Susanne Bier

Bird Box – Schließe deine Augen (2018)

Regie: Susanne Bier
Original-Titel: Bird Box
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama, Horror
IMDB-Link: Bird Box


Zwei Jahre ist es mittlerweile her, dass „Bird Box“ zum ultimativen Darwin Award-Bewerbungsverfahren wurde. Mit verbundenen Augen stürzte sich die Crème de la Crème der menschlichen Rasse in Schluchten, von Häusern und in Flüsse, nur weil gerade ein Hashtag #BirdBoxChallenge im Trend lag. Selbst Netflix warnte davor. Und das alles nur, weil Sandra Bullock mit zwei jungen Gfrastern mit verbundenen Augen einen Fluss hinunterfährt. Womit die Haupthandlung dann auch schon grob umrissen wäre. Der Rest ist Vorgeschichte, wie es zu diesem idyllischen Paddeltrip kam. Auslöser war fünf Jahre davor ein Massensuizid-Phänomen, das man schon bald mit seltsamen, vielleicht außerirdischen Wesen assoziierte. Wer auch immer diese Dinger ansah, schlug sich Sekunden später an der nächsten Tischplatte den Schädel ein. Die einzige Möglichkeit, dem zu entkommen: Nicht hinschauen. Also versammeln sich einige Überlebende (darunter John Malkovich und Jacki Weaver, die auch schon mal motivierter gespielt haben) in einem Haus und verdunkeln die Fenster. Passt soweit, immerhin hat man es kuschelig und ist nicht einsam. Auch die Fahrt zum nächstgelegenen Supermarkt gelingt dank GPS-Signal im Auto ganz leidlich, aber man sollte halt aufpassen, wen man sich ins Haus holt und wen besser nicht. Und so wird die Truppe erwartungsgemäß dezimiert, bis schließlich Sandra Bullock und die zwei Kids im Boot sitzen. Und das ist schon mal ein Problem, das der Film hat: Man weiß von Beginn an, worauf alles hinausläuft und wie die Geschichte ausgehen wird – der Mitleidfaktor mit den Protagonisten hält sich also in Grenzen. Dass das Ganze dann über eine Laufzeit von mehr als zwei Stunden ausgerollt wird, wirkt sich ebenfalls negativ aus. Hier wäre eine kürzere, prägnantere Erzählweise stimmiger gewesen. Und schließlich weist der Film genretypisch Logiklöcher auf, die ich von einer Könnerin wie Susanne Bier, immerhin Oscar-prämiert für „In einer besseren Welt“, nicht unbedingt erwartet hätte. Allerdings ist der Film als Horrorfilm gut verdaulich und kommt ohne böse Jump-Scares aus, was ich ihm hoch anrechne. So kann auch ein Schisser wie ich mal einen Horrorfilm genießen.

 


5,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2018 – Netflix, Quelle: imdb.com)

Eine neue Chance (2007)

Regie: Susanne Bier
Original-Titel: Things We Lost in the Fire
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Drama
IMDB-Link: Things We Lost in the Fire


Bekannter ist der Film wohl auch bei uns unter seinem Originaltitel „Things We Lost in the Fire“. Darin hat Halle Berry als Audrey Burke gerade ihren Mann (David Duchovny) verloren, der Zivilcourage mit seinem Leben bezahlen musste. Erst kurz vor der Beerdigung erinnert sich Audrey daran, dass Brians alter Freund Jerry (Benicio del Toro) noch gar nichts von dem Unglück weiß. Denn sie mag Jerry nicht, einen ehemaligen Anwalt, dessen Leben auf die schiefe Bahn geraten ist und der nun heroinsüchtig ist. Da ihm aber Brian immer die Stange gehalten hat, kann sie ihn nicht ausschließen. Und um ihr Gewissen zu beruhigen und vielleicht auch, um Brians andenken zu ehren, möglicherweise einfach nur aus Einsamkeit und Überforderung mit ihren zwei Kindern, lädt sie Jerry ein, fortan in ihrer zur Wohnung ausgebauten Garage zu schlafen und ihr im Haushalt zu helfen. Das Verhältnis der beiden ist nicht spannungsfrei, wie man sich denken kann, doch allmählich entwickelt man so etwas wie Verständnis füreinander. „Things We Lost in the Fire“ ist vor allem getragen von der großen Schauspielkunst der beiden Hauptakteure. Sowohl Halle Berry als auch Benicio del Toro spielen wunderbar nuanciert und glaubhaft. Auch tut es der Geschichte gut, dass manche dramaturgische Klischeefallen, die die Beziehung der beiden zueinander betrifft, vermieden werden – wenngleich der Film dafür in alle übrigen Klischeefallen fröhlich hinein hopst, vor allem, was Jerrys Sucht betrifft. Genau diese Unausgewogenheit führt bei mir auch dazu, dass ich den Film zwar als solide wahrgenommen habe, aber mich nicht zu einer höheren Bewertung durchringen kann. Auch sei ausdrücklich gewarnt: Das hier ist ein DRAMA, also so ein richtig dramatisches Drama mit vielen vielsagenden Blicken, Momenten der Verzweiflung und wenig Licht. Also: Schokolade bereit halten!


6,5
von 10 Kürbissen

In einer besseren Welt (2010)

Regie: Susanne Bier
Original-Titel: Hævnen
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Drama
IMDB-Link: Hævnen


Bei der Oscarverleihung 2011 konnte sich der dänische Film „In einer besseren Welt“ von Susanne Bier gegen namhafte Konkurrenz durchsetzen wie zB Alejandro González Iñárritus „Biutiful“ oder Giorgios Lanthimos‘ Meisterwerk „Dogtooth“ und gewann den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Dementsprechend hoch war die Erwartungshaltung, als ich die DVD in den Player schob. Und dementsprechend tief war dann auch der Fall derselben. Denn Susanne Biers Film erzählt zwar eine durchaus interessante und packende Geschichte, der Subtext ist klar (eine Abhandlung über Gewalt und Verantwortung), aber die Dialoge sind zu einem unerquicklichen Maße platt und voller Stehsätze und die Figuren klischeehaft – und das liegt mit Sicherheit nicht allein an der deutschen Synchronisation. Von der Kritik wurde der Film fast einhellig gelobt, und ja, ich hätte ihn wirklich auch gern gemocht. Die Geschichte zweier Außenseiter-Jungs, die sich miteinander anfreunden, und ihre eigenen, persönlichen inneren Konflikte mit fatalen Folgen nach außen tragen, sowie des Vaters von einem der Burschen, der hin- und hergerissen ist zwischen seinem Leben als Arzt in der afrikanischen Steppe und dem bröckelnden Familienleben in Dänemark, würde durchaus viel hergeben. Aber gerade die hochgelobte Inszenierung stellte mich wirklich vor Probleme. Zu aufgesetzt, zu platt, zu durchsichtig erschien mir das alles. Das mag nun Jammern auf hohem Niveau sein, und Viele von euch, die sich selbst ein Bild von dem Film machen, werden das mit Sicherheit anders sehen, aber mir hat’s das Vergnügen der Sichtung leider etwas verhagelt durch eindimensionale Figuren wie den Automechaniker Lars, der nur zuschlagen kann, und eben sehr klischeehaft vorgetragenen Dialogzeilen. Einzig die Figur des Anton (Mikael Persbrandt) bringt etwas mehr Vielschichtigkeit in das Drama. Das allein reicht mir allerdings nicht aus für eine bessere Bewertung.


5,5
von 10 Kürbissen

Serena (2014)

Regie: Susanne Bier
Original-Titel: Serena
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Liebesfilm, Drama
IMDB-Link: Serena


„Drum prüfe, wer sich ewig bindet …“ George Pemberton (Bradley Cooper) hätte wohl seinen Schiller lesen sollen, ehe er Serena Shaw (Jennifer Lawrence) beim ersten Kennenlernen einen Heiratsantrag macht. Aber weil sie ja so hübsche Reh-Äuglein hat und auf Holz steht (George hat sein eigenes Holzfäller-Unternehmen), wird ganz einfach geheiratet und gefühlt zwei Minuten, nachdem der Filmtitel über den Bildschirm geflimmert ist, richten sich es die beiden schon als frisch angetrautes Ehepaar im Wald von North Carolina ein. Das dürfte einen Rekord bedeuten. Aber nach und nach stellt man gegenseitig fest, dass unüberlegte Entscheidungen zwar zu ganz witzigen Ergebnissen führen können, aber wenn man sein ganzes Leben danach ausrichtet, wäre ein bisschen Köpfchen davor ratsam gewesen. Vielleicht hätte sich George dann überlegen können, dass er sich besser um seinen unehelichen Sohn kümmern sollte, den er seiner Mitarbeiterin angedreht hat. Und Serena wiederum hätte zunächst einmal in ein paar Psychotherapiestunden den Feuertod ihrer ganzen Familie und den ungesunden Umgang mit Eifersucht aufarbeiten sollen. Und beide gemeinsam hätten erst einmal durchdenken können, ob die Aussicht auf die Abholzung des brasilianischen Regenwalds tatsächlich so verlockend ist, dass man dafür krumme Dinger dreht und es sich mit den besten Mitarbeitern, Freunden und Teilhabern verscherzt. Hätte hätte Fahrradkette. Jedenfalls haben die beiden nun einen ganzen Blumenstrauß von Problemen, mit der sie ihre frische Ehe dekorieren können. Mit ihren Mitarbeitern, mit dem Gesetz und miteinander. Ansonsten wäre es ja auch recht fad in den Smoky Mountains. Wenn man dort nicht gerade zufällig auf eine Klapperschlange latscht, erlebt man keine Abenteuer, die man nicht selbst mitgebracht hat. Leider wird aber die an sich nicht uninteressante Geschichte unterlaufen durch ihre sehr inkohärenten Hauptfiguren, die zudem von Minute zu Minute unsympathischer werden. Cooper und Lawrence bemühen sich nach Kräften, aber manchmal ist das Drehbuch einfach chaotisch und klischeebeladen, und dagegen kommen auch eine Oscar-Preisträgerin und ein mehrfach Oscar-Nominierter nicht an. (Wobei wir, liebe Academy, über die Nominierung Coopers für „American Sniper“ eh noch mal reden müssen.) Die Liebesgeschichte bleibt eine in ästhetische Bilder verpackte Behauptung, die Wendung zum Krimi hin ist nur kurz konsequent, bleibt aber prinzipiell folgenlos, und die Thriller-Elemente sind einfach nur simpel und können nicht mitreißen. Wir brauchen noch einen Bösewicht? Nehmen wir doch einfach den finster blickenden, schweigsamen Holzfäller. Nicht, dass der irgendeine Motivation für sein Handeln hätte, aber sein Bart wirkt so grimmig. Fazit: Ein schön gefilmtes Nichts. Eh irgendwie ganz nett anzusehen, aber fragt mich in ein paar Monaten noch mal, worum es geht in diesem Film. Heißt: Nein, fragt mich lieber nicht.


5,0
von 10 Kürbissen