Thriller

Hinterland (2021)

Regie: Stefan Ruzowitzky
Original-Titel: Hinterland
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Krimi, Thriller, Historienfilm
IMDB-Link: Hinterland


Man will es sich als wohlstandsverwahrlostes, verhätscheltes Kind der 80er ja gar nicht vorstellen, was unsere Urgroßväter und -mütter mitmachen mussten. Vier Jahre lang Krieg, den man noch dazu verloren hat, der alte Kaiser ist tot, der neue im Exil, von den Fahnenmasten flattern so seltsame rot-weiß-rote Fahnen, und man versucht herauszufinden, was dieses seltsame Konstrukt der Republik nun bedeutet. In diese fremde Welt wird der Kriegsheimkehrer Peter Perg (Newcomer Murathan Muslu) hineingeworfen. „Für Gott, Kaiser und Vaterland“ war einmal. Heute ist er, der ehemalige Spitzeninspektor der Wiener Polizei, ein Niemand. Noch dazu werden alte Gefährten bestialisch gemeuchelt. Irgendjemand hat es auf Kriegsheimkehrer abgesehen, die er zunächst grausam foltert und dann schön drapiert zur Schau stellt. „Sieben“ lässt grüßen. Also muss sich Perg, seelische Verwundungen hin oder her, der Sache stellen. „Hinterland“ von Stefan Ruzowitzky ist ein expressionistischer Albtraum – die (computergenerierten) Wände der Stadt stehen schief und spiegeln die Schieflage, in der sich die ganze Gesellschaft befindet. Die Morde könnten grauslicher nicht sein, die Mienen sind verzerrt, die Blicke leer, und stinken wird’s auch, so ungewaschen, wie die Leute aussehen. Das alles verfehlt seine Wirkung nicht – selten zuvor habe ich Wohlstandskind drastischer nachempfinden können, was es heißt, in eine kriegsversehrte Welt hineingeworfen zu werden. Ein ganzes Land hat sich selbst verloren. Das wird in „Hinterland“ erlebbar. Allerdings ist Ruzowitzky halt auch jemand, der gerne dick aufträgt. Gerade das Ende versucht sich, in jeder Sekunde selbst zu übertreffen, was dazu führt, dass der Film von einer Klischeefalle in die nächste schlingert. Eine interessante und empfehlenswerte Seherfahrung bleibt „Hinterland“ dennoch. Man hätte sich nur gewünscht, dass die Story der außergewöhnlichen Qualität der Bilder folgen kann.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by freibeuter film – © freibeuter film, Quelle http://www.imdb.com)

James Bond 007: Keine Zeit zu sterben (2021)

Regie: Cary Joji Fukunaga
Original-Titel: No Time to Die
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Action, Thriller
IMDB-Link: No Time to Die


Man versetze sich doch bitte mal in die Lage von Daniel Craig. Da sitzt du in einem Hotelzimmer beim Promo-Interview für deinen neuen Film, doch dessen Kinostart ist drölfzig Mal verschoben worden und du hast keinen Schimmer mehr, worum es eigentlich geht, weil du in der Zwischenzeit schon so viele andere Sachen gemacht hast. Aber gut, das gehört vermutlich zum Berufsrisiko. Jedenfalls ist es nun tatsächlich so weit und das letzte Bond-Abenteuer mit Daniel Craig in der Hauptrolle flimmert über unsere Leinwände. Und weil es ja wirklich der letzte Craig-Bond ist, genießt der erst mal seine wohlverdiente Pension mit seiner neuen Flamme unter tropischen Palmen. Der Film wäre allerdings ein bisserl arg fad geworden, wenn Fukunaga daraus nur eine 2,5 Stunden lange Traumschiff-Folge gemacht hätte, und so muss Bond auch bald wieder zurück nach Good Old England, um Schurken zu jagen und Gebäude in die Luft zu sprengen – eben das, was er eigentlich immer macht. Und weil den Drehbuchautoren nichts Besseres eingefallen ist, wiederholen sie das bewährte Schema: Die Vergangenheit holt die Helden des Films ein. War es in Skyfall noch M’s Vergangenheit und ging die Reise in Spectre in Bonds höchstpersönliche Geschichte, so wird nun ein dunkles Geheimnis der Liebsten ausgebuddelt. Never change a running system. Was aber in „Keine Zeit zu sterben“ wirklich neu ist: Der Mann mit der Lizenz zu töten entdeckt ganz tiefe Gefühle. Das ist vielleicht nicht ganz ideal für einen eiskalten Killer und Geheimagenten, aber es beschert den Zusehern einige nette Was-wäre-wenn-Momente – was wäre, wenn Bond einfach mit seiner Holden auf der tropischen Insel geblieben und dort eine Familie gegründet hätte mit drei Söhnen, die allesamt in Anzug und mit Sonnenbrille auf der Nase herumtollen und statt Sandburgen schussfeste Bunker bauen. Aber nein, so idyllisch wird es zu keinem Zeitpunkt. Stattdessen gibt’s wieder jede Menge Krachbumm. Die von mir hochgeschätzte Ana de Armas darf als Bond-Girl immerhin mal neue Wege bestreiten und in einem kurzen, aber denkwürdigen Auftritt dem steifen Engländer zeigen, wo der Bartl den Most herholt. Der Rest des Films hält dieses Niveau aber leider nicht, und vor allem in der zweiten Hälfte zerfällt er in seine Bestandteile. Und die Schurken? Christoph Waltz: verschenkt. Rami Malek: verschenkt. Daraus hätte man so viel mehr machen können. Vielleicht war es ja tatsächlich an der Zeit, Daniel Craig als Bond Lebwohl zu sagen. Er hat seine Sache gut gemacht, aber die Stories rund um seinen Bond sind immer größer und größer geworden und am Ende als Blase geplatzt. Immerhin war’s eine irre Reise bis dahin.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Nicole Dove – © 2019 DANJAQ, LLC AND MGM, Quelle http://www.imdb.com)

James Bond 007: Spectre (2015)

Regie: Sam Mendes
Original-Titel: Spectre
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Action, Thriller
IMDB-Link: Spectre


Alle Vorzeichen des vierten James Bond-Abenteuers mit Daniel Craig in der Titelrolle standen auf Grün: Mit Sam Mendes war der Regisseur des grandiosen Vorgängerfilms Skyfall wieder mit an Bord, Christoph Waltz war als Bösewicht gecastet, Monica Bellucci durfte mal den Altersschnitt der Bond-Girls etwas anheben und die reiferen Schönheiten repräsentieren, die Story sollte alle Fäden der vorigen Filme zusammenführen, kurz: „Spectre“ sollte ein Volksfest für Bond-Aficionados werden. Doch wie so oft im Leben halten die tatsächlichen Ereignisse der Erwartungshaltung nicht stand. Es verhält sich ungefähr wie beim Besuch des Louvre, um endlich mal die Mona Lisa zu sehen: Im Vorfeld denkt man schon voller Vorfreude daran, wie einen die mysteriöse Dame anlächeln wird, während man über man DaVincis Genie kontempliert, doch dann latscht du erst mal stundenlang durch Gemäldegalerien, bis die Füße schmerzen, stehst am Ende vor einer riesigen Menschentraube, und außer Selfie-Sticks siehst du nichts. Man wollte halt einfach zu viel. Und ganz ehrlich: Die anderen Gemälde, die man im Vorbeihasten nur flüchtig mit Blicken gestreift hat, wären eh interessanter gewesen. So ist das eben auch bei „Spectre“. Der Film möchte alles Dagewesene in Sachen James Bond toppen und wird von Sam Mendes als pompöses Eventkino aufgezogen, doch es ist von allem ein bisschen zu viel. Zu viel Action, zu viel Drama, zu viele Verwicklungen und Verstrickungen, die einem per deus ex machina anspringen – das alles ist nicht rund. Und Christoph Waltz? Der ist tatsächlich verschenkt. So ist „Spectre“ unter den ersten vier Daniel Craig-Bonds trotz Vorschusslorbeeren der schwächste Film. Natürlich ist er immer noch unterhaltsam, aber es fehlt ihm an eigenständigen Charakter, was die Vorgängerfilme allesamt noch aufwiesen – selbst der nicht gänzlich geglückte Ein Quantum Trost.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by jonathan olley – © SPECTRE2015 Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc., Danjaq, LLC and Columbia Pictures Industries, Inc., Quelle http://www.imdb.com)

James Bond 007: Skyfall (2012)

Regie: Sam Mendes
Original-Titel: Skyfall
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Action, Thriller
IMDB-Link: Skyfall


Da haben wir ihn nun: Den besten James Bond-Film, der jemals gedreht wurde. Meine völlig subjektive Meinung, und das voller Ehrfurcht vor Sir Sean Connery und den Klassikern wie „Liebesgrüße aus Moskau“ oder „Goldfinger“. Aber ganz ehrlich: „Skyfall“ ist ein perfekter Actionfilm mit einem Daniel Craig, der nun endgültig in seine epische Rolle als Geheimagent mit der Lizenz zu töten hineingefunden hat, und der sich einem großartigen Schurken entgegenstellen muss. Javier Bardem, der mit schlechtem Haarschnitt einfach unfassbar creepy wirkt (siehe „No Country for Old Men“ und nun auch wieder hier in „Skyfall“), spielt sich die Seele aus dem Leib und lässt einen damit sogar Mads Mikkelsen vergessen. Und Spoiler vorab: Selbst Christoph Waltz, der ja schon mehrfach bewiesen hat, wie gut ihm Oberschurken gelingen, sieht im nachfolgenden „Spectre“ blass gegen Bardem aus. Der Rest des Films ist exzellent inszenierte Action und eine Story, der man tatsächlich mal gebannt folgen kann (eine Ausnahme in der James Bond-Filmreihe). Denn hier wird’s ausnahmsweise persönlich – der Schurke möchte nicht bloß einfach die Welt ins Nirwana bomben, sondern hat eine nachvollziehbare Agenda und genug Charisma, um auch Verständnis beim Zuseher zu erzeugen. In mehreren Aspekten weicht „Skyfall“ von der üblichen Bond-Formel ab, und das tut dem Film sichtlich gut. Zum Beispiel wird das übliche Bond-Girl (Bérénice Marlohe) hier schon fast schmerzhaft beiläufig abgehandelt. James Bond hat in diesem Film nun mal andere Prioritäten, auch wenn sich ein Quickie unter der Dusche schon noch ausgeht. Stattdessen schlüpft Dame Judi Dench als M in die zentrale weibliche Rolle des Films und liefert einige wirklich denkwürdige Momente. „Skyfall“ ist ein harter Film mit Untiefen, der den eleganten Kuschel-Bond Pierce Brosnan endgültig in die Versenkung verschwinden lässt. Wie gesagt, für mich der beste Film der Reihe.


8,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Francois Duhamel – © 2012 – Danjaq, LLC, United Artists Corporation, Columbia Pictures Industries, Inc., Quelle http://www.imdb.com)

James Bond 007: Ein Quantum Trost (2008)

Regie: Marc Forster
Original-Titel: Quantum of Solace
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Action, Thriller
IMDB-Link: Quantum of Solace


Die Erinnerung ist ein Hund. Da habe ich gedanklich „Ein Quantum Trost“, das zweite Abenteuer von Daniel Craig als James Bond, als total verhunzte Gurke abgespeichert und stelle nach neuerlicher Sichtung fest: Der ist eigentlich ganz gut. James Bond als Amok laufender Racheengel an der Seite von Olga Kurylenko, die eine ähnliche Agenda verfolgt, ist flott geschnitten und mit einer ökonomischen Laufzeit von ca. 1,5 Stunden auch recht kurzweilig. Mathieu Amalric als Nachfolger des Superschurken Mads Mikkelsen kann man auch keinen Vorwurf machen – der macht seine Sache schon ordentlich in dem Bewusstsein, dass du als Schauspieler immer abstinkst, wenn du an Mikkelsen gemessen wirst. Allein Gemma Arterton als Gspusi für zwischendurch ist komplett verschenkt. Aber gut, die stand auch noch ziemlich am Anfang ihrer Karriere, die dann trotz der Minirolle gehörig Fahrt aufnahm. Für die ging ihr kurzer Auftritt runter wie Öl (pun intended). Alles in allem ist dieses Abenteuer, das direkt an die Ereignisse von „Casino Royale“ anschließt und damit direkt in die etwas unorthodoxe Trauerbewältigung eines hochgezüchteten Geheimagenten mit der Lizenz zu töten einsteigt, gut gelungen, ohne jedoch auch nur annähernd das Niveau des Vorgängers zu erreichen. Dazu ist der Film zu actionlastig – das typische Bond-Feeling von früher stellt sich hier nicht mehr ein. Auch ist die Action zu hektisch geschnitten, da verliert man gerne auch mal den Überblick – ein handwerkliches Manko, das in dieser Oberliga der Hollywood-Unterhaltung eher ungut auffällt. Aber als Zwischengang zwischen „Casino Royale“ und dem ebenfalls exzellenten „Skyfall“ ist der Film schon in Ordnung.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

James Bond 007: Casino Royale (2006)

Regie: Martin Campbell
Original-Titel: Casino Royale
Erscheinungsjahr: 2006
Genre: Action, Thriller
IMDB-Link: Casino Royale


Ehe es in den neuen Bond-Film geht, den letzten mit Daniel Craig, ist es an der Zeit, die bisherigen Filme noch mal Revue passieren zu lassen. An Daniel Craig als Bond-Darsteller scheiden sich ja ein bisschen die Geister. Die Einen meinen, er wäre aufgrund der Härte und darunter durchschimmernden Verletzlichkeit der perfekte Bond, Andere meinen, er wäre aufgrund der Härte und der darunter durchschimmernden Verletzlichkeit der mieseste Bond. Gut, der selige Sir Sean Connery ist sakrosankt, aber wenn ich mir Craigs Leistung im Vergleich mit seinen Vorgängern mal genauer ansehe, tendiere ich jedenfalls mit gutem Gewissen zur ersten Fraktion. Dazu hatte er mit „Casino Royale“ einen sehr starken Auftakt, der mit Mads Mikkelsen wohl einen der besten Gegenspieler des Bond-Universums aufbietet und dank des damaligen Poker-Hypes auch noch einen Nerv traf. Dazu kam Eva Green in einer Paraderolle – jene der unterkühlten und mysteriösen Schönen. Ganz ehrlich: Für solche Rollen schuf der liebe Gott sie. Ansonsten ist „Casino Royale“ unter der Regie von Martin Campbell ein klassischer Bond-Film: Die Handlung ist verwirrend, aber wurscht, die Ladies ziehen sich für Bond immer noch schneller aus als ich nach der Arbeit von den Jeans in die Jogginghose schlüpfe, alle paar Minuten explodiert irgendwas, Verfolgungsjagden ziehen sich über Minuten, aber der Anzug sitzt immer perfekt. Im Unterschied zu seinen Vorgängern darf Daniel Craig als Bond diesmal aber nicht nur schwitzen, sondern auch bluten, und das tut der Reihe generell sehr gut. Und ob er seinen Martini geschüttelt oder gerührt trinkt, interessiert ihn einen Scheißdreck. Wie gesagt, ich mag diesen kernigen Bond. Von allen Bond-Filmen gehört „Casino Royale“ definitiv zu den gelungensten. Er erklärt die Figur James Bond endlich einmal und überführt sie in unsere Zeit. Dieses Niveau konnte die Reihe in den folgenden Filmen leider nicht halten, auch wenn es mit „Skyfall“ noch einen zweiten Höhepunkt gab.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2006 Danjaq, LLC, United Artists Corporation and Columbia Pictures Industries, Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Wanted (2008)

Regie: Timur Bekmambetow
Original-Titel: Wanted
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Action, Thriller
IMDB-Link: Wanted


Timur Bekmambetow. Wir erinnern uns. Das ist der Typ, der die atemberaubende Karriere von Abraham Lincoln als Vampirjäger verfilmt hat. In „Wanted“ zeigt er uns ebenfalls etwas Neues, was wir bislang noch nicht wussten: Nämlich, dass Kugeln um die Ecke fliegen können. Physik ist, was man daraus macht. Und ganz eigene Physik ist für einen Actionfilm ja nicht unbedingt ein Knockout-Kriterium in Sachen Qualität – wenn der Film fetzt, dann verzeiht man ihm auch einen eher unwissenschaftlichen Zugang. Das ist ja okay. Aber, wie gesagt, dann muss der Film eben auch liefern – mit einer spannenden Story, guten Actionsequenzen und interessanten Figuren. Zumindest den Part mit den interessanten Figuren macht „Wanted“ zu Beginn auch erst mal richtig. Der ängstliche Buchhalter Wesley Gibson ist schon mal ein ambivalenter Charakter, den man gut nachvollziehen kann. So gehört die erste halbe Stunde von „Wanted“ auch einem groß aufspielenden, sympathischen James McAvoy, und auch wenn hier schon alles überzeichnet ist (der Film basiert schließlich auch auf einem Comic), so macht es Spaß, dabei zuzusehen, wie sich der junge Mann nach einer bleihaltigen Begegnung mit einer seltsamen Amazone (Angelina Jolie, die wieder mal sehr erfolgreich Angelina Jolie spielt) allmählich emanzipiert und die Zügel seines Lebens selbst in die Hand nimmt. Aber ab da geht’s rasant bergab. Denn die Story wird immer dünner und dümmer, und auch die Action ist einfach so dermaßen over the top, dass es auch nichts mehr nützt, bei der Physik alle Augen inklusive Hühneraugen zuzudrücken. Das wird mit der Zeit alles so fad und repetitiv, dass auch Morgan Freeman schließlich jegliche Ambition ablegt und mit einem dermaßen faden Auge durch den Film schleicht, dass man fast schon Mitleid mit ihm hat. Allein James McAvoy bleibt konzentriert bei der Sache und rettet, was zu retten ist. Wunder bewirken kann er aber trotzdem nicht, selbst wenn Kugeln um die Ecke fliegen.


4,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 2008 – Universal Studios, Quelle http://www.imdb.com)

Promising Young Woman (2020)

Regie: Emerald Fennell
Original-Titel: Promising Young Woman
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Thriller, Komödie, Krimi
IMDB-Link: Promising Young Woman


Anfang des Jahres mit dem Oscar für das beste Drehbuch ausgezeichnet, gibt es mit ordentlicher Corona-Verspätung Emerald Fennells Debütfilm „Promising Young Woman“ nun endlich auch bei uns in den Kinos zu sehen. Und was für ein Debüt das ist! Die von mir hochgeschätzte Carey Mulligan ist auf einem Rachefeldzug gegen die toxische Männerwelt, der auf der einen Seite herrlich überdreht wirkt und unglaublich unterhaltsam anzusehen ist, auf der anderen Seite aber einen bitteren Unterton aufweist und fast beiläufig unsere Gesellschaft bis ins Kleinste seziert. Fast jede Szene weist diese beiden Seiten auf. Das Unterhaltsame und das Bittere stehen gleichberechtigt nebeneinander, und es liegt an einem selbst, was man hiervon mitnimmt – im Idealfall beides. Worum geht’s? Die 30jährige Cassie, einst eine vielversprechende Medizinstudentin, jobbt untertags in einem Coffeeshop und stellt abends Männern nach, denen sie vorgaukelt, sturzbetrunken zu sein. Wenn diese nun die scheinbar einfache Gelegenheit für ein erotisches Abenteuer mitnehmen möchten, bereuen sie dies schon bald. Doch hinter dieser einfach wirkenden Story verbirgt sich eine gut begründete und hintergründige Rachegeschichte, die sich in all ihren Schichten nach und nach aufblättert. Grandios ist neben Mulligans Schauspiel und der perfekt eingesetzten Musik mit einigen großartigen Coversongs die Tatsache, dass Emerald Fennell, die neben der Regie auch für das prämierte Drehbuch verantwortlich zeichnet, die Grauschattierungen unseres komplexen Zusammenlebens aufgreift und sich nicht damit zufrieden gibt, einfach mal die Frau gegen die Männer austeilen zu lassen. Das Ende ist bitter und zynisch und befriedigend gleichermaßen. „Promising Young Woman“ ist ein Glücksfall von einem Film, der vordergründig beste Unterhaltung bietet und quasi über die Hintertür hochgradig relevante Themen verhandelt. Und jetzt ab ins Kino mit euch!


8,5 Kürbisse

(Bildzitat:: © 2019 – Focus Features, Quelle http://www.imdb.com)

The Ides of March – Tage des Verrats (2011)

Regie: George Clooney
Original-Titel: The Ides of March
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Thriller, Politfilm, Drama
IMDB-Link: The Ides of March


Es gibt ein paar Berufe, die wären nichts für den Filmkürbis eures Vertrauens. Lobbyist zum Beispiel. Oder Strafverteidiger. Oder auch Wahlkampfmanager. Alles Berufe, für die man zumindest eine dehnbare Ausprägung an Moralvorstellungen mitbringen muss, ansonsten zerfrisst einem das eigene Tun die Seele. Der junge Stephen Meyers (Ryan Gosling) erfährt dies so nach und nach in George Clooneys „The Ides of March – Tage des Verrats“. Darin spielt er einen Wahlkampfmanager für den von Clooney selbst gespielten demokratischen Präsidentschaftskandidaten Mike Morris. Und auch wenn es sich erst noch um die Vorwahlen der Demokraten handelt, so muss Meyers bald feststellen, dass auch hier schon mit allen Mitteln, auch schmutzigen, gespielt wird. So wird er vom Wahlkampfmanager (Paul Giamatti) des ersten Herausforderers kontaktiert, der das junge politische Talent kurzerhand abwerben möchte. Das gefällt Meyers Boss Paul Zara (der selige Philip Seymour Hoffman einmal mehr mit einer überzeugenden Darstellung) nicht sonderlich, und die Kaskade der Ereignisse führt zu einem politischen Katz-und-Maus-Spiel, bei dem am Ende keiner mehr weiß, an welcher Stufe der Nahrungskette er steht. „The Ides of March – Tage des Verrats“ ist ein spannender Beitrag zur Perversion politischer Wahlen und deren Beeinflussbarkeit durch die Steuerung der Medienlandschaft. Dass die Realität die Fiktion mal mit Karacho rechts überholen würde durch die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, hätte damals, als „The Ides of March“ gedreht wurde, wohl auch niemand gedacht. Insofern ist das Bild, das George Clooney in seinem Film vermittelt, erschreckend akkurat. Dieser Film wird in den kommenden Jahren wohl nichts von seiner Relevanz einbüßen. Leider.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Saeed Adyani – © 2011 IDES FILM HOLDINGS, LLC., Quelle http://www.imdb.com)

The Woman in the Window (2021)

Regie: Joe Wright
Original-Titel: The Woman in the Window
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Thriller, Drama, Krimi
IMDB-Link: The Woman in the Window


Casting Agent: „Hallo, spreche ich mit Julianne Moore/Gary Oldman/Jennifer Jason Leigh/Brian Tyree Henry/Anthony Mackie?“
Moore/Oldman/Leigh/Henry/Mackie: „Am Apparat. Worum geht’s?“
CA: „Folgendes: Wir haben ja gerade Pandemie. Lockdown und so. Die ganze Filmindustrie ist gerade on hold. Aber der Joe Wright hat sich in den Kopf gesetzt, jetzt doch einen Film zu machen. Alles gedreht in einem einzigen Haus wegen Mindestabstand und so. Und da hätten wir für dich vielleicht eine Rolle.“
M/O/L/H/M: „Klingt interessant. Worum geht’s?“
CA: „Ist so ein Thriller. Ziemliche Standardkost. Aber es bringt ein bisschen Geld rein.“
M/O/L/H/M: „Okay. Wer ist denn noch dabei?“
CA: „Ein Nachwuchsdarsteller namens Fred Hechinger, ein echt netter Junge. Und Wyatt Russell, du kennst ihn vielleicht vom Eishockey. Und aus ‚The Falcon and the Winter Soldier‘, aber da kriegt er gerade echt viel Shit ab und so. Ach ja, die Hauptrolle übernimmt Amy Adams.“
M/O/L/H/M: „Ah, Amy ist toll! Ich bin ein großer Fan von ihr!“
CA: „Ja, der ganze Film dreht sich auch um ihren Charakter. So eine Kinderpsychologin, die selbst nicht alle Tassen im Schrank hat und so und deshalb das Haus nicht verlassen kann. Und dann sieht sie was Merkwürdiges im Nachbarhaus.“
M/O/L/H/M: „Ach, ihr macht ein Remake vom ‚Fenster zum Hof‘?“
CA: „Nein, das nicht. Also irgendwie doch. Aber mit mehr Mindfuck und so.“
M/O/L/H/M: „Hm … das klingt nicht sehr überzeugend.“
CA: „Na ja, ich sagte ja schon: Wird ziemliche Standardkost. Aber dem Joe Wright ist halt fad. Und für dich springt dabei auch eine kleine Rolle raus.“
M/O/L/H/M: „Wie klein?“
CA: „Also … ähm … na ja …“
M/O/L/H/M: „Sag schon!“
CA: „Na ja, man sieht dich vielleicht eine Minute oder so …“
M/O/L/H/M: „Shit. Das ist nicht viel. Und dafür soll ich mir einen Film antun, der nicht mal sonderlich interessant klingt?“
CA: „Aber es bringt Kohle.“
M/O/L/H/M: „Okay. Ich mach’s. Weil Amy Adams eine tolle Kollegin ist und Joe Wright eigentlich auch immer gute Filme macht. So schlimm kann es ja nicht werden.“
CA: „Cool! Ich schick dir dann gleich den Vertrag, danach kriegst du das Drehbuch.“
M/O/L/H/M: „Kann ich das Drehbuch bitte vorab sehen?“
CA: „Ähm … das wollen die Produzenten nicht, sorry.“
M/O/L/H/M: *seufzt* „Egal. Schick mir den Vertrag rüber. Ich bin dabei.“


4,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)