Satire

Planet Terror (2007)

Regie: Robert Rodriguez
Original-Titel: Grindhouse: Planet Terror
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Horror, Satire, Action
IMDB-Link: Grindhouse: Planet Terror


Wenn sich zwei hochbegabte Freunde zusammentun, um gemeinsam ein Werk zu erschaffen, kann das Resultat richtig episch werden. Im Fall von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez kamen dabei zwei Filme im Stil der alten Grindhouse-Double Features heraus, also zwei Filme im Stile von 70er-Jahre-Trashfilmen, die in billigen Absteige-Kinos im Doppelpack gezeigt wurden. Robert Rodriguez hat das Konzept für sein „Planet Terror“ mal gleich bis ins kleinste Detail übernommen – sein Film wirkt tatsächlich so, als hätte man in irgendeiner staubigen Garage noch ein paar alte Filmrollen gefunden und die mehr schlecht als recht zusammengestückelt. Allein dieses Konzept macht den Film schon sehenswert. Dazu kommt ein gut aufgelegter Cast (u.a. Josh Brolin, Rose McGowan, Michael Biehn, Marley Shelton, Bruce Willis, Michael Parks, Freddy Rodriguez und Quentin Tarantino himself), die mit sichtlich Freude Blut, Eiter und sonstige Körperflüssigkeiten verlieren oder dafür sorgen, dass ihre Gegenüber diese Flüssigkeiten verlieren. „Planet Terror“ ist ein grindiger Film auf allen Ebenen, aber gerade dadurch, dass er so komplett over the top ist, eine sehr spaßige Angelegenheit und gerade das Richtige für eine Filmparty mit Freunden, die allerdings allesamt über einen Saumagen verfügen sollten. Die Geschichte selbst? Zombies halt. Was wurscht ist, es hätten auch Marsianer sein können oder Werwölfe – Hauptsache, die Gedärme spritzen. Und damit ist meine Rezension gleichermaßen Empfehlung wie Warnung. Viel Spaß mit dem Ding!


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Mainstream (2020)

Regie: Gia Coppola
Original-Titel: Mainstream
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Komödie, Satire
IMDB-Link: Mainstream


Wenn du Coppola heißt, dann wirst du nicht Zuckerbäckerin oder Rauchfangkehrer. Dann gehst du ins Filmbusiness. Basta. So ist nun auch Francis Ford Coppola-Enkelin Gia endgültig auf den Filmfestivals dieser Welt angekommen. Ihr zweiter Langfilm „Mainstream“ fühlt sich ein bisschen wie ein Debüt an: Voller Energie und aberwitziger Regieeinfälle (manche davon gelungen, manche weniger), ein bisschen chaotisch, aber sympathisch, mit einer Botschaft, die dann doch wieder verwässert wird. Die Kellnerin Frankie (Maya Hawke, die Tochter von Uma Thurman und Ethan Hawke, wo wir bei der nächsten cineastisch beschlagenen Familie wären) trifft auf den jungen Spinner und Smartphone-Verweigerer Link (Andrew Garfield), der sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält und in den Tag hineinlebt. Fasziniert von seinen Spompernadeln lässt sie alles liegen und stehen und schließt sich seinem Joie de vivre an. Gemeinsam mit ihrem Kumpel Jake (Nat Wolff) erfinden sie die Kunstfigur No One Special, die uns Smombies den Spiegel vorhalten soll. Ein Musikvideo geht viral, und von da an nimmt das Projekt eine Dynamik auf, die Frankie, Link und Jake bald nicht mehr steuern können – vor allem, als der dubiose Agent Mark Schwartz (Jason Schwartzman) hinzustößt. Man sieht: Das ist alles ein bisschen plump und plakativ. Alle vorstellbaren Klischees und Topoi werden brav abgearbeitet. Und die eigentliche Botschaft des Films wird durch die weitere Storyline korrumpiert. Wie Frankie im Film verliert auch Gia Coppola zunehmend die Kontrolle. Ihre energiegeladene Inszenierung sorgt dennoch dafür, dass der Film kurzweilig und unterhaltsam bleibt, aber wie viel mehr hätte man da noch rausholen können!


5,5
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

Die Zahlen (2020)

Regie: Oleg Sentsov
Original-Titel: Nomery
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Satire
IMDB-Link: Nomery


Die Ukrainer sind derzeit arg gebeutelt, keine Frage. Und wie so oft in Ländern, die unter Repressalien leiden, ist die Kunst ein wichtiger Katalysator, um Dinge anzusprechen, über die sonst geschwiegen wird bzw. werden muss. So hat Oleg Sentsov mit „Die Zahlen“ ein Theaterstück geschrieben, das vorrangig als Parodie auf religiösen Fanatismus oder auch Religionen per se gesehen werden kann, indirekt aber auch mit der Obrigkeitshörigkeit und dem Streben nach Macht abrechnet. Wer da nicht an Putins Russland denkt (oder andere autoritäre Systeme), hat die vergangenen Jahrzehnte wohl verschlafen. Die Verfilmung des Theaterstücks ist nun … ein Theaterstück. Die Kulissen und das Schauspiel scheinen direkt von der Bühne in die Kamera gestopft zu sein, mit all ihren Reduktionen und Verfremdungen. Das ist zu Beginn recht gewöhnungsbedürftig, aber wenn man mal reingekommen ist, wird die Sache sehr schnell recht vergnüglich. Live-Applaus ist halt im Kinosaal unangemessen, aber ansonsten trennt nicht viel die Performance der Theaterbühne vom Zelluloid. Im Zentrum stehen die Nummern 1 bis 10, wobei Männer die ungeraden Zahlen und Frauen die geraden. Unter Regie und Aufsicht der großen 0, die über der Bühne hängt und die Fäden zieht, müssen die Zahlen gemäß Regelbuch absurde tägliche Rituale durchführen. Und was zu erwarten ist: Irgendwann regt sich Widerstand. Die Nummern 7 und 9 beginnen, die Regeln und Rituale in Frage zu stellen und streben nach einer neuen Ordnung und nach Selbstbestimmung. Besonders subtil ist „Die Zahlen“ nicht, aber wirkungsvoll und unterhaltsam. Und mal was Anderes: Ein Theaterbesuch im Rahmen der Viennale.


6,5
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga (2020)

Regie: David Dobkin
Original-Titel: Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Komödie, Musikfilm, Satire, Rom-Com
IMDB-Link: Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga


Will Ferrell kann ganz schön anstrengend sein. Die stoischen Kindsköpfe, die er stets zu spielen pflegt, haben sich halt mittlerweile abgenutzt, und man könnte meinen, dass er ein One-Trick-Pony ist. Für das wunderbare „Stranger Than Fiction“ war er perfekt, aber der Film liegt halt auch schon wieder 14 Jahre zurück. Und nun spielt er in „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“ einen isländischen Popmusiker, der mit seiner Partnerin Sigrid (Rachel McAdams) beim Eurovision Song Contest groß rauskommen möchte. Sein einziger Lebenstraum: Dort zu triumphieren. Was nach einem sicheren Weg ins filmische Desaster klingt, nämlich die Parodie auf eine Parodieveranstaltung mit dem stoischen Kindskopf Will Ferrell in der Hauptrolle, entpuppt sich überraschend als recht charmante Hommage an einen Wettbewerb, den keiner ernst nehmen kann und der gerade deshalb so großartig und wichtig ist. Die musikalischen Beiträge und deren Interpreten sind auf dem Punkt. Jeder einzelne von ihnen könnte im echten Eurovision Song Contest auftreten. Und so lächerlich die Veranstaltung per se auch ist, sie wird von David Dobkins Film nicht lächerlich gemacht. Da merkt man, dass die Macher mit sehr viel Liebe ans Werk gegangen sind. Und plötzlich ist auch Will Ferrell wieder erträglich, und die Musik plötzlich bei aller Absurdität gar nicht so schlecht und das Leben irgendwie schön und bunt. Soll nichts Schlimmeres passieren als der neue Will Ferrell-Film.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by John Wilson/NETFLIX/John Wilson/NETFLIX – © 2020 Netflix, Inc., Quelle imdb.com)

Der Schacht (2019)

Regie: Galder Gaztelu-Urrutia
Original-Titel: El hoyo
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Thriller, Satire, Drama, Horror
IMDB-Link: El hoyo


Für einen guten Film braucht es nicht mehr als eine gute Idee. Dann reicht es auch, wenn man beispielsweise Tom Hardy in ein Auto setzt und telefonieren lässt (wie in No Turning Back) oder ein paar Nasen durch ein Labyrinth aus Würfeln laufen lässt (wie in „Cube“). Mit letzterem Film hat „Der Schacht“ des jungen spanischen Regisseurs Galder Gaztelu-Urrutia einiges gemein. Denn auch hier ist die Kulisse auf das Allernötigste zusammengedampft und gerade in seiner Repetition äußerst interessant. Es beginnt damit, dass Goreng (Iván Massagué), der sich freiwillig dafür gemeldet hat, auf der Plattform 48 des Schachtes erwacht. Der Schacht ist ein Konstrukt aus einer unbekannten Anzahl von Ebenen, auf der jeweils zwei Menschen zusammen eingesperrt sind. Die haben je einen persönlichen Gegenstand bei sich sowie die Kleidung, die sie am Körper tragen. In der Mitte dieser Ebenen befindet sich ein rechteckiges Loch. Dadurch fährt einmal pro Tag ein Tisch voller Essen herab. Das Perfide: Je weiter der Tisch nach unten kommt, desto weniger befindet sich logischerweise darauf. Wer also auf einer der oberen Ebenen sitzt, kann sich satt essen. Auf den unteren Ebenen hingegen sieht es hingegen trist aus. Noch perfider: Einmal im Monat werden alle Insassen betäubt und wachen auf einer neuen Ebene auf. Wer vorhin oben war, kann sich nun unten wiederfinden – und umgekehrt. Ebene 48 scheint dabei kein schlechter Start zu sein, wie Gorengs Mitbewohner, der zynische und opportunistische Trimagasi (Zorion Eguileor) versichert. Der ist schon seit zehn Monaten im Schacht und sitzt seine letzten beiden Ebenen ab. Als im nächsten Monat Goreng und Trimagasi auf Ebene 171 erwachen, geht der Spaß los – denn Essen kommt da unten keines mehr an. „Der Schacht“ ist eine düstere Parabel und unverhohlene Kapitalismus-Kritik. Als solche ist sie vielleicht ein wenig plump geraten, aber dennoch – oder vielleicht auch gerade deshalb – äußerst wirkungsvoll. Diese Netflix-Eigenproduktion entwickelt sich gerade zum viralen Renner, und das zurecht. Denn durch die Umsetzung mit minimalen Mitteln konzentriert sich der Film komplett auf seinen Inhalt, der politisch, religiös und vor allem natürlich gesellschaftskritisch interpretiert werden kann. Die von Gaztelu-Urrutia vorgeschlagene Lösung ist vielleicht zu einfach und naiv gestrickt, doch legt er unzweifelhaft den Finger in die Wunde unserer Gesellschaft, dass es nämlich schwierig bis unmöglich ist, das bestehende System von innen, also jenen, die Teil davon sind, zu ändern. In dieser Hinsicht ist die Dystopie keine mehr, sondern ein bitterer Realitäts-Check.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Der Herr Karl (1961)

Regie: Erich Neuberg
Original-Titel: Der Herr Karl
Erscheinungsjahr: 1961
Genre: Drama, Satire
IMDB-Link: Der Herr Karl


„Man hat eine gewisse Größe gespürt.“ So der Herr Karl (Helmut Qualtinger in seiner Paraderolle) über Adolf Hitler und dessen Einmarsch in Österreich. Der Herr Karl hat es sich richten können. Vom Sozialisten zum Nationalsozialisten ist es schließlich nicht weit. Dabei hat er ja nichts Böses im Sinn. Ein braver Arbeiter ist er mit kugelrundem Gesicht und kugelrunden Augen. Ein anständiger Kerl, immer gesetzestreu und katholisch, einer mit Schmäh, der auch gern mal eine Hetz‘ hat. Mit der Treue hat er’s nicht so ganz, aber das ist nun mal die natürliche Ordnung: Die Frau gibt, der Mann nimmt. Wozu gegen die Natur aufbegehren? So kommt er gut durchs Leben, der Herr Karl, und Rückschläge spült er mit einem Bierchen hinunter, man wird sich ja wohl noch was gönnen dürfen. Der Herr Karl ist richtig unangenehm. Ein Opportunist, ein Wadlbeißer, einer, der nach unten tritt und nach oben buckelt. Der Herr Karl ist auch heute noch omnipräsent. Er ist der nette Nachbar, der die Einladungen zum Grillen bei ihm immer wieder mit schal klingenden Ausreden vertröstet, aber jeden Tag zu Kaffee und Kuchen auf der Matte steht. Er ist die tierliebende Nachbarin, die von der Stadt aufs Land zieht, weil in der Stadt wird ja kein Deutsch mehr gesprochen, überall Tschuschen, die unsere heimische Kultur zerstören. Er ist der gewissenhafte Arbeitskollege, der Nachrichten von im Mittelmeer ertrinkenden Kindern mit den Worten kommentiert: „Wären sie halt in Afrika geblieben.“ Er ist die Kassiererin im Supermarkt, die ein altes Mütterchen, das mit zittrigen Fingern nach Münzen im Geldbeutel sucht, anschnauzt, dass sie nicht den ganzen Tag Zeit habe und sie schon längst auf Mittagspause sein könnte. Das ist der Herr Karl. Er ist überall. Und er traut sich heute mehr denn je aus seiner Deckung heraus. Er hat Rückenwind, der Herr Karl. Wenn jeder auf sich schaut, schaut’s gut aus für Leute wie ihn. Man sollte Qualtingers Meisterstück auch heute noch verpflichtend an jeder Schule zeigen. Vielleicht würde es etwas ändern. Weil im Grunde des Herzens möchte keiner der Herr Karl sein. Danke, Helmut Qualtinger, dass du das übernommen hast und der Spiegel geworden bist, den wir manchmal brauchen.


9,0
von 10 Kürbissen

Tagebuch einer Kammerzofe (1964)

Regie: Luis Buñuel
Original-Titel: Le Journal d’une femme de chambre
Erscheinungsjahr: 1964
Genre: Drama, Krimi, Satire
IMDB-Link: Le Journal d’une femme de chambre


„Tagebuch einer Kammerzofe“ nach Octave Mirbeaus gleichnamigen Roman wurde inszeniert von Luis Buñuel, einem Regisseur, der zu meinen absoluten Lieblingen gehört. Der Film datiert aus dem Jahr 1964 und ist einer der wenigen Filme Buñuels, die ohne surrealistische Elemente auskommen. Man kann aber dennoch nicht sagen, dass alles so ist, wie es scheint. Jeanne Moreau (herrlich unterkühlt) spielt eine Kammerzofe aus Paris, die eine neue Anstellung am Land findet. Sehr rasch wird klar, dass wirklich alle im Haushalt und in der unmittelbaren Nachbarschaft einen an der Waffel haben. Die Hausherrin ist eine pedantische Furie, ihr Ehemann ein Schwerenöter, der Vater pervers, der Kutscher ein sadistischer Faschist und der Nachbar ein streitbarer Spießbürger. Genüsslich zerlegt Buñuel einmal mehr die Bourgeoisie, wie er es auch in seinen Meisterwerken „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ oder „Das Gespenst der Freiheit“ in seinen letzten Filmen einige Jahre später auf die Spitze getrieben hat. Im Gegensatz zu der satirischen Leichtigkeit, die seine Spätwerke auszeichnet, schichtet Buñuel in diesem Film allerdings auch Facetten der Dunkelheit auf. Als nämlich noch ein kleines Mädchen im Wald vergewaltigt und ermordet wird, werden die letzten Abgründe freigelegt. Und auch die Kammerzofe, die anfangs noch die unbeteiligte Außenstehende ist, der man als Zuseher durch den Haushalt folgt, trifft einige seltsame Entscheidungen. Die Tatsache, dass einem am Ende wirklich gar niemand mehr von der bunten Riege der Charaktere sympathisch ist, machte es mir neben dem kühlen, distanzierten Blick auf die Geschehnisse schwer, mich wirklich in den Film hineinkippen zu lassen. Aber sehenswert ist er allemal.

 


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Jojo Rabbit (2019)

Regie: Taika Waititi
Original-Titel: Jojo Rabbit
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Satire, Komödie, Drama
IMDB-Link: Jojo Rabbit


Der Preis für den größten Scheiß-drauf-Film des Jahrzehnts ist hiermit offiziell bereits vergeben. An Taika Waititis Satire „Jojo Rabbit“ kommt nichts Anderes ran. Allein die Eröffnungssequenz zeigt schon, wohin die Reise geht, wenn Aufnahmen von Naziaufmärschen und Hitler zujubelnden Menschenmengen unterlegt werden mit einer deutschsprachigen Version von „I Want to Hold Your Hand“ der Beatles. Bäm! Ein bisschen zieht’s da schon in der Magengegend, aber der subversive Witz, der da so schamlos vorgetragen wird, setzt sich dann doch über die eigenen Grenzen des guten Geschmacks hinweg, und man beginnt, hemmungslos zu kichern. Und das zieht sich dann die meiste Zeit des Films auch so durch. Warum nicht über Hitler lachen und damit das Gespenst vertreiben, das über dem vergangenen Jahrzehnt hängt und in Zeiten des Rechtspopulismus immer wieder hinter gutbürgerlichen Fassaden hervorschaut? Vielleicht mag der Film seine Geschichte der Annäherung eines fanatischen Nazi-Jungen (Roman Griffin Davis mit einer makellosen Vorstellung) an eine in seiner Wohnung versteckte Jüdin (Thomasin McKenzie, die ich seit ihrer furiosen Darstellung in Leave No Trace auf dem Zettel habe) ein bisschen gar plump erzählen und die Mittel der Satire ein wenig missbrauchen, um es sich an der einen oder anderen Stelle einfach zu machen. Vielleicht wirkt Taika Waititi als imaginärer Freund Adolf an einigen Stellen deplatziert und ist für die Story selbst im Grunde belanglos. Vielleicht ist es gewöhnungsbedürftig, Stars wie Scarlett Johansson, Sam Rockwell oder Rebel Wilson (die allesamt herausragend sind in ihren Rollen, vor allem die völlig zu Recht oscarnominierte Johansson) mit einem übertriebenen deutschen Akzent sprechen zu hören. Und vielleicht werden manche Schrecken ein bisschen zu sehr verniedlicht, während andere einen aus den Schuhen kippen lassen (eine Szene im Speziellen, die so unvermutet daherkommt, dass für eine Weile kein Witz mehr zünden kann). Aber was soll’s. „Jojo Rabbit“ ist kein perfekter Film, aber er ist mit seiner Fuck-it-Attitüde eine grandiose und saukomische und gleichzeitig stellenweise tieftraurige Erfahrung, die man nicht missen sollte.


8,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2018 – Fox Searchlight, Quelle imdb.com)

Wonders in the Suburbs (2019)

Regie: Jeanne Balibar
Original-Titel: Merveilles à Montfermeil
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Satire, Politfilm, Komödie
IMDB-Link: Merveilles à Montfermeil


Wow! Da hat man so einen Cast beisammen (neben Regisseurin und Darstellerin Jeanne Balibar selbst Emmanuelle Béart, Mathieu Amalric, Ramzy Bedia uvm.) und fährt das Ding dermaßen an die Wand, dass nicht einmal verwertbare Brösel übrigbleiben. Voilà, Mesdames et Messieurs, das ist „Merveilles á Montfermeil“ oder was die Franzosen unter politischer Satire verstehen. Hysterie. Gekreische. Völlig unlustiges Massensummen. Noch unlustigere Gags mit der Garderobe. Hektik. Noch mehr Hysterie und Gekreische. Second Live-Avatare, die miteinander kopulieren. Frauen in Marshmallowman-Kostümen. HYSTERIE! GEKREISCHE! Die Story ist eigentlich wurscht, denn sie ist quasi nichtexistent. Jede Menge Trubel um die Bürgermeisterin (Emmanuelle Béart) und ihr Team in der Kleinstadt. Jeder will mit jedem ins Bett (womit der geneigte Cineast sofort erkennt, ah, er befindet sich in einem französischen Film), aber wenn es dann mal ernst werden könnte, fangen sie lieber an zu reden oder zu tanzen. Kaum ein anderer Film auf den diversen Festivals, die ich in den letzten Jahren besucht habe, hat so konsequent den Saal leergespielt wie dieser. Und auch ich war mehrmals knapp dran, mich aus dem Kinosaal zu extrahieren und in eine hübsche Wiese mit Blick auf den Lago Maggiore zu pflanzen. Arg verschwendete Lebenszeit.


1,5
von 10 Kürbissen

Notre dame (2019)

Regie: Valérie Donzelli
Original-Titel: Notre dame
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Komödie, Liebesfilm, Satire
IMDB-Link: Notre dame


Es wirkt zunächst fast ein wenig seltsam, die Kathedrale von Notre-Dame in Paris zu sehen, wie sie sich bester Gesundheit erfreut, wenn man doch weiß, dass sie vier Monate zuvor gebrannt hat und dieser Tage einen traurigen Eindruck erweckt. Aber so ist das, wenn das Leben die Kunst überholt und vice versa. Den fehlenden Realitätsbezug auf dieser Ebene kann man Valérie Donzelli, die auch gleich die Hauptrolle der angehenden Architektin Maud übernommen hat, jedenfalls nicht anlasten. Sehr wohl aber auf allen anderen Ebenen. Denn der Versuch, originell zu sein, gelingt leider nur in den seltensten Fällen, beschränkt sich eigentlich nur darauf, dass zur Trennung die Beteiligten anfangen, ein trauriges Lied zu singen, was sie nun nie mehr tun werden. Ja, das hat Stil, ist komisch und durch und durch französisch. Aber die Geschichte rund um Maud, die versehentlich und dank etwas Magie einen Architektenwettbewerb über die Neugestaltung des Vorplatzes von Notre-Dame gewinnt, verfällt immer wieder in Kindereien wie zum Beispiel willkürliche Ohrfeigen in der Öffentlichkeit, heftige Ohnmachtsanfälle beim Anblick des Ex-Geliebten und hysterischen Möchtegern-Anwältinnen, die sich beim Anblick eines schönen Mannes nicht mehr halten können und denen, was das eigentliche Kerngebiet der Jurisprudenz betrifft, von eben jenen, juristisch unbeleckten Schönlingen aus der Patsche geholfen werden muss. Vielleicht existiert noch irgendwo ein Dorf, in dem man über so etwas lacht, mir fällt nur im Moment keines ein. Sympathisch sind immerhin die Darstellerinnen und Darsteller, die ihre Sache gut machen – soweit sie halt gegen diese Blödeleien ankämpfen können. Aber am Ende werden vielleicht zwei, drei gute Szenen, in denen der Film ausnahmsweise mal funktioniert hat, in Erinnerung bleiben und das vage Gefühl, dass man viel Potential verschenkt hat durch Hysterie und Volksschulhumor.


4,0
von 10 Kürbissen