Die Frauen von Riasan (1927)

Regie: Olga Preobaschenskaja
Original-Titel: Baby Rjansanskije
Erscheinungsjahr: 1927
Genre: Drama
IMDB-Link: Baby Rjansanskije


Der Kürbis war mal wieder auf Tauchgang und hat in den tiefen Gräben des Filmarchivs einen Schatz gefunden: „Die Frauen von Riasan“ von Olga Preobaschenskaja, ein früher Wegbereiter des naturalistischen und feministischen Kinos. Diese gewaltigen und wichtig klingenden Worte sollen allerdings nicht abschrecken, denn „Die Frauen von Riasan“ ist vor allem eines: Eine verdammt gut erzählte, wundervoll gefilmte Geschichte, die in ihrer Subtilität eine gewaltige Kraft entfaltet. Preobaschenskaja berichtet in ihrem Film von der Rolle der Frau am Wendepunkt des vorigen Jahrhunderts, vom Übergang des russischen Zarenreichs in die Moderne, vom Krieg und der Macht- und Hoffnungslosigkeit, die diesen begleiten, von häuslichen Schrecken und Missbrauch, von Liebe und dem Verlust derselben. Erstaunlich, dass man all dies in einem so frühen Film findet. Noch erstaunlicher, dass die Bilder auch heute noch packen, das Schauspiel noch genauso überzeugt, die Stimmung und Atmosphäre so zeitlos scheinen. Die Hauptfigur ist Anna, deren Mann kurz nach der Heirat eingezogen wird und in den Wirren des Ersten Weltkriegs verschwindet. Die Jahre vergehen, und irgendwann kann sie sich den Zudringlichkeiten des geilen Schwiegervaters nicht mehr erwehren. Ein Kind wird geboren. Anna macht weiter, denn was bleibt ihr auch übrig? Dann steht eines Tages ihr Ehemann vor der Tür. „Die Frauen von Riasan“ ist bedrückend, brisant und hochgradig aktuell. Eine Milieustudie, die problemlos auf andere Zeiten und Lebensrealitäten übertragen werden kann und damit die Zeit überdauert. Auch 90 Jahre nach der Entstehung ist der Film fesselnd und relevant – ein wahres Meisterwerk, das man im Internet kostenlos ansehen kann (was man auch tun sollte).


9,0
von 10 Kürbissen

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