, die am Ende ein Stück des Weges gemeinsam gehen. Bis dahin ist man als Zuseher ganz nah dran an den Mühlen des Alltags. Man steht mit der Protagonistin auf dem Erdbeerfeld, am Fließband der Fabrik, schrubbt mit ihr den Pool, alles wortlos und eintönig. „Struggle“ ist ein entschleunigter Film. Man könnte ihn fast als meditativ bezeichnen, doch dafür fehlt etwas – die positive Erkenntnis, die sich mit der Zeit einstellt, das Gefühl, den Menschen beim Zusehen näher gekommen zu sein. Denn das ist hier definitiv nicht der Fall. Im Gegenteil: Die Langsamkeit wird quälend, je länger der Film dauert, das Schweigen baut sich auf wie eine Wand. Nein, man fühlt sich nicht herrlich entspannt wie nach einer Yoga-Übung, sondern erschöpft. Und wenn am Ende die Stille durchbrochen wird vom kindlichen Puppentheater, fühlt sich dieser kurze Moment des alltäglichen Kinderglücks an wie eine Erlösung. „Struggle“ ist österreichisches Kino par excellence. Man fühlt sich danach wie ausgekotzt. Aber es ist dennoch interessant, mit welch sparsamen Mitteln Ruth Mader die menschliche Seelenqual seziert. Und so bekommt man dann doch einen kleinen Blick auf das große Ganze. Humanistisches Kino im besten wie auch im anstrengendsten Sinne.


6,0
von 10 Kürbissen

Life Guidance (2017)

Regie: Ruth Mader
Original-Titel: Life Guidance
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Satire, Science Fiction
IMDB-Link: Life Guidance


„Das ist nicht optimal“, lautet ein Zitat in Ruth Maders dystopischer Satire „Life Guidance“. Und ja, das könnte man als Motto über den ganzen Film schreiben. Nicht optimal ist beispielsweise, dass ein Film, der in der (nicht allzu fernen) Zukunft spielen soll, sich nicht im Geringsten nach Zukunft anfühlt, nicht in Kleidung, Kulissen oder anderen Details, die man kostengünstig auf Zukunft hätte bürsten können. Nicht optimal ist auch, dass das Schauspiel der meisten Beteiligten arg hölzern wirkt und die Dialoge am Rande der Belanglosigkeit kratzen. Nicht optimal ist schließlich, dass die Kapitalismuskritik, um die es letztlich geht, auf das Publikum mit einem Vorschlaghammer eingehämmert werden, damit auch die Dümmsten es begreifen. Dass der Film zudem extrem langsam, handlungsarm und emotionslos erzählt wird und man nebenher sehr gut Einkaufslisten, Einrichtungsideen oder die nächsten Banküberweisungen planen kann, kann man auch nicht wirklich als optimal bezeichnen, obwohl ich gegen langsam erzählte Filme ja in der Regel nichts habe (siehe Satanstango). Die Story an sich ist rasch erzählt: Der Familienvater Alexander (Fritz Karl, der, falls es jemals zu einer Verfilmung von Colin Firths Leben kommen sollte, die Hauptrolle übernehmen muss) funktioniert in einem kalten, auf Optimierung ausgelegten System nicht ganz optimal, da er Gefühle zeigt, und bekommt daher eine Art „Coach“ von der Agentur Life Guidance zur Seite gestellt. Das schmeckt dem Möchtegern-Emo natürlich nicht sonderlich, und er versucht, den ungeliebten Schatten loszuwerden, wodurch er noch alles schlimmer macht (eh klar). Nach und nach versucht Alexander, sich aus dem System freizustrampeln. Seine Handlungen dabei ergeben aber nicht immer Sinn. Manches muss auch einfach nur sein, damit plakativ der Zeigefinger erhoben werden kann. Und das nervt. Sehr sogar. Leider kann man „Life Guidance“ nur als komplett misslungen bezeichnen. Die Grundidee wäre vielleicht nicht schlecht gewesen, aber die Umsetzung tut stellenweise wirklich weh.


2,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Stadtkino Filmverleih)