Viennale 2013

Nebraska (2013)

Regie: Alexander Payne
Original-Titel: Nebraska
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Drama, Roadmovie, Komödie
IMDB-Link: Nebraska


Wenn sich der starrköpfige und wohl schon zu Demenz neigende Vater in den Kopf gesetzt hat, dass er einen Lottogewinn gemacht hat, den er in seiner alten Heimat in Nebraska persönlich abholen muss, dann muss der erfolglose und mit vielerlei privaten Problemen geplagte Sohn halt ins Auto steigen und den alten Herrn dorthin kutschieren. Da nützen auch die schärfsten Proteste der pragmatischen Angetrauten des Millionärs in spe nichts, die, wie alle weiteren Protagonisten, nicht an den großen Gewinn glauben will. Was sich daraufhin entspinnt, ist eine wunderbar tragikomische, von allen Beteiligten herausragend gespielte Reise in die stille Weite Nebraskas und die traurigen Erinnerungen an die längst verflogene Jugend. Bruce Dern ist fantastisch als alter Starrkopf, der mal gerne das eine oder andere Bierchen über den Durst trinkt. Will Forte brilliert als sein stoischer Widerpart und überforderter Sohn, und immer, wenn June Squibb als Ehefrau und Mutter im Bild ist, stiehlt sie allen die Show (zurecht nominiert für den Oscar als beste Nebendarstellerin). Wie fast alle Filme von Alexander Payne weist auch „Nebraska“ den für ihn typischen lakonischen Humor auf, der die Abgründe und den Schmerz der Seele gekonnt bedeckt. Gefilmt in wunderschönen Schwarz-Weiß-Aufnahmen ist „Nebraska“ wohl sein ruhigster, vielleicht aber auch sein eindrücklichster Film.


8,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Polyfilm)

Joe – Die Rache ist sein (2013)

Regie: David Gordon Green
Original-Titel: Joe
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Drama
IMDB-Link: Joe


Mit Nicolas Cage ist es ja so eine Sache. Er kann genial sein. Oder aber auch unglaublich nervig. In „Joe“ von David Gordon Green ist er glücklicherweise wieder mal Ersteres. Er spielt einen Redneck und Trinker, der sich als Waldarbeiter über Wasser hält. Eines Tages macht er die Bekanntschaft mit dem 15jährigen Gary, der aus einer zerrütteten Familie kommt. Der Vater (unfassbar gut und intensiv gespielt von Gary Poulter) ist ein nutzloser, gewaltbereiter Alkoholiker, der die ganze Familie tyrannisiert. Joe erkennt in Gary eine Art zweite Chance bzw. die Möglichkeit, den Jungen auf einen anderen Pfad zu führen als er selbst einst eingeschlagen hat. Allerdings macht ihm der unberechenbare Vater einen Strich durch die Rechnung.

„Joe“ ist ein stilles, exzellent gespieltes Drama, das sich in den unteren Schichten der USA entspinnt. Hart arbeitende, aber am Leben scheiternde Menschen trinken, vögeln, fluchen, und Menschenwürde ist nur ein Treppenwitz. Dennoch blitzt immer wieder das Bemühen auf, seinem Leben eine andere Wendung zu geben, die Dinge besser zu machen, wenn man nur diese eine Chance hätte. Getragen wird der Film zudem vom schon erwähnten Gary Poulter, der das Kunststück zustanden bringt, Dämon und Mensch gleichzeitig zu sein. Traurige Wahrheit: Gary Poulter war tatsächlich ein Obdachloser und Trinker, der auf der Straße für diesen Film entdeckt wurde. Die Filmpremiere erlebte er nicht mehr. Kurz vor der Veröffentlichung des Films starb er so, wie er gelebt hatte: Auf der Straße in der Nähe eines Obdachlosenheims.


8,0
von 10 Kürbissen

Night Moves (2013)

Regie: Kelly Reichardt
Original-Titel: Night Moves
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Drama, Politfilm
IMDB-Link: Night Moves


Night Moves von Kelly Reichardt war mein erster Viennale-Film überhaupt. Für diesen Beginn im Jahr 2013 hätte es schlechtere Filme geben können, aber auch deutlich bessere. Die US-amerikanische Filmemacherin erzählt in diesem Politdrama auf eine für sie übliche langsame Art und Weise die Geschichte dreier junger Öko-Aktivisten (gespielt von Jesse Eisenberg, Dakota Fanning und Peter Sarsgaard), die einen Anschlag auf einen Staudamm durchführen. Am Tag danach erfahren sie, dass ihre nächtliche Aktion nicht folgenlos geblieben ist und müssen sich nun mit nagenden Gewissensbissen herumplagen. Das alles wird sehr ruhig erzählt. Die drei jungen Zukunftsgestalter fahren durch die Nacht, planen, sitzen herum, vergewissern sich noch einmal, dass sie das tatsächlich tun, und der eigentliche (terroristische) Akt wird nebenbei abgehandelt, als ginge es gar nicht darum. Die Geschichte plätschert vor sich hin und ist eher in den gequälten Gesichtszügen Jesse Eisenbergs zu erahnen als dass man sie tatsächlich auf der Leinwand oder dem Bildschirm verfolgen kann. Die Frage nach Schuld trotz guter Absichten drängt sich auf. Allerdings bleiben mir die Figuren aufgrund des distanzierten Blicks fremd und gleichgültig. Dass sie nicht unbedingt als Sympathieträger gezeichnet werden, hilft auch nicht wirklich. Insgesamt ein Film, den man sich ansehen kann, wenn er mal läuft, aber wenn man ihn auslässt, hat man auch nichts falsch gemacht.


5,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Stadtkino)