Woody Allen

Hannah und ihre Schwestern (1986)

Regie: Woody Allen
Original-Titel: Hannah and Her Sisters
Erscheinungsjahr: 1986
Genre: Komödie, Rom-Com
IMDB-Link: Hannah and Her Sisters


Irgendwie fühlen sich alle Woody Allen ja ziemlich gleich an. Das Grundrezept besteht aus Jazz, Spaziergängen und neurotischen Menschen. „Hannah und ihre Schwestern“ aus dem Jahr 1986, dreifach Oscar-geadelt (Dianne Wiest, Michael Caine und Woody Allen für das beste Script) ist hierbei keine Ausnahme. In der Tonalität ist der Film allerdings ein wenig gesetzter, nicht direkt melancholisch, aber mit leiseren Zwischentönen, die der Geschichte rund um der farblosen Hannah (Mia Farrow), die es allen Recht machen möchte und dabei übersieht, dass ihr Umfeld aus den Fugen gerät, und ihrer beiden Schwestern Holly (Dianne Wiest) und Lee (Barbara Hershey), gut tun. Hannah scheint zunächst jene Schwester zu sein, die ihr Leben noch am besten in den Griff bekommen hat. Allerdings fängt ihr Mann (Michael Caine) eine Affäre mit ihrer eigenen Schwester Lee an. Und auch der Ex-Mann (Woody Allen) ist keine Stütze – der nervöse Hypochonder sieht sich schon mit einem Gehirntumor konfrontiert, der ihn in eine tiefe Sinnkrise stürzt. Und Hannahs Schwester Holly hat mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen – mit Zurückweisungen, die sie als angehende Schauspielerin erfährt, und der Tatsache, dass ihre beste Freundin April (Carrie Fisher), mit der sie zudem einen Catering-Service betreibt, bei den interessanten Männern besser ankommt. Eigentlich fällt es schwer, in Woody Allens Film einen roten Faden zu finden, denn jede Figur hat so ihre Probleme und jede bekommt genügend Screentime, um diese auch vor den Zusehern auszubreiten. Das alles ist allerdings charmant von tollen Schauspielern und einem Script, das dennoch eine gewisse Grundordnung bewahrt, zusammengehalten und ist kurzweilig anzusehen. Am Ende sind – wie bei vielen Woody Allen-Filmen – die Figuren nur unmerklich von ihrer Ausgangsposition zu Beginn des Films entfernt, aber das kleine Stück Weg, das sie dank ihrer Erkenntnisse zurückgelegt haben, kann eine ganz neue Welt bedeuten.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc., Quelle: imdb.com)

The Purple Rose of Cairo (1985)

Regie: Woody Allen
Original-Titel: The Purple Rose of Cairo
Erscheinungsjahr: 1985
Genre: Komödie, Fantasy, Liebesfilm
IMDB-Link: The Purple Rose of Cairo


Wenn das Leben nicht so glatt läuft, flüchtet man gerne in die Welt der Filme und des Kinos. Aber was, wenn das Kino in die Realität flüchtet? Was John McTiernan in Last Action Hero als Actionkino genussvoll zelebriert hat, lotete Woody Allen auf seine unnachahmlich spleenige Weise schon acht Jahre zuvor in „The Purple Rose of Cairo“ aus. Hier flüchtet zunächst die ungeliebte Ehefrau und Kellnerin Cecilia (Mia Farrow) ins Kino, ehe die Nebenfigur, der Abenteurer Tom Baxter (ein junger Jeff Daniels), genug davon hat, immer die gleichen Zeilen aufzusagen und sich einfach von der Leinwand davonstiehlt ins reale Leben – sehr zur Überraschung seiner Mitfiguren (u.a. Edward Herrmann), die ohne ihn nicht weiterkommen im Plot. Und während Kinobesucher wie Leinwandfiguren fadisiert darauf warten, wie es nun endlich weitergeht, fangen Tom Baxter und Cecilia eine zarte und filmreife Romanze an. Blöd nur, dass das weder im Sinne der Studiobosse ist, die unrühmliche Klagen befürchten, noch in jenem von Tom Baxter-Darsteller Gil Shepherd (natürlich ebenfalls Jeff Daniels). Im darauf folgenden Tohuwabohu verschwimmen Fiktion und Realität – ein Thema, das Woody Allen immer wieder in seinen Filmen beschäftigt. „The Purple Rose of Cairo“ gehört definitiv zu den gelungenen Woody Allen-Filmen und macht trotz der tragischen Situation der Hauptfigur unheimlich viel Spaß. Zwar sieht man dem Film sein Alter mittlerweile an, aber ein guter Plot ist ein guter Plot, daran ist nicht zu rütteln. Und auch wenn der Film – wie für Woody Allen – von einer entspannten Leichtigkeit getragen wird, so geht er nie den einfachsten Weg, sondern hat immer auch ein Auge auf die Nöte der Realität, deren Wege in der Regel leider anders verlaufen als im Film.


7,5
von 10 Kürbissen

(Filmzitat: Quelle imdb.com)

A Rainy Day in New York (2019)

Regie: Woody Allen
Original-Titel: A Rainy Day in New York
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Komödie, Liebesfilm
IMDB-Link: A Rainy Day in New York


Zwei Dinge sind mittlerweile einfach fix. Erstens: Woody Allen bringt jedes Jahr einen neuen Film heraus. Zweitens: Mit jedem Film wird wieder aufgerollt, ob man sich Woody Allen-Filme überhaupt noch ansehen darf, da es ja da diese alten Vorwürfe gibt, die nie ganz ausgeräumt wurden etc. Es fällt manchmal schwer, die Grenze zu ziehen zwischen dem eigenen Anspruch, ein moralisch integerer Mensch zu sein, und der Gefahr, an der Klippe der Vorverurteilungen von Sachverhalten, zu denen man eigentlich keine Information hat außer jenen, die die Presse aufköchelt, abzurutschen. Fakt ist jedoch, dass Woody Allen gute Filme dreht. Die können mal besser sein, mal etwas mäßiger, aber wirklich Schlechtes ist da eigentlich nie dabei. „A Rainy Day in New York“ gehört aus meiner Sicht zu jenen gelungenen Filmen, die vielleicht keine großen Spuren hinterlassen werden, die man sich aber dennoch gerne ansieht. Denn mit eindrucksvoller Leichtfüßigkeit lässt Woody Allen seine Figuren durch ein verregnetes Wochenende in New York schlendern. Dabei machen sie neue Bekanntschaften und stellen sich alten Problemen. Auch wenn der Fokus auf Timothée Chalamets Gastby liegt, ein Bourgeois, der aus alten Zeiten gefallen zu sein scheint, so ist es doch dessen Freundin Ashleigh (Elle Fanning), eine naive Studentin und Möchtegern-Reporterin, die den Film interessant macht. Um sie kreisen Liev Schreiber als Regisseur in einer Schaffenskrise, Jude Law als nervöser und gehörnter Drehbuch-Autor und Diego Luna als Zorro für Arme. Elle Fanning dabei zuzusehen, wie sie tapsig und herzig von einer überfordernden Situation in die nächste stolpert, macht den Film allein schon sehenswert. Aber auch Chalamet macht seine Sache gut – er passt mit seiner verpeilten gutbürgerlichen und kultivierten Art einfach in einen Woody Allen-Film, anders als anno dazumals Jesse Eisenberg. Und so sieht man den melancholischen Figuren, die alle Woody Allen selbst reflektieren, gerne zu, wie sie im Regen Facetten ihrer Persönlichkeit herausfinden, die ihnen vielleicht noch nicht so ganz bewusst waren. Mehr ist „A Rainy Day in New York“ nicht. Weniger aber auch nicht.

Eine Sache noch: Auch wenn ich ihn hier poste, weil ich immer die Trailer poste, sei doch vor diesem Trailer gewarnt. Er erzählt nicht weniger als den ganzen Film. Lieber also selbst das Kino eures Vertrauens aufsuchen und die Geschichte mit eigenen Augen entdecken.


6,5
von 10 Kürbissen

Café Society (2016)

Regie: Woody Allen
Original-Titel: Café Society
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Komödie
IMDB-Link: Café Society


Ein Filmjahr ohne dem jährlichen Woody Allen-Film? Unvorstellbar. Der kontinuierliche Output des Altmeisters führt allerdings dazu, dass die Qualität der Filme höchst unterschiedlich ist. Das ist verständlich – ein Meisterwerk wie zB „Match Point“ bringt man eben nicht jedes Jahr zustande. „Café Society“ ist ein kleiner, entspannter Film, der nicht viel sein will – und es auch nicht ist. Jesse Eisenberg und Kristen Stewart spielen an der Seite von Steve Carrell zwei junge Menschen, die sich finden, dann aber doch nicht halten können, und das Ganze findet vor dem Hintergrund der Golden Era des Hollywood der 30er Jahre statt. Höchst amüsant ist der Nebenstrang, der sich mit dem Aufstieg des Bruders des Hauptprotagonisten zu einem der einflussreichsten Nachtclubbesitzer auseinandersetzt – was dieser Bruder mit relativ rigorosen Methoden erreicht. Die Betonmischmaschine wird mehr als einmal angeworfen. So erbaulich das Ganze allerdings zeitweise anzusehen ist, fehlen mir jedoch zwei wesentliche Ingredienzien: Chemie (zwischen Eisenberg und Stewart, die beide für sich sehr gut spielen, aber ein Funkenregen sieht anders aus) und Relevanz. Wenn man nach 1,5 Stunden den Kinosaal verlässt, wurde man zwar ganz nett unterhalten, aber im Grunde war’s wurscht, ob man den Abend auf diese Weise oder mit einem Spaziergang durch die nachtbeleuchtete Stadt verbracht hat. Letzteres ist nämlich auch wie der Film: Sehr schön und was fürs Auge, aber nichts, woran man sich noch lange erinnert.


5,0
von 10 Kürbissen