Tim Fehlbaum

Tides (2021)

Regie: Tim Fehlbaum
Original-Titel: Tides
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Science Fiction, Drama
IMDB-Link: Tides


Filme, die darauf basieren, dass wir es als Menschheit einfach kollektiv verkackt haben und die Welt unbewohnbar oder zumindest ein verdammt ungemütlicher Ort geworden ist, gibt es ja so einige. In Zeiten drastischer Klimaveränderung und steigender Ressourcenknappheit ist dieses Topos allerdings so nah am Puls der Gegenwart wie noch nie. Tim Fehlbaum, ein aufstrebender Schweizer Filmemacher, hat sich diese Aktualität zunutze gemacht und einen düsteren Science Fiction-Film auf die Leinwand gebracht, der zeigt, was uns blüht, wenn wir den Zug verpassen. Denn dann vergammelt ein Teil der Menschheit als hirngewaschenes Kollektiv auf einem fernen Planeten, während die verbliebenen armen Hunde des Planeten, „Muds“ genannt, zivilisatorisch ins Mittelalter zurückgeschossen wurden – nur dass sie Feuerwaffen haben, was jetzt allerdings auch nicht unbedingt ein Merkmal entwickelter Zivilisation bedeutet. Es ist immer kalt, es ist immer nass und schlammig (das Wattenmeer als Schauplatz ist klug gewählt, es lässt den Menschen noch weiter wegrücken vom Menschsein), und man vegetiert halt so dahin. Atmosphärisch fühlte ich mich immer wieder an The Bad Batch erinnert, ob nun Sandwüste oder Schlammwüste ist auch schon egal. Allerdings wirft Tim Fehlbaum nicht jegliche konventionelle Storyline über Board, um seine Dystopie auszureizen, im Gegenteil: Die Handlung selbst rund um die wortwörtlich gestrandete Aufklärungsastronautin Blake (Nora Arnezeder) kann in Sachen Originalität mit den eindrucksvollen Bildern nicht mithalten und liefert schon bekannte Kost. Die ist jetzt nicht schlecht, aber eben leider etwas arg vorhersehbar. Dennoch ist „Tides“ ein Film, der die große Leinwand verdient und auch darauf genossen werden will.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: © Constantin Film/BerghausWoebke/Gordon Timpen, Quelle http://www.imdb.com)