Weihnachtsfilm

Kevin – Allein zu Haus (1990)

Regie: Chris Columbus
Original-Titel: Home Alone
Erscheinungsjahr: 1990
Genre: Komödie, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: Home Alone


Wenn wir schon bei Weihnachtsfilmen sind, so darf ein Film natürlich nicht fehlen. Nachdem die großen Klassiker wie Tatsächlich … Liebe und Stirb Langsam hier schon besprochen wurden, wird nun ein Blick auf „Kevin – Allein zu Haus“ geworfen. Die Story sollte hinlänglich bekannt sein: Der von seiner Familie missverstandene Kevin (Macaulay Culkin, der trotz des unaussprechlichen Vornamens für eine Zeit lang the shit war, ehe er sich für eine Karriere im Drogenmilieu entschieden hat) wünscht sich, die würde sich zum Teufel scheren, und wie es der Zufall und eine schicksalshafte Fügung so will, wacht er am nächsten Morgen komplett allein zu Hause auf. Nach kurzem Schock die Freude: Endlich machen, was man will. Und weil der 8jährige Lümmel nicht auf den Kopf gefallen ist, richtet er es sich bald gemütlich ein – sehr zum Missfallen der beiden Einbrecher Harry und Marv (Joe Pesci und Daniel Stern). Diese beschließen, trotz des Kindes einzubrechen und stellen bald fest, dass das die schlechteste Idee ihres Lebens war. „Kevin – Allein zu Haus“ lebt von einem sehr charismatischen Macaulay Culkin und der kindlichen Freude, die er damit hat, Erwachsenen die Haare vom Kopf zu brennen und ihnen Bügeleisen auf den Schädel fallen zu lassen. Jedem seine Hobbys. Später sieht man das Ganze vielleicht ein bisschen differenzierter und hat Mitleid mit den geschundenen Kreaturen, die am Schluss wohl keinen heilen Knochen mehr im Körper haben, aber wenn man sich wieder zurückversetzt in die Kindheit, sich den wunderbaren Spaß, den man hatte, wenn andere Menschen gequält werden, vor Augen hält, dann funktioniert der Film auch heute noch. Kinder sind eben Arschlöcher.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Klaus (2019)

Regie: Sergio Pablos
Original-Titel: Klaus
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Animation, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: Klaus


„Klaus“ ist die Geschichte, wie ein einfacher Mann auf einer abgelegenen Insel seine magischen Kräfte entdeckt, sich in ein rotes Kostüm schmeißt, fliegen lernt und fortan seine Dienste im Sinne des Wohles der Menschheit einsetzt. „Klaus“ ist eine Superhelden-Origins-Story. Und: „Klaus“ ist vielleicht der beste Weihnachtfilm seit Jahren. Dabei beginnt der Film gar nicht mal so weihnachtlich, nämlich mit dem verwöhnten Bengel Jesper, der dank des Reichtums seines Vaters, eines Postmagnaten, nur auf der faulen Haut liegen kann, während sich um ihn herum die Postbediensteten den Arsch abrackern. Sein Vater gibt ihm eine letzte Chance, sich zu beweisen: Jesper soll auf der entlegenen Insel Smeerensburg eine Postfiliale aufbauen und 6.000 Briefe innerhalb eines Jahres zustellen. Gelingt ihm das nicht, droht die Enterbung. Also macht sich Jesper widerwillig auf den Weg, nur um festzustellen, dass Smeerensburg der unfreundlichste Ort der Welt ist. Zwietracht herrscht zwischen den beiden wichtigsten Familien des Dorfes und ihrer Angehöriger. Kein Wunder, dass sich niemand hier Briefe schreibt. Als Jesper eher zufällig auf den Einsiedler Klaus und seine Sammlung an selbst gefertigtem Spielzeug stößt, entsteht ein verwegener Plan, der ihm helfen soll, von diesem verdammten Eiland wegzukommen. Was soll ich sagen? „Klaus“ macht einfach in allen Belangen alles richtig. Der Film hat das Herz am rechten Fleck, ohne zu sehr in Richtung Kitsch abzudriften, die Animationen sind simpel und traditionell, aber in einem sehr markanten Stil mit Wiedererkennungswert gehalten, und der Story gelingt es tatsächlich, dem altbekannten Santa Claus-Thema neue Facetten abzugewinnen. Der Film ist da ernst, wo er ernst sein muss, und da komisch, wo es auch mal lustiger zugehen soll. Keine der Hauptfiguren wirkt eindimensional, alle haben ihre Probleme, ihre Schwächen, aber auch die Stärke, sich diesen zu stellen. Ein überaus erwachsener Animationsfilm, der trotzdem kindliche Freude bereitet. Ein Film, der das Zeug zum absoluten Weihnachtsklassiker hat.


8,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Verrückte Weihnachten (2004)

Regie: Joe Roth
Original-Titel: Christmas with the Kranks
Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Komödie, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: Christmas with the Kranks


Lasst uns mal über Antagonisten reden. Ja, diese Schurken, die alles Leben aushauchen und Tod bringen möchten, die stets Dunkelheit bevorzugen und das Licht meiden, die bösen Russen mit ihren Kalaschnikows und unverständlichem Akzent, die im Stechschritt marschierenden Nazis, die Männer mordenden Femme Fatales und die genialen Blofelds, die immer ein bisschen zu viel quatschen und deshalb ihre sinisteren Pläne nicht zu Ende bringen können. All diese Bösewichte sind harmlos im Vergleich zur fiesesten Film-Antagonistin ever: dem verwöhnten, selbstsüchtigen Töchterchen der Kranks (Tim Allen und Jamie Lee Curtis): Satansbraten Blair (Julie Gonzalo). Diese egoistische Bitch dampft kurz vor Weihnachten nach Peru ab, um sich selbst zu finden, was die Eltern schon mal per se ratlos und emotional zerstört zurücklässt, sodass sie Weihnachten komplett spritzen möchten, findet dort aber nach wenigen Wochen heraus, dass ihr das ganze Blingbling dann doch fehlt (aber ehrlich: die ist ja nur auf die Geschenke scharf), und schneit nun komplett unverhofft doch wieder zuhause ein – samt Latin Lover im Gepäck und der Erwartungshaltung, dass innerhalb weniger Stunden ein Weihnachtsfest organisiert werden kann, wie es sich der verzogene Fratz wünscht. Hätte ich dank des magischen Tickets aus Last Action Hero in den Film einsteigen können, ich wäre zum Flughafen gefahren und hätte da erst mal einen Drogenspürhund auf sie angesetzt, um sie nach Guantanamo verfrachten zu lassen. Dort hätte sie sich für den Rest ihres Lebens „Verrückte Weihnachten“ ansehen müssen, die Augen per Zahnstocher aufgezwungen und bei voller Lautstärke, sodass jeder von Jamie Lee Curtis‘ irrer Kreischanfälle bis ins Knochenmark fährt. Und selbst das wäre noch zu nett für diese Ausgeburt der Hölle gewesen, die nun bei mir einzementiert ist als fiesester Filmbösewicht aller Zeiten.


4,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Kevin – Allein in New York (1992)

Regie: Chris Columbus
Original-Titel: Home Alone 2: Lost in New York
Erscheinungsjahr: 1992
Genre: Komödie, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: Home Alone 2: Lost in New York


Okay, vielleicht habe ich eine sadistische Ader. Denn nach einem Re-Watch von „Kevin – Allein in New York“, der Fortsetzung der Erfolgskomödie „Kevin – Allein zu Haus“, musste ich meine ursprünglich magere Bewertung ordentlich auffetten. Die Szenen, in denen der Satansbraten Kevin (Macaulay Culkin), der aufgrund eines Missverständnisses nicht mit seiner Familie in den Weihnachtsurlaub nach Florida fliegt, sondern mit Papas Kreditkarte versorgt allein in New York landet, den beiden Bösewichtern (Joe Pesci und Daniel Stern) ordentlich was auf die Mütze gibt, bringen mich auch heute noch zum Lachen. Wie gesagt, da schlummert vielleicht ein kleiner Sadist in mir, der sich daran erfreut, wenn der Obertrottel Marv Ziegelsteine auf den Kopf bekommt oder die Frisur von Harry wortwörtlich gesprengt wird. Die lustigste Szene ist aber jene im Hotel, als sich Kevin des aufdringlichen Hotelpersonals (u.a. Tim Curry) mit Hilfe des Fernsehers entledigt. Das ist pfiffig geschrieben und amüsant umgesetzt. Zwar kommt man im Laufe des Films unweigerlich an den Punkt, an dem einen die malträtierten Häfenbrüder leid tun und man ihnen wünscht, dem blonden ADHS-Kind endlich mal ordentlich was zurückzugeben, aber natürlich passiert das nie – wir sind schließlich in einem Familienfilm, in dem nur die Bösen gefoltert, gesprengt, erschlagen und verbrannt werden. Dazu gibt es noch eine weihnachtliche Feelgood-Botschaft durch die Begegnung mit einer obdachlosen Taubenfrau, und am Ende ist die glückliche Familie wieder vereint und darf Geschenke auspacken. Eigentlich ist das alles ziemlich kitschiger Mist. Aber Sadisten wie ich lachen trotzdem herzlich mit.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Liebe braucht keine Ferien (2006)

Regie: Nancy Meyers
Original-Titel: The Holiday
Erscheinungsjahr: 2006
Genre: Rom-Com, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: The Holiday


Wir müssen über Jack Black reden. Ich mag ihn. Er ist witzig, selbstironisch, ein großartiger Musiker, war toll in „School of Rock“, passte überraschend gut in Peter Jacksons „King Kong“, und das Re-Boot von „Jumanji“ wäre ohne ihn auch nur halb so lustig. Aber was zum Geier dachten sich die Casting-Agenten von „Liebe braucht keine Ferien“, als sie ihn als Love Interest von Kate Winslet besetzten? Mir tut der Mann ehrlich leid. Er bemüht sich nach Kräften, aber er ist eben der lustige Kumpel-Typ, und nicht jener, der von den heißesten Frauen des Universums angeschmachtet werden. Dazu wird er von der unfassbar talentierten Kate Winslet gnadenlos an die Wand gespielt. Und genau deshalb funktioniert „Liebe braucht keine Ferien“ von Nancy Meyers nur bedingt. Rundum gut sind sie Szenen mit Cameron Diaz und Jude Law, die wirklich eine gute Chemie miteinander haben. Die amerikanische Schnepfe, die im britischen Landhaus den charismatischen Dandy verfällt, der sich in weiterer Folge als überraschend facettenreich herausstellt, wird von Diaz gut verkörpert, das ist stimmig. Über Kate Winslet, die Britin, die mit der Amerikanerin über die Weihnachtsferien Häuser getauscht hat und nun in L.A. zwischen Musikproduzenten und gefeierten Drehbuchautoren ein bisschen quirky britishness einbringt, muss man ohnehin nicht viele Worte verlieren. Ich halte sie für eine der talentiertesten Schauspielerinnen überhaupt – sie kann einfach nicht schlecht spielen. Bleibt also Jack Black. Und da donnert’s die Bewertung für den an sich sympathischen, witzigen und größtenteils gelungenen Film um mindestens einen ganzen Kürbis, wenn nicht mehr, nach unten. Jack Blacks Auftritt hat seiner Karriere zum Glück nicht groß geschadet. Dem Film aber schon.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Tatsächlich … Liebe (2003)

Regie: Richard Curtis
Original-Titel: Love, Actually
Erscheinungsjahr: 2003
Genre: Episodenfilm, Komödie, Liebesfilm, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: Love, Actually


Da kommt er wieder durch, der Romantiker in mir. Der zweitschönste Weihnachtsfilm nach Stirb Langsam ist ein warmherziger und humorvoller Episodenfilm mit einer legendären Besetzung (Emma Thompson! Liam Neeson! Hugh Grant! Bill Nighy! Keira Knightley! Colin Firth! Alan Rickman! Laura Linney! Martine McCutcheon! Martin Freeman!) – da bleiben selbst Granden und Promis wie Billy Bob Thornton, Rowan Atkinson, Elisha Cuthbert, Claudia Schiffer, Denise Richards, Shannon Elizabeth und Chiwetel Ejiofor nur kleinste Nebenrollen und Cameo-Auftritte. Kurz gesagt: Alles, was kurz nach der Jahrtausendwende talentiert und angesagt war, wurde in diesen Film gepackt. Und die Rechnung geht auf. Zwar sind nicht alle Episoden zwingend oder wirklich überzeugend (den Handlungsstrang mit dem Vollidioten, der sein Glück in den USA versuchen möchte, fand ich immer doof, und was Alan Rickmans Charakter an Heike Makatsch fand, erschloss sich mir auch nie), aber in den besten Momenten ist „Tatsächlich … Liebe“ schlicht das Referenzwerk für romantische Komödien. Da steckt so viel Herzblut und Charme und Witz drinnen, und alle Darstellerinnen und Darsteller hatten sichtlich Spaß mit ihren Rollen. Ganz groß ist die Geschichte rund um den gehörnten Schriftsteller Jamie (Colin Firth), der in Frankreich sämtliche Sprachbarrieren überwindet. Und mein persönliches Traumpaar ist Hugh Grant als britischer Premierminister (den er so anlegt, wie er jede Figur anlegt: verpeilt, charmant und ein bisschen neben der Spur, aber genau so funktioniert die Figur auch wunderbar) und Martine McCutcheon als dessen unglaublich süße Assistentin, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Die Chemie zwischen den beiden ist überragend. Schade, dass es für McCutcheon mit der Rolle nicht zum großen Karrieresprung gereicht hat, aber dafür war sie vielleicht auch ein Stück zu speziell, zu britisch. Überhaupt ist „Tatsächlich … Liebe“ nach Monty Python vielleicht das Britischste seit der Erfindung von Baked Beans. Und seit über 15 Jahren gehört er zu Weihnachten wie ein schwitzender, blutender Bruce Willis im Aufzugschacht. Was soll ich sagen? Traditionen und Kulturgüter muss man pflegen.


8,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Stirb langsam (1988)

Regie: John McTiernan
Original-Titel: Die Hard
Erscheinungsjahr: 1988
Genre: Action, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: Die Hard


Was wäre die besinnliche Zeit des Jahres ohne Weihnachtsfilme? Und der größte Klassiker unter den Weihnachtsfilmen ist „Stirb langsam“. Weihnachten ist dann, wenn Jack Gruber (Alan Rickman) aus dem 30. Stock des Nakatomi Towers fällt. Und wenn ein verschwitzter, verdreckter und blutender John McClane (Bruce Willis in seiner Paraderolle) seine Angetraute Holly (Bonny Bedelia) im Arm hält. Und wenn Sgt. Powell (Reginal VelJohnson) endlich wieder töten kann. Kaum ein anderer Film verkörpert den Geist der Weihnacht so perfekt wie John McTiernans Action-Kracher aus den 80ern. Warum der Film auch heute noch funktioniert? Weil er auf das Wesentlichste reduziert ist. Da gibt es keinen unnötigen Schnickschnack. Gut, die Computerbildschirme sehen definitiv nicht mehr zeitgemäß aus, aber John McClane ist ohnehin mehr der analoge Typ. Das Szenario ist simpel: 12 Terroristen in einem abgeschotteten Hochhaus in L.A. und ein Bulle aus New York, den die bösen Buben bei ihrer Geiselnahme blöderweise übersehen. Und das geht gar nicht gut aus für sie. Denn die mögen zwar schwer bewaffnet und gut organisiert sein, aber dafür haben sie es mit dem größten Sturschädel der westlichen Hemisphäre zu tun. Und der ist mächtig sauer. Den Rest des Films haben die Toten Hosen in ihrem Song „10 kleine Jägermeister“ besungen: Es wird fröhlich heruntergezählt, bis nur noch der Hauptschurke übrig ist. Und das ist es dann auch. Das ist der ganze Film. Aber genau deshalb, weil er kein Statement setzen möchte, weil er nicht mit überraschenden Wendungen und komplexen Handlungen punkten möchte, funktioniert er so gut. Und so hat man zwei Stunden lang ein Grinsen im Gesicht, bis alle bösen Jungs tot sind und die fröhliche Weihnachtsmusik des Abspanns erklingt. Merry Christmas!


9,0
von 10 Kürbissen

A Very Murray Christmas (2015)

Regie: Sofia Coppola
Original-Titel: A Very Murray Christmas
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Komödie, Musikfilm, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: A Very Murray Christmas


Ich habe Netflix. Seit heute. Was gleichbedeutend ist mit: Ich habe kein Leben mehr. Jedenfalls nicht außerhalb von Netflix. Den Auftakt meines Netflix-Lebens hat nun jener Film gemacht, der mich vor zwei Jahren schon fast dazu bewogen hätte, einen Netflix-Account einzurichten: „A Very Murray Christmas“ von – man lese und staune – Sofia Coppola. Dieser eigens produzierte Weihnachtsfilm handelt von einem schlecht gelaunten Bill Fucking Murray (Zitat Woody Harrelson in „Zombieland“), der in einem Hotel live eine Weihnachtsshow moderieren soll. Das Problem ist: Ganz New York ist eingeschneit, alles steht still – und die Gäste können nicht kommen. Kein George Clooney.  Keine Iggy Azalea. Kein Papst Franziskus. Lediglich Chris Rock verirrt sich in die Hotellobby und wird prompt zu einer Gesangsnummer eingeteilt. Als aber dann auch noch der Strom ausfällt, ist wirklich Feierabend, und Bill Murray zieht sich in die Hotelbar zurück, wo er mit den Angestellten Weihnachtslieder singt, bis der Sliwowitz einfährt.

„A Very Murray Christmas“ ist definitiv ein Weihnachtsfilm, den man gesehen haben sollte. Wenn Bill Murray und Sofia Coppola einfach auf alles pfeifen und die Szenen in puren Dadaismus abgleiten lassen, ist das gelebte cineastische Anarchie. Großartig! Nur leider hält der Film das nicht immer durch, und manche Passagen sind schlicht langweilig. Auch die Story ist nicht mehr als eine Entschuldigung dafür, Bill Murray und Gäste eine Stunde lang Weihnachtslieder singen zu lassen. Wer sich davon nicht abschrecken lässt und ein ähnlicher großer Bill Murray-Fan ist wie Woody Harrelson, sollte einen Blick riskieren. Ein richtiger Film ist das eigentlich nicht. Aber es macht trotzdem Spaß.


6,0
von 10 Kürbissen

Weihnachtsmann gesucht (2002)

Regie: Uwe Janson
Original-Titel: Weihnachtsmann gesucht
Erscheinungsjahr: 2002
Genre: Komödie, Rom-Com, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: Weihnachtsmann gesucht


Christoph Waltz. Er war (nicht mehr ganz so) jung und brauchte das Geld. Klinkenputzen vor den Oscars. In diesem Fall haben ihn die Nöte des Alltags dazu gebracht, die Rolle des griesgrämigen, verhuschten, seine Exfrau krankhaft stalkenden Johannes anzunehmen in einer romantischen deutschen Weihnachtskomödie. (Nuff said.) 1,5 Stunden lang durchläuft nun der große Waltz und mit ihm sein Publikum sämtliche Kreise der Hölle. Der Film ist eine Mischung aus Fegefeuer und chinesischer Tröpfchenfolter, und es zerreißt einem fast das Herz, zu sehen, wie sehr sich Waltz bemüht, zumindest ein bisschen Klasse in die ganze Chose zu bringen, und wie er daran scheitert. Denn wenn das Drehbuch Dialoge vorgibt, gegen die die Teletubbies plötzlich wie avantgardistische Kunst wirken, gibt’s einfach keine Rettung mehr. Die Handlung: Der Zoofachhändler Johannes lebt in der Wohnung neben seiner Ex-Frau Marion (von Barbara Auer als Lady in Red getarnte nervtötende Zickentussi gespielt) und hängt immer noch an ihr. Blöd, dass eine (rissige) Mauer die beiden Wohnungen voneinander trennt. Nun ja, Zoofachhändler stellt Aushilfe ein, ein Psychologe, der nebenberuflich als Weihnachtsmann arbeitet, Aushilfe verletzt sich durch Schuld des Zoofachhändlers den Fuß, weihnachtshassender Zoofachhändler muss als Weihnachtsmann aushelfen, trifft auf Kind (Oscar für das nervigste Arschlochkind der Filmgeschichte – bitte posthum verleihen), das traurig ist, weil sich die Eltern so furchtbar viel streiten tun, Zoofachhändlerweihnachtsmann gibt genervtes Versprechen, dass sich Eltern wieder vertragen werden, stellt immer noch der Tussi in Red nach, Kind wird noch trauriger und noch nerviger, es kommt zur Katastrophe (Spoiler: die Katastrophe ist, dass das Kind überlebt), Zoofachhändlerweihnachtsmann besinnt sich nun doch menschlicher Werte, Kind und Familie erleben Happy End (leider), Zoofachhändler erlebt Happy End, Klappe zu, Zuseher tot. Alle Klischees, die irgendwie denkbar sind, haben sich in diesem Machwerk versammelt. Kein Problem – man muss ja nur aufs DVD-Cover schreiben, dass es sich dabei um eine „augenzwinkernde Liebeskomödie“ handelt, dann kann man auch den ärgsten Scheiß verkaufen. Armer Waltz. Ich glaube, jedes Mal, wenn der Film irgendwo im Fernsehen angekündigt wird, wirft er einen Blick auf das Regal mit den beiden Oscars und fängt bitterlich an zu weinen. Aber zumindest lässt sich aus dem Film für die nächsten Jahre ein super Trinkspiel zu Weihnachten ableiten. Jedes Mal, wenn Barbara Auer überrascht die Augen aufreißt, einen Kurzen, und einen Doppelten jedes Mal, wenn das nervige Kind im Bild ist. Frohe Weihnachten. Und nicht vergessen: Vorab die Rettung verständigen, das kann dann sehr schnell gehen …


1,5
von 10 Kürbissen